Fachfrau in Bückeburger Tracht: Die Perlenstrickerin Renate Gewers (v.l.) zeigt im Café "Alte Werkstatt" Regine Rolfsmeyer und Irene Niehaus die richtige Technik des Perlenstrickens. - © Mareike Köstermeyer
Fachfrau in Bückeburger Tracht: Die Perlenstrickerin Renate Gewers (v.l.) zeigt im Café "Alte Werkstatt" Regine Rolfsmeyer und Irene Niehaus die richtige Technik des Perlenstrickens. | © Mareike Köstermeyer

Hiddenhausen Eine Perlenstrickerin gibt Tipps

Handarbeit: Renate Gewers zeigte im Café "Alte Werkstatt", wie in Bückeburg reich verzierte Trachten gefertigt werden. Ein Renner sind dabei sogenannte "Geldkatzen"

Mareike Köstermeyer

Hiddenhausen. Bei einer Tasse Kaffee und einem Stück Kuchen präsentierte Renate Gewers am Sonntag im Café "Alte Werkstatt" mit Perlen gestrickte Stulpen, Handyhüllen und Teelichtverzierungen. Etwa 30 Besucher waren gekommen, um sich die richtigen Kniffe beim Perlenstricken von der Bückeburgerin zeigen zu lassen und ihr über die Schulter zu schauen. Passend zum Thema trug Renate Gewers eine Tracht bestehend aus Haube, Kragen, Schlips, Queder und rotem Rock. "Und das blaue Schmuckband am Rocksaum macht es zu einer typischen Bückeburger Tracht", so die 65-Jährige. Vor 46 Jahren gründete Gewers im Bückeburger Ortsteil Meinsen-Warber eine Trachtengruppe von der sie auch heute noch die Vorsitzende ist. Durch die Trachten entdeckte die gelernte Friseurin ihre Leidenschaft zur Perlenstrickerei. "Ich habe die Tracht damals von meiner Großmutter übernommen, aber meine Arme passten nicht in die Stulpen", erinnert sich Renate Gewers. Mit ein paar Lehrbüchern habe sie sich das Perlenstricken aus der Not heraus dann selbst beigebracht. "Videos auf Youtube gab es damals ja noch nicht." Vor dem Stricken wird ein Entwurf auf Papier angefertigt Zum Perlenstricken verwendet sie keine übliche Nadel, sondern eine hauchdünne Aufreihnadel, die leicht gebogen ist und ein Garn aus besonders reißfester Baumwolle. Doch bevor es losgeht muss Renate Gewers einen Entwurf des späteren Musters auf Papier anfertigen. In diesem wird festgelegt, welche Perle an welcher Stelle eingestrickt wird. Anschließend zieht sie alle Perlen, die später die Stulpe zieren sollen, über die Nadel auf einen Faden auf und beginnt dann zu stricken. Wichtig dabei ist, dass "verschränkt" gestrickt wird, damit die Perlen am Ende nicht nach hinten fallen. Denn dann wäre das gewünschte Muster schlicht nicht mehr zu erkennen. Nach fast 100 Arbeitsstunden sind die Stulpen samt Perlenmuster fertig. Seit etwa 20 Jahren ist das Perlenstricken Renate Gewers großes Hobby. Inzwischen strickt sie auch den Queder, ein spezieller Gürtel für die Schaumburger Tracht, selbst. Auch den Schlips ihrer Tracht hat sie selbst mit Perlen verziert. Aber der Renner seien die Geldkatzen. "Das sind Geldbörsen, die Männer früher zu ihren Trachten trugen", sagt Gewers. Aber heute seien die auch bei ihren weiblichen Kunden sehr beliebt. Auch auf der Grünen Woche in Berlin konnte Gewers ihre Strickereien gut verkaufen. Hintergrund der Veranstaltung in der "Alten Werkstatt" war die Idee, im tristen Winter kunsthandwerkliche Dinge zu präsentieren. "Damit wollen wir ein bisschen Licht in den dunklen Februar bringen", sagt Café-Betreiberin Anna von Consbruch. "Wir bereiten uns damit kreativ auf den Frühling vor." So wurde in der Werkstatt schon geklöppelt, gesponnen und gehäkelt. Als nächstes steht am 25. Februar "Recycling-Häkeln" auf dem Programm.

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