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Herford Schlag gegen Schleuserring in Herford

39-Jähriger soll als Fahrer Menschen transportiert haben

Herford. Die Bundespolizei hat Dienstagmorgen einen internationalen Schleuserring auffliegen lassen, der vor allem Menschen aus Syrien und dem Irak nach Deutschland brachte. Eine Spur in dem Mammutverfahren, das von der Staatsanwaltschaft Essen seit April 2012 vorangetrieben wird, reicht auch nach Herford.

450 Bundespolizisten durchsuchten in NRW sowie in Hamburg und Baden-Württemberg 33 Wohnungen und Geschäfte. Zehn Verdächtige kamen in Untersuchungshaft. Wegen der Gefährlichkeit einzelner Männer wurde die Spezialeinheit GSG 9 bei einer Festnahme in Ahlen eingesetzt. In Westfalen-Lippe, dem Zuständigkeitsbereich der Bundespolizeiinspektion Münster, wurden Wohnungen und Geschäfte in Herford, Bielefeld, Detmold und Ahlen durchsucht.

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In Bielefeld richtet sich der Verdacht gegen einen 31-Jährigen, offiziell als staatenlos geführten Mann, der als Organisator und Vermittler Schleuser und ihre Kunden zusammengebracht haben soll. "Bei den Verdächtigen (35, 39) aus Detmold und Herford handelt es sich um Fahrer", erklärt Bundespolizeisprecher Maik Gauer in Berlin. Die Bande war hierarchisch strukturiert. Die Fahrer, die wie der Mann aus Bielefeld auf freiem Fuß blieben, waren für den Transport der Menschen zuständig. Von Syrien oder dem Irak aus führte die Route über die Türkei, dann nach Griechenland und teils über den Balkan und Österreich nach Deutschland, in anderen Fällen ging es über Italien nach Frankreich.

Oft gab es wochenlange Stopps in den Transitländern. "Was uns erschreckt hat, waren die Bedingungen, unter denen die Menschen transportiert wurden", so Bundespolizeisprecher Gauer über die Ermittlungen. "Die Menschen wurden bei Temperaturen unter Null Grad stundenlang auf einem Lkw gefahren, ohne Stopps. Die Schleuser betrachteten sie als Ware. "

270 Menschen sollen in 127 Fällen so nach Deutschland oder in andere EU-Staaten geschleust worden sein. Die Kosten trugen in Deutschland oder anderen EU-Staaten lebende Angehörige: zwischen 4.500 und 17.000 Euro mussten sie an die Schleuser zahlen. Um weiteres Beweismaterial zu sichern, wurden Computer und Datenträger der Beschuldigten von der Bundespolizei sichergestellt. Die Auswertung wird Wochen dauern.

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