Fachfrau: Ann-Kathrin Nedderhoff organisiert im Hiddenhauser Rathaus das Bewerbungsverfahren für das Schöffenamt. Die Resonanz ist derzeit noch mäßig. Nur 13 Bürger interessieren sich für das Ehrenamt bei Gericht. Im Jahr 2013 waren es noch 38 Menschen, die die Tätigkeit ausüben wollten. - © Alexander Jenniches
Fachfrau: Ann-Kathrin Nedderhoff organisiert im Hiddenhauser Rathaus das Bewerbungsverfahren für das Schöffenamt. Die Resonanz ist derzeit noch mäßig. Nur 13 Bürger interessieren sich für das Ehrenamt bei Gericht. Im Jahr 2013 waren es noch 38 Menschen, die die Tätigkeit ausüben wollten. | © Alexander Jenniches

Hiddenhausen Schöffen fürs Amtsgericht verzweifelt gesucht

Rechtsprechung: Die Gemeinde muss Gerichten in Herford und Bielefeld bis Mitte April mindestens zehn Kandidaten für das Schöffenamt nennen. Das Interesse an dem Ehrenamt ist derzeit jedoch gering

Alexander Jenniches

Hiddenhausen. Die Gemeinde Hiddenhausen sucht Schöffen, sie werden landläufig auch Laienrichter genannt. Beim Amt des Schöffen handelt sich um ein Ehrenamt - und das scheint mittlerweile in vielen Teilen der Gesellschaft ein Problem zu sein. Denn ehrenamtliche Tätigkeit kostet Zeit und bringt kein Geld. Dafür manchmal aber Ärger, wenn etwas schief läuft. Ann-Kathrin Nedderhoff ist im Hiddenhauser Rathaus für das Bewerbungsverfahren ums Schöffenamt verantwortlich. Bisher sind bei ihr nur 13 Bewerbungen von Bürgern eingegangen, die gerne Schöffe werden möchten: "13 ist jetzt nicht so eine riesige Zahl. Beim letzten Bewerbungsverfahren im Jahr 2013 hatten wir 38. Wir sind also noch auf der Suche", sagt sie. Aber es kann ja noch werden. Am 15. April läuft die Bewerbungsfrist ab. Danach bekommt der Gemeinderat die Liste mit allen Namen, muss sie mit einer Zweidrittelmehrheit genehmigen und leitet sie erst dann an das Amtsgericht Herford und das Landgericht Bielefeld weiter. Dort entscheiden Schöffenwahlausschüsse darüber, wer zukünftig als Laie in jeder Art von Gerichtsverfahren gemeinsam mit den Richtern ein Urteil fällen kann. Denn das ist das Besondere am Schöffenamt: Vor Gericht haben Schöffen - also Laienrichter - das gleiche Stimmrecht wie Berufsrichter. Ein Richter kann zwei Schöffen nicht überstimmen. Lebenserfahrung und Menschenverstand der Laien sind gefragt Aber wie kann das sein, dass Amateure in so wichtiger gesellschaftlicher Funktion ein so großes Mitspracherecht haben? Jörg Luttmann leitet das Amt für Ordnung in der Gemeinde Hiddenhausen, und sein Ressort ist für die Schöffenbewerbungen zuständig. Er sagt: "Es gibt das Schöffenamt, weil der Gesetzgeber auf den gesunden Menschenverstand derer zählt, die dort über andere Menschen zu Gericht sitzen. Deswegen soll das Amt mit Bürgern aus allen Bereichen der Gesellschaft besetzt werden, damit viele verschiedene Sichtweise und natürlich auch Lebenserfahrung zusammenkommen und dann ein vernünftiges Urteil ermögliche." Bewerber müssen die deutsche Staatsangehörigkeit haben, mindestens 25 Jahre alt sein und nicht älter als 70. Zudem müssen sie ihren Wohnsitz in Hiddenhausen haben und dürfen nicht in größerem Maß mit dem Gesetz in Konflikt geraten sein. Fünf feste Schöffen und fünf Vertreter werden gesucht Das Schöffenamt verlangt Zeit und wird nur mit wenigen Euro vergütet. Das ist möglicherweise auch der Grund dafür, weshalb sich bisher so wenig Menschen in Hiddenhausen beworben haben. Insgesamt zehn Schöffen muss die Gemeinde stellen. Der Schöffenwahlausschuss benennt fünf feste Schöffen und fünf Vertreter. Ann-Kathrin Nedderhoff vom Ordnungsamt berät Bewerber per Telefon und klärt über das Bewerbungsverfahren auf. Wer Interesse hat, kann sich informieren unter Tel. (05 22 1) 9 64 2 25 und auf www.hiddenhausen.de

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