Kein Verständnis: Christian Klöpper leitet die Produktionsschule bei der Jugendhilfe in Schweicheln. Es ist ihm nicht ganz klar, weshalb die Landesregierung das Projekt nicht fortführen will. Denn nach seinen Worten handelt es sich um ein Erfolgsmodell, für das es keine alternative Maßnahme gibt. - © Alexander Jenniches
Kein Verständnis: Christian Klöpper leitet die Produktionsschule bei der Jugendhilfe in Schweicheln. Es ist ihm nicht ganz klar, weshalb die Landesregierung das Projekt nicht fortführen will. Denn nach seinen Worten handelt es sich um ein Erfolgsmodell, für das es keine alternative Maßnahme gibt. | © Alexander Jenniches

Schweicheln. Berufsvorbereitung für Jugendliche vor dem Aus

Berufsvorbereitung: In der Produktionsschule der Jugendhilfe Schweicheln bereiten sich junge Erwachsene auf ihr Arbeitsleben vor. Die Landesregierung will das Projekt auslaufen lassen. Lokale Politiker wollen helfen

Alexander Jenniches

Schweicheln. Die Produktionsschule der Jugendhilfe Schweicheln steht vor dem Aus. Die Landesregierung möchte das Projekt nicht fortführen und stattdessen zurück zum so genannten Werkstattjahr, das Vorgängermodell der Produktionsschule. Bei der Jugendhilfe Schweicheln hat man für den geplanten Schritt der Landesregierung kein Verständnis. In der Produktionsschule bereiten sich junge Erwachsene zwischen 18 und 25 Jahren auf ihr Arbeitsleben vor. Es sind Menschen, die aus verschiedenen Gründen noch keinen Job oder eine Ausbildung gefunden haben: Manche haben eine schwierige Biografie, andere sind schlicht noch zu schüchtern fürs Arbeitsleben oder in ersten Anläufen gescheitert. Die Jugendhilfe Schweicheln schiebt sie an mit pädagogischer Unterstützung und praktischer Anleitung, so dass sie Schwierigkeiten überwinden. Dafür schließen sich die jungen Erwachsenen in Projekten zusammen, planen und führen sie aus und - im besten Fall - verkaufen ihre Leistung auf dem freien Markt. Christian Klöpper leitet die Produktionsschule und hat Beispiele dafür, wie gut das klappt: "2015 haben die jungen Erwachsenen der Schule Kontakt zu einem lokalen Energieversorger aufgenommen und wollten Stromkästen verschönern und bemalen. Sie haben alles geplant, mit dem Versorger verhandelt und dann den Auftrag ausgeführt." Produktionsschüler dekorieren Stromkästen mit Farbe Wie das aussieht, kann man in der ganzen Gemeinde sehen. An der Herforder Straße steht ein Kasten, der von Ferne aussieht wie ein iPod. Etwas weiter Richtung Kirchlengern, am Schweichelner Kreisel, ziert eine Sonne einen Stromkasten. Christian Klöpper: "Durch solche Maßnahmen lernen die jungen Menschen Selbstbewusstsein und, dass ihre Arbeit geschätzt wird und sich letztlich auch auf dem freien Markt verkaufen lässt. Und das ist unser Ziel. Sie sollen durch Wertschätzung motiviert und gestärkt werden, so dass sie fit werden für den Arbeitsmarkt und einen Job finden oder eine Ausbildung anfangen." NRWs Arbeitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) will das landesweite Projekt der Produktionsschulen jedoch nicht weiterführen. Stattdessen soll das Rad zurückgedreht werden zum Modell des Werkstattjahrs, aus dem sich die Produktionsschule entwickelt hat. Warum er sich gegen die Produktionsschule entschieden hat, weiß man bei der Jugendhilfe nicht genau. Der Minister hat seine Entscheidung mit einer hohen Abbrecherquote begründet. Abbruch kann nach den Worten von Klöpper jedoch auch heißen, dass die Teilnehmer viel schneller als gedacht auf den Arbeitsmarkt kommen - eben weil sie durch die Zeit in der Produktionsschule dann bereit dafür sind. "Wieso sollten wir sie dann aufhalten? Ab in den Arbeitsmarkt ist doch gerade das Ziel. In der Statistik erscheint das jedoch kommentarlos als Fehlquote." Das Projekt sei nicht ausführlich auf Erfolg überprüft worden, der tatsächlich da sei, und mit dem Wegfall entstehe eine große Lücke. Klöpper: "Die Idee des Werkstattjahrs geht am Bedarf vorbei. Denn das Werkstattjahr hilft Jugendlichen beim Übergang in den Arbeitsmarkt. Die Produktionsstätten sind jedoch für junge Erwachsene, die - sollte das Projekt abgeschafft werden - nichts mehr haben und quasi auf der Straße stehen. Denn es gibt sonst keine vergleichbare Maßnahme." Das Thema hat mittlerweile auch Landrat Jürgen Müller (SPD) erreicht und den Landtagsabgeordneten Stephen Paul (FDP), die sich beide für den Erhalt der Schule aussprechen. Paul hat sich gar per Brief an Laumann gewendet. 25 junge Erwachsene bereiten sich derzeit in der Schule auf ihr Arbeitsleben vor. Ob die lokalen Bemühungen fruchten, die Landesregierung zu überzeugen, könnte sich schon bald zeigen. Klöpper erwartet eine Antwort aus dem Ministerium quasi täglich. Sehr optimistisch ist er allerdings nicht.

realisiert durch evolver group