Altarraum: Pfarrer Martins Brings steht im Altarraum der Evangelischen Kirche in Lippinghausen. Hier wird der oder die Neue voraussichtlich ab dem späten Sommer oder frühen Herbst predigen. Wann es allerdings tatsächlich losgeht, steht noch nicht fest. - © Alexander Jenniches
Altarraum: Pfarrer Martins Brings steht im Altarraum der Evangelischen Kirche in Lippinghausen. Hier wird der oder die Neue voraussichtlich ab dem späten Sommer oder frühen Herbst predigen. Wann es allerdings tatsächlich losgeht, steht noch nicht fest. | © Alexander Jenniches

Hiddenhausen/Lippinghausen Hiddenhausen besetzt Pfarrstelle neu

Pfarrer Ulrich Rottschäfer geht in Vorruhestand. Lippinghausen möchte zukünftig etwas mehr Liebe

Alexander Jenniches

Hiddenhausen/Lippinghausen. Die Stephanus Gemeinde wird zum Ende des Sommers eine Pfarrstelle für die Dörfer Hiddenhausen und Lippinghausen neu besetzen. Pfarrer Ulrich Rottschäfer geht in den Vorruhestand, und damit wird seine Stelle vakant. Die Suche gestaltet sich jedoch schwieriger als in früheren Jahren, wie Pastor Martin Brings weiß. Er sitzt gemeinsam mit Pfarrerin Renata Pense dem Presbyterium vor, das am Ende die Entscheidung über die neuen Kandidaten fällt: "Wir haben mittlerweile die Situation auf dem Arbeitsmarkt für Pastoren, dass sie sich die Stellen quasi deutschlandweit aussuchen können, weil es sehr wenig Bewerber auf relativ viele Stellen gibt. Das war in den 80er Jahren noch ganz anders. Da wurden Kollegen im sogenannten Entsendungsdienst quasi zwischen geparkt - also auf einer befristeten Stelle - bis eine feste Stelle frei wurde." Allerdings schläft Brings mittlerweile schon wieder etwas ruhiger als noch vor Monaten als klar wurde, dass Hiddenhausen und Lippinghausen einen neuen Pfarrer oder eine Pfarrerin benötigen. Denn: "Die Bewerbungsfrist geht in etwa bis Ostern. Die Stelle ist ja noch nicht mal im offiziellen Amtsblatt der Evangelischen Kirche von Westfalen ausgeschrieben. Somit gibt es auch noch kein offizielles Bewerbungsverfahren. Allerdings gibt es schon Kandidaten, die zumindest ein Auge auf die Stelle geworfen haben. Und das beruhigt doch ein wenig." Kandidaten müssen der Gemeinde gefallen und Teamplayer sein Die Gemeinde soll jemanden Ansprechendes bekommen. Um die Wünsche der Kirchgänger besser kennenzulernen, lud das Presbyterium kürzlich zu einem Infoabend ein, an dem sich jedermann über das Auswahlverfahren schlau machen und auch eigene Ideen einbringen konnte. Das war durchaus erhellend für Pfarrer Brings und das wahlentscheidende Presbyterium. Von Seiten der Gemeinde sei deutlich geworden, dass gerade die Lippinghauser von dem oder der Neuen etwas mehr geliebt werden möchten. Mehr geliebt? Das hat eine Vorgeschichte. Bis vor acht Jahren waren sämtliche Dörfer auch eigene Pfarrgemeinden. Dann jedoch - im Jahr 2010 - wurden sie zusammengelegt zu einem Ganzen, nämlich der Stephanus Gemeinde. Pfarrer Rottschäfer bekam dann nach einiger Zeit die Aufgabe, nicht nur seine ureigene Gemeinde Hiddenhausen zu betreuen, in der er bereits seit 30 Jahren Dienst tat. Es war jetzt auch zuständig für die Gemeinde in Lippinghausen. Und manch einer dort fühlt sich damit wohl ein bisschen als Anhängsel, weil Rottschäfer da ja nicht zu Hause ist. Zudem muss er Sonntags zwei Gottesdienste hintereinander abhalten: um 9.30 Uhr in Hiddenhausen und um 10.45 in Lippinghausen. Das wiederum schmeckt einigen Hiddenhausern nicht, denn der Pfarrer hat quasi keine Zeit für Gespräche und ist stets auf dem Sprung zur Predigt im nächsten Dorf. Brings: "Da müssen wir auf jeden Fall etwas tun. Der Gemeindeabend hat sehr deutlich gezeigt, dass die Gottesdienstbesucher mit ihrem Pfarrer am Sonntag auch in Kontakt treten möchten. Das ist vielen sehr wichtig, und das nehmen wir auch absolut ernst." Zudem müssen die Kandidaten neben den seelsorgerischen Fähigkeiten auch Teamplayer sein. Denn seit dem Zusammenschluss der einzelnen Pfarrgemeinden im Jahr 2010 gibt es viel mehr zu koordinieren und abzusprechen zwischen den Pfarrerinnen und Pfarrern. Und nicht zuletzt baten die Vertreter der Kindergärten auf dem Infoabend darum, dass auch ein guter und enger Kontakt zu ihren Institutionen gehalten werde. Wer die Stelle letztendlich bekommt, das entscheidet ein 24-köpfiges Presbyterium - jedoch nicht einfach so. Castingrunde vor Gemeinde und Konfirmanden Eine Probepredigt vor der Gemeinde muss er oder sie absolvieren und auch eine Probestunde für Konfirmanden geben. Erst dann wählen die Presbyter, und die Entscheidung fällt. Pfarrer Ulrich Rottschäfer scheidet am 31. Juli aus. Spätestes dann wird aller Voraussicht nach klar sein, wer die neue Pfarrstelle bekommt. Ob der oder die Zukünftige dann allerdings schon predigen kann und den Gemeinden voll zur Verfügung steht, ist keineswegs gewiss. Denn wenn es jemand von einer anderen Pfarrstelle ist, müsste er oder sie dort zunächst den Dienst beenden. Und ob das tatsächlich mit dem Stichtag von Pfarrer Rottschäfers Ausscheiden überein geht? Das weiß wohl nur der Arbeitgeber von ganz oben.

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