Herford Premiere für den Piano-Mann

Joja Wendt im ausverkauften Theater

VON RALF BITTNER
Wenn viele Menschen ihre Hände aneinander reiben, klingt das wie ein sanfter Regen, und der Wendt der spielt dazu.
Wenn viele Menschen ihre Hände aneinander reiben, klingt das wie ein sanfter Regen, und der Wendt der spielt dazu.

Herford. Keine Bürgschaften unterschreiben, kein Geld verleihen und unbedingt studieren waren die Ratschläge von Vater Wendt an Sohn Joja als dieser ihm mitteilte, Musiker werden zu wollen. Studiert hat er, Musiker ist er geworden, ein sehr erfolgreicher sogar. Seine Konzertreisen führen ihn mit "88 Tasten um die Welt". Im Stadttheater stellte er erstmals überhaupt die Fortsetzung des Programms mit dem Untertitel "die Reise geht weiter" vor.

Nicht nur geografische Grenzen überwindet Joja Wendt spielend, sondern auch musikalische. Einflüsse aus Klassik, Jazz, Swing, Blues, Boogie oder Rock verschmelzen zu einem virtuos vorgetragenen Ganzen, gespielt in klassischer Jazz-Trio-Besetzung mit Thomas Biller am Kontrabass und Christoph Buhse am Schlagzeug. Das Publikum staunt über komplexe Tonfolgen in atemberaubender Geschwindigkeit. Improvisationen über Antonio Vivaldis " Sommersturm" stehen neben Henry Mancinis "Baby Elephant Walk". "Stompin’ at the Savoy" führt zurück ins New York der 1930er Jahre und die goldene Zeit des Swing. Das mit dem Hurricane Katrina untergegangene New Orleans der Marching Bands darf nicht fehlen. "On the sunny of the Side of the Street" in einer sehr freien Bearbeitung und das unvermeidliche "Oh when the Saints" als Mitsingnummer fürs Publikum nehmen die Zuschauer im ausverkauften Theater mit in die Stadt, die nicht für überbordende Lebensfreunde steht, sondern wo auch Wendts Entscheidung für das

Musikerdasein fiel. Hier hatte er in einer Bar das Piano übernommen. Als die Zuschauer von der Straße hereinströmt, war sein Vater überzeugt, dass das Ding mit dem Piano doch als Broterwerb taugen könnte. Als sich dann noch eine Sängerin a la Michelle Pfeiffer im Film "The Fabulous Baker Boys" auf den Piano räkelte, war sich auch Joja Wendt sicher: "Das will ich machen." Ob’s stimmt?

Geschichten von Spinnen im australischen Outback dürfen im Publikum sofort per Smartphone und Google nachgeprüft werden und führen doch von Australien weg zur "Tarantella". Zu jedem Lied hat er eine Anekdote parat. Die Legende vom gordischen Knoten stammt aus Kleinasien und wird in atemberaubender Geschwindigkeit und mit einem Knall - der Schwertschlag, der den Knoten zerteilt - in Musik umgesetzt. Eine vermeintliche Haifischflosse vor Oman inspiriert zu einem Stück, das sich nach dramatischem Beginn im musikalischen Gewimmel einer Delfinschule auflöst.

Wendt bindet das Publikum mit ein. Mal darf es schnippsend als Regenmacher mitmusizieren, bald Tonhöhe und Rhythmus für eine Improvisation vorgeben. Auch wenn bei der Premiere des Programms nicht jeder "Elephant" auf Anhieb den rhythmisch passenden Stampfer trifft, bietet Wendt einen unterhaltsamen Abend auf einem musikalischen Niveau, das sich so in Deutschland nur selten findet.

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