Moderation: Das Sunderaner Urgestein Egon Schäffer spricht im Erzählcafé über seine eigenen Erfahrungen mit der Quäkerspeisung. Bei der anschließenden Diskussion gibt er sein Mikrofon aber auch an die Gäste weiter (Vordergrund). - © Christian Geisler
Moderation: Das Sunderaner Urgestein Egon Schäffer spricht im Erzählcafé über seine eigenen Erfahrungen mit der Quäkerspeisung. Bei der anschließenden Diskussion gibt er sein Mikrofon aber auch an die Gäste weiter (Vordergrund). | © Christian Geisler

Sundern Warum bei der Quäkerspeisung Konservendosen eine große Rolle spielten

Erzählcafé: Urgestein Egon Schäffer und Dieter Roth, ehemaliger Schulleiter der Grundschule Sundern, erklären, wie sie die Quäkerspeisung nach dem Zweiten Weltkrieg erlebten

Christian Geisler

Sundern. In der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg sind das Sunderaner Urgestein Egon Schäffer und seine Schulkameraden stets mit Töpfen an ihren Ranzen zur Schule gegangen. Die Behälter hatten sie in Eigenarbeit gebastelt - sie bestanden aus Konservendosen, der Henkel wurde aus Draht gefertigt. "Mit den Büchsen in der Hand holten wir uns jeden Tag in der Schule etwas zu Essen ab", erklärt Schäffer heute. Mit Hilfe der so genannten Quäkerspeisung wurden Millionen von Kinder nach dem Ersten und Zweiten Weltkrieg vor allem von US-amerikanischen und britischen Quäkern versorgt. "Die Quäkerspeisung ist ein Thema, über das alle aus meiner Generation etwas zu erzählen haben", sagt Egon Schäffer. Aus diesem Grund wurde die Quäker- oder auch Kinderspeisung im Sunderaner Erzählcafé thematisiert. Rund 60 Gäste lauschten im Gemeindehaus den Erzählungen von Schäffer und Dieter Roth, dem ehemaligen Schulleiter der Grundschule Sundern. Es folgte eine Diskussion. "Die Quäkerspeisung richtete sich 1946 vor allem als Hilfe an Kinder", sagt Roth. "In der Pause wurden die Töpfe der Schulkinder mit einer warmen Mahlzeit gefüllt. Zu besonderen Anlässen wurde auch Schokolade ausgegeben." Als Mahlzeiten habe es vor allem Suppeneintopf, Grieß- oder Haferbrei gegeben. "Die Erbensuppe schmeckte nicht allen", erinnert sich Schäffer. Eine der Anwesenden erzählte, dass sie vor allem den Hafer mit Rosinen gerne gegessen habe. "Der war immer so schön süß", sagt sie. »Die Quäkerspeisung richtete sich 1946 als Hilfe an Kinder« Ein weiterer Gast des Erzählcafés berichtet von seiner Kindheit in Berlin. Auch dort seien Quäkerspeisen verteilt worden. Da die Stadt nach dem Krieg in vier Besatzungszonen unterteilt war, wechselten sich die betreffenden Nationen stets mit der Versorgung der Schüler ab. "Am schlimmsten war es, wenn die Russen dran waren. Bei den Amerikanern gab es dafür immer weiße Schokolade", erinnert er sich. Etwa 20 der 60 Anwesenden im Erzählcafé haben in ihrer Jugend selbst Quäkerspeisen erhalten. Die Mahlzeiten wurden damals ausschließlich an Kinder ausgeteilt, die nicht zu Selbstversorgerfamilien gehörten. Mit ihren erhaltenen Mahlzeiten sind alle anders umgegangen, ging aus einer Diskussion hervor. Während Mädchen von amerikanischen Soldaten gelegentlich ein Stück Schokolade mehr bekamen, tauschten einige Jungs ihre Süßigkeiten gegen Brote ein. Andere haben sich wiederum ihre Schokolade zurückgelegt, um jeden Tag davon essen zu können. Das nächste Erzählcafé thematisiert die Geschichte der Zeitung. Es findet am Samstag, 17. März, statt.

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