Spätblüher: Der Winterjasmin in Hubert Raacks Garten blüht im Oktober und November. Von der Pflanze können sich Tiere auch noch spät im Jahr ernähren. Raack macht sich sorgen um die heimischen Schmetterlinge. In seinem Garten jedoch finden sie viel Futter. Fotos: Alexander Jenniches|| - © Alexander Jenniches
Spätblüher: Der Winterjasmin in Hubert Raacks Garten blüht im Oktober und November. Von der Pflanze können sich Tiere auch noch spät im Jahr ernähren. Raack macht sich sorgen um die heimischen Schmetterlinge. In seinem Garten jedoch finden sie viel Futter. Fotos: Alexander Jenniches|| | © Alexander Jenniches

Schweicheln-Bermbeck Den Insekten geht die Nahrung aus

Futtermangel: Der Hobby-Imker Hubert Raack hat nach einem Fotowettbewerb festgestellt, dass sich die Vielfalt der Schmetterlinge im Kreis Herford vermutlich verringert hat. Er plädiert für Naturwiesen und Blumengärten

Alexander Jenniches

Schweicheln-Bermbeck. Der Hiddenhauser Hobby-Imker Hubert Raack macht sich Sorgen um die heimischen Schmetterlinge. Bei einem Fotowettbewerb haben ihm naturbegeisterte Menschen Fotos der kleinen Falter geschickt. Die geringe Vielfalt war alarmierend. Hubert Raack kümmert sich meistens um Bienen. Er ist wohl der bekannteste Imker in der Gemeinde. Jedoch sind auch Schmetterlinge sein Steckenpferd. Raack hat vor einigen Jahren die Interessengemeinschaft Bienen gegründet. Die schrieb jetzt einen Wettbewerb aus: Naturfreunde konnten Fotos einschicken von Schmetterlingen, die sie im Kreis Herford gesichtet hatten. Als Raack die Ergebnisse sah, war er ein bisschen erschrocken: "Hier im Kreis Herford sollten rund 50 Schmetterlingsarten zu Hause sein. Auf der Bildauslese habe ich jedoch nur 20 Arten gefunden." Er räumt ein, dass manche Arten natürlich scheuer sind als andere und schnell davonfliegen, wenn sich ein Mensch nähert. Und eine Untersuchung war der Wettbewerb selbstverständlich auch nicht. Die Unordnung fehlt auf dem Acker und im privaten Garten Raack setzt das Ergebnis jedoch auch in Beziehung zu seiner langjährigen Erfahrung als Imker. Und Imker haben es zusehends mit einer landwirtschaftlichen Monokultur - und faulen Gartenbesitzern zu tun. "Was fehlt, ist die Unordnung auf den Feldern und in den privaten Gärten. Bienen und Schmetterlinge bekommen nicht mehr ganzjährig genug Nahrung, deswegen bleibt auch der Nachwuchs aus." Das verdeutlicht er am Beispiel des Distelfalters: "Schauen Sie hier aus dem Fenster. Dort drüben ist eine große, landwirtschaftlich genutzte Wiese. Da wächst jedoch nur langes Gras. Der Distelfalter - und daher kommt ja der Name - braucht jedoch Disteln für die Eierablage." Denn die erste Nahrungsquelle für Larven seien die Distelpollen. "Ein, zwei, drei Pflanzen reichen aber nicht. Es fehlt die Menge, die in der heutigen Monokultur immer mehr zur Seite gedrängt wird", sagt Raack. Ähnliches gilt nach seinen Worten für die Brennnessel. Denn die Brennnesselhaare schützen Raupen, weil sie Räuber fernhalten. Auch moderne Privatgärten beäugt der Hobby-Imker kritisch: "Momentan sind ja Steinmauern und überhaupt viele Steine im Garten ziemlich in. Ich kann das auch verstehen. Ein Garten macht Arbeit, keine Frage." Allerdings sei eine Steinwüste auf Dauer der Tod für viele Insekten: "Mehr Stein bedeutet weniger Pflanzen. Und weniger Pflanzen bedeutet weniger Tiere." Dabei gibt es Alternativen: Wer sich nicht mit Unkraut herumschlagen will, der legt einfach Folien über die Erde, sticht Löcher für die Pflanzen durch und bedeckt das Plastik mit Lehm. So kommt Unkraut lange nicht durch. Und wenn es nach ein paar Jahren dann doch mal sprießt, kann man es leicht herauszupfen, weil es nicht stark verwurzelt ist. Große Agrarflächen machen Raack auch wegen anderer Tiere Sorgen: "Man sieht ja zum Beispiel kaum noch Rebhühner. Oder Feldhamster. Wo sind die alle hin? Denen fehlt einfach Nahrung und Unterschlupf." Die Population der Feldhamster ist nach Raacks Worten rückläufig, weil heutzutage frisch gemähte Äcker schnell wieder umgepflügt werden. So kann sich der Nager nicht ansiedeln und findet ohne Stroh und Ähren auch kein Futter mehr. Blühstreifen an den Feldern bieten vielen Tieren Nahrung Den Schmetterlingen fehlen natürlich die Blüten, genauso wie den Bienen. Raack plädiert deswegen für sogenannte Blühstreifen am Feldrand. Sie sind eine Mischung aus allen möglichen Pflanzen und Blumen, an denen sich die Tiere bedienen können. Die Bauern können den Streifen bei der Ernte einfach mitmähen. Auch die Europäische Union ermuntert Landwirte, eben diese Blühstreifen vermehrt anzulegen. Brachliegende Flächen sind nach Hubert Raacks Worten auch eine gute Idee. Bauern bekommen für den nicht erwirtschafteten Ertrag eine Ausgleichszahlung für das Brachland. Hubert Raack geht mit gutem Beispiel voran. Er hat in seinem Garten mehrere sogenannte Spätblüher, also Pflanzen, die zum Ende des Jahres aufgehen: Am Eingang wächst der Winterschneeball und hinterm Haus der Winterjasmin. An ihnen können sich Insekten kurz vor ihrem Winterschlafen noch mal so richtig vollfuttern - bevor sie im Frühling wieder aufwachen und davonfliegen.

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