Zuversichtlich: Joachim John schaut frohen Mutes in die Zukunft. Auf Bundesebene hat die FDP bei der letzten Wahl ein furioses Comeback gefeiert. John möchte den Trend auch nach Hiddenhausen holen und mit dem FDP-Ortsverein wieder Fraktionsstatus im Rat erreichen. - © Alexander Jenniches
Zuversichtlich: Joachim John schaut frohen Mutes in die Zukunft. Auf Bundesebene hat die FDP bei der letzten Wahl ein furioses Comeback gefeiert. John möchte den Trend auch nach Hiddenhausen holen und mit dem FDP-Ortsverein wieder Fraktionsstatus im Rat erreichen. | © Alexander Jenniches

Hiddenhausen Die FDP will wieder Fraktionsstatus

Die Freien Demokraten in Hiddenhausen waren tot. Jetzt haben sie sich neugegründet und bereiten sich auf die Kommunalwahl 2020 vor. Ziel ist, gemeinsam mit anderen die absolute Mehrheit der SPD zu knacken

Alexander Jenniches

Hiddenhausen. Die FDP in Hiddenhausen war tot, ihr Ortsverband vor einigen Jahren aufgelöst, und das letzte verbliebene Ratsmitglied hat sich zwar nicht formell, jedoch faktisch der CDU-Fraktion angeschlossen. Der alte und neue Vorsitzende, Joachim John, will der FDP in der Gemeinde neues Leben einhauchen. Wenn er es schafft, den Bundestrend nach Hiddenhausen zu holen, könnte das sogar klappen. Die Jahre 2013 und 2014 liefen miserabel für die Freien Demokraten in Hiddenhausen: Die FDP fliegt bei den Wahlen im September 2013 aus dem Bundestag, und im Dezember verlässt die langjährige Hiddenhauser Fraktionsvorsitzende Sarah Heitkemper die Partei und wechselt zur SPD. 2014 dann gehen die Hiddenhauser Liberalen bei den Kommunalwahlen im Mai sang- und klanglos unter. Dabei verlieren sie ihren Fraktionsstatus im Gemeinderat. Nur dem damaligen Vorsitzenden Martin Kalis gelingt der Sprung in den Gemeinderat. Zu allem Unglück bleibt er zwar FDP-Mitglied, schließt sich aber der CDU-Fraktion an, womit die FDP ihre unabhängige Position und Stimme verliert. Darüber hinaus gibt es nicht mehr genug Mitglieder und Menschen, die die Politik der Liberalen unterstützen. Der FDP-Ortsverband löst sich auf und fusioniert mit dem Herforder Stadtverband. Einige Mitglieder gehen zur FDP nach Bünde. Schluss, aus, vorbei für die Liberalen in Hiddenhausen. FDP gründet sich neu nach starker Bundestagswahl Dann jedoch bekommen die Freien Demokraten eine zweite Chance. Auf Bundesebene kämpft sich der Vorsitzende Christian Lindner durch die Altlasten der Partei und gibt ihr neuen Schwung. Die FDP kann wieder mehr Menschen für die liberale Idee begeistern und zieht mit einem furiosen Comeback erneut in den Bundestag ein. Nun wittern auch die Hiddenhauser Liberalen in Person von Joachim John ihre Chance. Im Oktober 2017 gründen sie sich neu, mit Joachim John als Vorsitzendem. Martin Kalis ist wegen seiner Ratsmitgliedschaft automatisch Beisitzer, das Verhältnis zwischen ihm und der neuen Schar der FDP-Unterstützer und -Mitglieder jedoch nicht gut. Joachim John möchte nun einen Neustart schaffen und bei den Kommunalwahlen 2020 wieder in den Gemeinderat einziehen: „Unser Ziel ist, drei Leute in den Rat zu bekommen. Dann können wir auch eigenständige liberale Positionen vertreten. Wir sind ja keine Blockierer und möchten mit allen gut zusammenarbeiten. Aber selbstverständlich gehört zu einer eigenen Fraktion auch ein eigenständiges Auftreten und ein Profil." Elf Mitglieder hat er mittlerweile wieder um sich versammelt. Für die Kommunalwahl 2020 brauchen die Liberalen in Hiddenhausen jedoch 16 Leute, die ihren Hut in den Ring werfen und sich in den Wahlbezirken der Gemeinde aufstellen lassen. Probleme verstehen und Protestwähler zurückholen John ist guter Dinge, dass das klappt: „Ich denke wir haben eine reale Chance in zwei Jahren. In den anderen Parteien auf Bundesebene und bei derren Wählerschaft rumort es ja gewaltig. Der Erfolg der Bundes-FDP kommt ja auch nicht von ungefähr. Aus meiner Sicht können wir auch hier vor Ort wieder einiges Mehr an Wählerpotential mobilisieren, als man der FDP zuletzt zugetraut hat." Er und seine Parteifreunde haben ambitionierte Ziele in Hiddenhausen. Der SPD soll es ans Leder gehen: „Wir wollen bei der nächsten Kommunalwahl gemeinsam mit anderen Parteien die absolute Mehrheit der Sozialdemokraten hier knacken", sagt John. "Ich meine, das geht doch so nicht. Die haben 16 Sitze plus den von Bürgermeister Ulrich Rolfsmeyer, der ja auch in der SPD ist. Damit können sie alle ihre Ideen im Rat durchbringen und vor allem alle anderen Ideen blockieren. Das finde ich nicht richtig. Und das zu ändern, daran werden wir arbeiten." Zudem treibt ihn eine Sorge um, die besonders vom rechten Rand des demokratischen Spektrums droht: „Die AfD hat in Hiddenhausen fast 12 Prozent bei der Bundestagswahl geschafft. Und ich denke auch, dass die AfD beim jetzigen Trend zu den Kommunalwahlen 2020 mit eigenen Kandidaten hier antritt. Einige Prozent werden die immer haben. Wir Liberale müssen aber versuchen, die Protestwähler zurückzuholen", sagt John. Der Verkehr und die Förderung der Wirtschaft sind Themen für die Liberalen "Wir haben hier keine Slums, ordentliche Häuser, gute Infrastruktur, und man kann hier wirklich besonders mit Familie gut leben", erklärt er noch. "Wir müssen verstehen, was die Hiddenhauser zur AfD getrieben hat und dann versuchen, diese Probleme anzugehen." Lokalpolitische Themen sind für die Freien Demokraten zum Beispiel das hohe Verkehrsaufkommen auf der Herforder und Bünder Straße sowie die Förderung der Wirtschaft. John unterstützt explizit das neue Einkaufszentrum von Edeka Wehrmann. Und auch die medizinische Nahversorgung ist den Liberalen wichtig. Am Ende sämtlichem politischen Disputs steht für Joachim John gutes Miteinander: „Unter Demokraten kann man sich streiten. Man muss die Vorstellungen anderer nicht akzeptieren, sollte sie jedoch respektieren. Vor allem aber sollte man sich nach einem ordentlichen Streit wieder zusammenraufen und in der nächsten Kneipe gemeinsam ein Bier trinken können!"

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