Herford Für immer geschlossen

Dr. Christian Auerswald gibt seine Praxis an der Wiesestraße aus Altersgründen auf

Herford. Die Aufschrift verkündet Endgültiges: "Diese Praxis bleibt für immer geschlossen", steht am Briefkasten an der Wiesestraße 12. Fast 60 Jahre hat hier Dr. Auerswald praktiziert, erst der Vater, dann der Sohn. Seit gestern gibt es eine Arztpraxis weniger in der Stadt.

"Das Problem ist, seine Patienten unterzubringen", sagt Dr. Christian Auerswald, als die letzten Patienten gegangen sind. "Die Kapazitäten bei den Kollegen sind begrenzt". Er hat sich darum bemüht, Kontakte vermittelt, die Patienten nach ihren Vorlieben gefragt und am Ende erfolgreich Vorschläge gemacht.

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Einen Nachfolger für die internistische und hausärztliche Praxis nahe der Innenstadt hatte er trotz mehrjähriger Bemühungen und Einschalten der Praxisbörse der Kassenärztlichen Vereinigung nicht mehr gefunden.

Sein Vater hatte ab 1947 am Pöppelmann-Wall als Arzt praktiziert. Mitte der 50er-Jahre entschied er sich, ein eigenes Haus an der Wiesestraße zu bauen - auf einem Grundstück, das zuvor Acker und Wiese war, auf dem eine Kuh graste und in dessen Nähe Kartoffeln angepflanzt wurden. Es gehörte der katholischen Kirche.

Jetzt entstand hier eine Wohnsiedlung mit der Arztpraxis mittendrin.

Sohn Christian wuchs hier auf, machte 1963 sein Abitur am Friedrichs-Gymnasium und kehrte nach Studium, fachärztlicher Ausbildung und Ausübung in Mainz, Lübeck, Wien und Heidelberg 1979 zurück nach Herford, um in die Fußstapfen des Vaters zu treten.

Er führte die Praxis genau so lange wie dieser, der erst 2011 hoch betagt starb. "Doch jetzt, mit 70, muss Schluss sein", sagt Christian Auerswald am letzten Tag seines Berufslebens.

Im Behandlungszimmer steht an einer Wand ein wunderschön geschnitzter Schrank aus dem 18. Jahrhundert, auf dem eine Herde von Mini-Elefanten aufgebaut ist - "da stand erst nur einer, alle anderen habe ich im Laufe der Jahre geschenkt bekommen", schmunzelt der Arzt hinter seinem Schreibtisch.

Dabei zieht es den zweifachen Vater privat ganz und gar nicht in die Savanne - "ich habe es mehr mit dem Wasser", verrät der passionierte Segler und zweifache Vater, dessen Kinder sich beruflich außerhalb der Medizin orientiert haben.

Er selbst wird seinen Lebensabend mit seiner Frau in Herford, im Kirschengarten, verbringen; mit einem Freundeskreis, zu dem ein gleichaltriger Kollege gehört - Dr. Dieter Siveke hatte seine seit Jahrzehnten etablierte internistische und hausärztliche Praxis am Wilhelmsplatz bereits Ende März geschlossen.

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