Autoren: Helga Kohne und Friedel Böhse vom Kuratorium Erinnern, Forschen und Gedenken in Herford haben die Ausstellung zusammengestellt. Sie werden den Besuchern die Exponate erläutern. Friedel Böhse zeigt auf die Zahl 350. So viele polnische Zwangsarbeiter mussten in einer Fabrik in Sundern schuften. - © Alexander Jenniches
Autoren: Helga Kohne und Friedel Böhse vom Kuratorium Erinnern, Forschen und Gedenken in Herford haben die Ausstellung zusammengestellt. Sie werden den Besuchern die Exponate erläutern. Friedel Böhse zeigt auf die Zahl 350. So viele polnische Zwangsarbeiter mussten in einer Fabrik in Sundern schuften. | © Alexander Jenniches

Hiddenhausen Über das Schicksal von Zwangsarbeitern

Auch im Raum Herford hat die Zwangsarbeit im 2. Weltkrieg eine Geschichte. Eine Ausstellung im Hiddenhauser Rathaus beleuchtet jetzt das Schicksal von Verschleppten in Lippinghausen und Sundern

Corina Lass
Alexander Jenniches

Hiddenhausen. Die Propaganda der Nationalsozialisten im Zweiten Weltkrieg lautete: "Europa arbeitet in Deutschland." Das bedeutete, dass zehn Millionen Menschen aus 20 Ländern verschleppt wurden, damit sie für die Kriegsziele arbeiteten. Ebenso viel schufteten in den besetzten Gebieten für die Kriegswirtschaft der Deutschen. Was das bedeutete, zeigt eine Ausstellung des Kuratoriums Erinnern, Forschen und Gedenken. In Kooperation mit der Gemeinde Hiddenhausen ist sie ab Dienstagabend, 27. Februar, auf der Galerie im Rathaus zu sehen. Sie thematisiert die Geschichte der Zwangsarbeit im Zweiten Weltkrieg. Denn der Kreis Herford und auch die Gemeinde Hiddenhausen waren keine Ausnahmen bei der Beschäftigung und Misshandlung von Zwangsarbeitern. Die Ausstellung zeigt unter anderem das Leid von 350 Polen in Sundern und die Verbrechen der deutschen Geschäftsführung. Letztere wurde nach dem Krieg zur Rechenschaft gezogen. Die Ausstellung dokumentiert die Auslieferung des Führungspersonals nach Polen, und wie die Männer dort vor Gericht gestellt, zu hohen Gefängnisstrafen verurteilt und zwei von ihnen hingerichtet wurden. Das traurige Schicksal des Zwangsarbeiters Efim Gorgol Exemplarisch für Einzelschicksale haben die Autoren der Ausstellung das Schicksal des Zwangsarbeiters Efim Gorgol aufgearbeitet. Aus der Ukraine kommend, trifft er am Abend des 29. Mai 1942 in Herford ein. Bereits am nächsten Tag weist ihn das Arbeitsamt einem Bauern in Lippinghausen zu. Gorgol flieht jedoch kurz darauf. Vorher bedient er sich aber noch in der reichlich gefüllten Speisekammer an den Würsten, weil er stets hungrig war. Das gibt er später bei der Gestapo (Geheime Staatspolizei) im Verhör zu Protokoll. Als Strafe kommt Gorgol zur Umerziehung in das Arbeitserziehungslager Hunswinkel bei Lüdenscheid und muss im Hoch- und Tiefbau an der Versetalsperre arbeiten. Am 6. August, kurz vor seiner Entlassung, wird er dort ermordet. Dem Bürgermeister von Herford geht daraufhin von der Gestapo eine Mitteilung zu mit der Meldung, Efim Gorgol sei "am 6.8.42 gegen 8 Uhr auf der Flucht erschossen" worden. Der Passus deutet auf einen Vorgang hin, der sich laut Zeitzeugenaussagen regelmäßig im Lager Hunswinkel abgespielt hat. Helga Kohne und Friedel Böhse vom Kuratorium Erinnern, Forschen und Gedenken in Herford betreuen die Ausstellung. Kohne weiß, worum es sich bei dem Vorgang handelt: "Wenn ein Wachmann mal wieder vom Dienst die Nase voll hatte, nahm er sich einen russischen Lagerinsassen, führte ihn zu den Latrinen und erschoss ihn von hinten. Dafür gab es drei Tage Sonderurlaub und zwanzig Reichsmark." Die Ausstellung wird am Dienstag, 27. Februar, um 19 Uhr im Rathaus eröffnet. Nach der Begrüßung durch Bürgermeister Ulrich Rolfsmeyer führen Helga Kohne und Friedel Böhse in die Geschichte der Zwangsarbeit im Zweiten Weltkrieg ein. Danach gehen die Besucher gemeinsam durch die Ausstellung über die Galerie. Geöffnet ist sie montags von 6 bis 16 Uhr, dienstags und donnerstags von 8 bis 18 Uhr sowie mittwochs und freitags von 8 bis 13 Uhr. Ansprechpartner für Schulklassen und Gruppen ist das Kuratorium, Tel. (0 52 21) 18 92 57, E-Mail: info@zellentrakt.de und www.zellentrakt.de

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