In der Gaststätte „Irrlicht“ am Hücker Moor: Das „Trio Infernale“ mit „Body“ Dold (v. l.), „Jenne“ Gläsker und Jens Kosmiky in den Anfangsjahren der Band. - © Archiv Jens Kosmiky
In der Gaststätte „Irrlicht“ am Hücker Moor: Das „Trio Infernale“ mit „Body“ Dold (v. l.), „Jenne“ Gläsker und Jens Kosmiky in den Anfangsjahren der Band. | © Archiv Jens Kosmiky

Enger Trio Infernale sagt Tschüss: „Alles hat seine Zeit“

Interview: Engers Kultband hört auf, im April geben die Musiker ihr letztes Konzert. Im Gespräch mit der NW berichten sie von ihren skurrilsten Auftritten – und was Boxsäcke und Pfadfinder damit zu tun haben

Enger . Das „Trio Infernale" ist Kult: Sie haben auf unzähligen Kirschblütenfesten, auf Weihnachtsmärkten und privaten Feiern gespielt. Ihre Auftritte sind regelmäßig ausverkauft. Warum kommt jetzt, nach 25 Jahren, das Aus? JENS KOSMIKY: Anders als vor 25 Jahren haben wir heute ein ganz anderes Leben, haben Familien und Berufe. Die meisten Auftritte sind jedoch an den Wochenenden, fangen früh an und ziehen sich bis spät in die Nacht. Das ist mittlerweile doch anstrengend. SEBASTIAN „BODY" DOLD : Und bei uns kommt es ja auch stark auf die Interaktion mit dem Publikum an. Da haben wir Sorge, dass wir alle Gags irgendwann durchhaben. JENS-HENNING „Jenne" GLÄSKER: Was wir machen, war sehr angesagt in den 90er und 2000er Jahren. Da kam ja die Comedy auf. Da passte das „Trio" richtig gut rein. Aber alles hat seine Zeit – und diese Zeiten sind irgendwie vorbei. 25 Jahre auf der Bühne – wie viele Auftritte sind da zusammengekommen? KOSMIKY: Bestimmt an die 1.000. Und was war der Skurrilste? GLÄSKER (lacht): Für mich war das ein Auftritt in Haltern am See, Anfang der 2000er Jahre. Da haben wir vor Pfadfindern in einer Art Jurte im Wald gespielt. Allerdings zündete unser Programm dort überhaupt nicht. Die forderten Lieder, die wir noch nie gehört hatten. Teilweise ging das in Richtung Seemanns-, teilweise in Richtung Burschenschaftslieder. Das war schon sehr skurril. DOLD: Ich kann mich besonders gut an einen Auftritt bei einer Geburtstagsfeier in Holsen erinnern. 1993 oder ’94 muss das gewesen sein. Da bekam der Gastgeber einen Boxsack geschenkt – der direkt vor mir aufgehängt wurde. Und jeder der testosterongesteuerten Männer in dem Partykeller wollte da einmal draufhauen. Für mich hieß das: Ich musste während des Auftritts immer hin- und herspringen, um von dem Ding nicht getroffen zu werden. KOSMIKY: Skurril waren häufig auch die Umkleide-Aktionen vor den Auftritten. Ganz oft haben wir uns auf dem Parkplatz zwischen zwei Autos in unser Bühnen-Outfit werfen müssen. Oder auf zugigen Kegelbahnen. Denkwürdig war auch Jennes Liederheft. . . Wieso, was hat es damit auf sich? KOSMIKY: Das hat Jenne ganz spontan mal bei einem unserer Weihnachtskonzerte im Publikum verteilt. Wir beiden anderen wussten davon nichts. Darin hatte er Songs zusammengestellt, die sich die Zuhörer wünschen konnten. Damit hatte er sich zugegeben viel Mühe gemacht und das Heft sogar gebunden. Das Problem nur: Auch so Titel wie „Hero" von Enrique Iglesias standen darin. Oder „I’m just more" von Wonderwall – ein Song, den im Original drei ganz junge Mädels singen. Von der Stimmlage also nicht unbedingt das typische Lied für drei Männer. In dem Liederheft stehen übrigens auch zwei Songs, die ich bis heute nicht kenne. Ein Vierteljahrhundert gemeinsam auf der Bühne. Wie haben Sie zusammengefunden? KOSMIKY: Wir sind zusammen zur Schule gegangen und haben gemeinsam in der Schulband „RockSplit" gespielt. Und wie kam es zum „Trio Infernale"? GLÄSKER: Nach den „RockSplit"-Proben hatten wir oft noch Lust auf Pizza. Da sind wir dann ins „Irrlicht" am Hücker Moor gefahren. Und irgendwann haben wir dort gefragt, ob wir nicht ein bisschen Musik machen könnten – gegen eine kostenlose Pizza. KOSMIKY: Im „Irrlicht" hatten wir auch unser erstes Weihnachtskonzert. Da saßen damals allerdings nur 30 Leute. Gibt es eigentlich Songs, mit denen Sie nach 25 Jahren „Trio" richtig auf Kriegsfuß stehen, die Sie nicht mehr hören können? KOSMIKY: „Summer of ’69". Das ist zwar eigentlich eine tolle Nummer, aber wenn man die 1.000 Mal gespielt hat, nervt es irgendwann. Wir haben das aber ganz gut gelöst und eine langsame Nummer daraus gemacht. Aber privat müsste ich den Song trotzdem nicht mehr so unbedingt hören. Bei den „Trio"-Konzerten ging es ja immer auch um die Unterhaltung und nicht nur um die Musik. Sie haben sich darum gern mal die ein oder andere Aktion einfallen lassen, um das Publikum einzubinden. Was zum Beispiel hatte es mit dem Edelfan-T-Shirt auf sich? KOSMIKY (lacht) : Davon gab es exakt drei Stück. Eine „Limited Edition" sozusagen. Die Shirts – die im Dunklen leuchteten – berechtigen dazu, lebenslang kostenlos alle „Trio"-Konzerte zu besuchen. Wir haben sie bei unseren Auftritten im „Irrlicht" verlost. Um eins davon zu ergattern, mussten sich die Zuhörer allerdings ins Zeug legen. Einer meiner heutigen Nachbarn hat damals ein solches Shirt gewonnen. Dafür musste er Rock’n’Roll tanzen – auf dem Tisch. Würden Sie sich als Rampensäue bezeichnen? Dold: Nö, eigentlich nur Jens. KOSMIKY: Ja. GLÄSKER (ironisch): Ich für meinen Teil habe ja immer eher durch musikalische Leistung überzeugt. Was war das Erfolgskonzept des „Trio Infernale"? DOLD: Wir waren und sind zwar sehr unterschiedlich. Aber wir waren uns immer einig, dass wir die Menschen unterhalten wollten, wenn wir auf der Bühne standen. GLÄSKER: Und die Kunst war wohl auch, dass wir wussten, was das Publikum hören möchte. Das „Trio" ist bald Geschichte. Wird man Sie nie mehr gemeinsam auf der Bühne sehen? KOSMIKY: Doch. Wir spielen weiterhin zusammen in der Kinderrockband „Krawallo". Das Gespräch führte Mareike Patock

realisiert durch evolver group