Der Verein Kinder aus Tschernobyl in Herford ermöglicht Kindern aus Belarus zum 21. Mal einen Erholungsaufenthalt im Kreis. - © FOTO: BITTNER
Der Verein Kinder aus Tschernobyl in Herford ermöglicht Kindern aus Belarus zum 21. Mal einen Erholungsaufenthalt im Kreis. | © FOTO: BITTNER

Herford Willkommen für die Kinder der Sonne

Landrat empfängt 30 Kinder aus Tschernobyl / Erholung bis zum 30. August

VON RALF BITTNER

Kreis Herford. Mit einem gemeinsamen "Spasiba" bedankten sich die 14 Mädchen und 16 Jungen aus Belarus für den freundlichen Empfang im Kreishaus. Organisiert hatte den Besuch der Verein Kinder aus Tschernobyl in Herford, der den Kindern aus dem Raum Minsk zum 21. Mal einen dreiwöchigen Erholungsurlaub im Kreis ermöglichte.

Auch mehr als ein Vierteljahrhundert nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl am 26. April 1986 leiden Kinder und Enkel der damals direkt Betroffenen an den Folgen der Strahlenbelastung. Für einen Teil der Kinder organisiert der Verein den Aufenthalt. Bis zum 23. August sind sie zentral im Jugendheim des Kreises in Rödinghausen untergebracht. Danach sind immer zwei Kinder gemeinsam bis zum 30. August bei Gastfamilien untergebracht.

"Es geht uns darum, den Kindern drei unbeschwerte Wochen zu ermöglichen", sagt der Vereinsvorsitzende Klaus Wörmann und meint damit nicht nur unbeschwert von den Folgen des Nuklearunfalls, sondern auch weg von den noch immer schwierigen wirtschaftlichen und sozialen Verhältnissen im ländlichen Belarus.

Wie schwierig die Verhältnisse sind, erläuterte Dolmetscherin Valentina Antonenko, die die Betreuerinnen Liubou Yastremskaya und Tatsiana Babrova während der Reise unterstützt: "Die Arbeitslosigkeit ist hoch, die Inflation liegt bei 20 bis 30 Prozent. Große Teile der Landbevölkerung sind nicht in der Lage, ihren Kindern Ferienaufenthalte zu ermöglichen."

Zur Zeit der Sowjetunion sorgte der Staat für solche Angebote, mit der UdSSR sind diese aber verschwunden, neue gibt es nicht oder sind unbezahlbar. Daher werden die Kinder, die an dem Aufenthalt teilnehmen dürfen, auch nach sozialen Kriterien ausgesucht.

Auch wenn es in Belaraus nur langsam voran geht, sieht Wörmann doch Fortschritte. Dank der vereinfachten Grenzkontrollen verlief die Anreise schnell wie nie, und Landrat Christian Manz riet den Kindern bei ihren Ausflügen gut aus den Busfenstern zu sehen und auf die "Windpropeller" zu achten: "Deutschland macht große Anstrengungen um die Atomkraft abzuschaffen, weil wir wissen wie gefährlich die sein kann."

Obwohl Belarus stark unter den Folgen des Atomunfalls in Tschernobyl in der benachbarten Ukraine zu leiden hatte und hat, hält die Regierung in Belarus am Bau eines eigenen Kernkraftwerks fest.

Doch die Kinder sind erst mal am Programm der kommenden Tage interessiert, weniger an politischen Visionen, und da haben sich die Organisatorinnen unterstützt von der Sparkasse Herford, die Gastgeschenke und einen Badenachmittag im Freibad Enger samt Bustransfer sponsert, einiges ausgedacht: auf dem Programm stehen Ausflüge ins Safariland nach Stukenbrock und zu den Externsteinen, Bastel- und Spielangebote, Besuch des Rödinghauser Lehrbienenstandes, ein Aufenthalt im Reitverein Fridericus Rex und vieles mehr.

Mit einem Lied von den "Kindern der Sonne" bedankten sich die Kinder für die freundliche Aufnahme und nahmen die Einladung zum Mittagessen in der Kreishaus-Kantine gerne an.

Infos zum Verein gibt es unter www. kinder-aus-tschernobyl-in-herford.de

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