Innovation: Fraktionssprecher Bernhard Weil (links) und Gemeindeverbandssprecher Christos Zioudas möchten, dass ein linienunabhängiger und nachfrageorientierter Fahr-Service in der Gemeinde Hiddenhausen eingerichtet wird. Fahrten soll man dann am besten mit einer Handy-App buchen können. - © Alexander Jenniches
Innovation: Fraktionssprecher Bernhard Weil (links) und Gemeindeverbandssprecher Christos Zioudas möchten, dass ein linienunabhängiger und nachfrageorientierter Fahr-Service in der Gemeinde Hiddenhausen eingerichtet wird. Fahrten soll man dann am besten mit einer Handy-App buchen können. | © Alexander Jenniches

Hiddenhausen Grüne wollen mit Handy-App den Verkehr reduzieren

In der Gemeinde Hiddenhausen fordern sie einen Bürgerbus, wollen ein Windrad und sorgen sich um das Erstarken rechter Parteien und Bewegungen

Alexander Jenniches

Hiddenhausen. Die Bündnisgrünen sitzen mit zwei Leuten im Hiddenhausen Gemeinderat. Damit haben sie Fraktionsstatus. Wie viele kleine Parteien, müssen sie sich zuweilen mit größeren arrangieren. Dem Ideenreichtum für ein umweltgerechteres Hiddenhausen tut das jedoch keinen Abbruch. Im Gegenteil: Sie sind angriffslustig und wollen Bewegung vor allem in den öffentlichen Nahverkehr bringen. Der Bürgerbus – das ist ein Thema über das Bernhard Weil und Christos Zioudas gerne sprechen. Die beiden bilden die Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen im Hiddenhauser Gemeinderat. Weil ist Fraktionssprecher und Zioudas Gemeindeverbandssprecher. An diesem zwar sonnigen, aber recht kalten Tag stehen die beiden an der Bushaltestelle Schweichelner Straße. Die Straße verbindet die weiter unten gelegene Herforder Straße (B239) mit der höher gelegenen Bünder Straße. Und genau diese Querverbindungen in der Gemeinde möchten die beiden besser an den öffentlichen Nahverkehr anschließen. Bernhard Weil: „Die beiden Hauptverkehrsadern durch Hiddenhausen sind einfach unheimlich überlastet. Der Tunnel durch den Berg, die von vielen unterstützte Lösung ist zwar gut, aber sie liegt einfach auch in der Hand des Bundes. Die Gemeinde ist da machtlos. Wir möchten aber hier vor Ort versuchen, Lösungsmöglichkeiten anzubieten. Und deswegen setzen wir auf den Bürgerbus." Der Bürgerbus soll einen linienunabhängigen und nachfrageorientierten Fahrservice bieten und zwar gerade auf den Strecken, die nicht mehrmals pro Stunde vom Linienverkehr bedient werden. Bernhard Weil: „Wer nicht an den großen Straßen oder an zentralen Punkt wohnt, ist ein bisschen abgehängt. Es wäre doch prima, wenn sich die Bürger per Handy-App für eine Fahrt anmelden könnten. Dann wären wir mobiler, könnten von uns aus den Verkehr in der Gemeinde entlasten, weil nicht jeder mit dem eigenen Auto fährt, und das wäre dann auch umweltträglicher." Wie allen anderen Parteien macht auch Bündnis 90/Die Grünen das Erstarken rechter Parteien in den vergangen Jahren Sorgen Der Bürgerbus ist vermutlich ein Vorschlag, den viele Bürger – egal welcher politischen Couleur – gar nicht so schlecht finden. Allerdings wurden Bündnis 90/Die Grünen in der Vergangenheit auch schon handfest angefeindet. Vor der Bundestagswahl 2017 beschmierten Unbekannte die Wahlplakate der Partei in Hiddenhausen. Auch andere Parteien waren davon betroffen. Bündnis 90/Die Grünen stellten daraufhin eine Anzeige auf Sachbeschädigung beim Staatsschutz. Gefunden wurden die Täter allerdings nie. Ein Bündnis 90/Die Grünen ureigenes Thema ist der Ökostrom. Darum wollen sie es auch in der Gemeinde vorantreiben, und deswegen unterstützen sie auch das Projekt Windkraftanlage am Oetinghauser Kirchweg. Die Gemeinderatsfraktionen von CDU und SPD hatten sich beide dagegen ausgesprochen. Bernhard Weil: „Wer Ökostrom-Trassen durch das ganze Land vermeiden will, der muss einfach auch Strom vor Ort produzieren. Das ist dann die logische Konsequenz." Sowohl Weil als auch Gemeindeverbandssprecher Christos Zioudas können sich sogar eine Bürgerbeteiligung an so einer Anlage vorstellen, anstatt einen alleinigen Investoren. Wie allen anderen Parteien macht auch Bündnis 90/Die Grünen das Erstarken rechter Parteien in den vergangen Jahren Sorgen, namentlich die AfD und die Identitäre Bewegung. Die AfD hatte bei der Bundestagswahl 1.270 Stimmen in Hiddenhausen erhalten, obwohl sie nicht mit einem Kandidaten in der Gemeinde angetreten war. 1.270 Stimmen hätten für zwei bis drei Ratssitze genügt – damit wäre die AfD stärker als Bündnis 90/ Die Grünen geworden. Wie viele politische Vertreter auf kommunaler Ebene versuchen auch Bündnis 90/Die Grünen oft mit den übrigen Parteien zu einem Konsens zu kommen. Kommunal- und Bundespolitik sind eben doch zwei paar Schuhe. Bernhard Weil: „Rund 70 bis 80 Prozent aller Ratsbeschlüsse sind ja sowieso einstimmig. Wir kommen meist alle gut miteinander klar." Das sieht auch Christos Zioudas so: „Wir vertreten natürlich unsere Positionen recht deutlich. Aber es ist uns eben auch ganz wichtig, dass alles stets fair verläuft und es bei aller Diskussion in der Sache auf keinen Fall persönlich wird oder etwa unter die Gürtelinien geht."

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