Das wissen nur die Jungs von North Sea Gas – (v. l.) Ronnie MacDonald, Grant Simpson an der Fiddle und Dave Gilfillan vor dem legendären Flammenbanner. - © FOTO: GEROLD
Das wissen nur die Jungs von North Sea Gas – (v. l.) Ronnie MacDonald, Grant Simpson an der Fiddle und Dave Gilfillan vor dem legendären Flammenbanner. | © FOTO: GEROLD

Herford North Sea Gas begeistert die Zuhörer im Sonnenhof

Schottischer Abend mit Bärten, Bodhran und Blick nach oben

Herford. Wenn an einem trüben Novembersonntag lautes Juchzen aus dem Saal des Sonnenhofes schallt, dann kann nur eines sein: der jährliche Auftritt der schottischen Folkband North Sea Gas (NSG).
 
Dave Gilfillan, Ronnie MacDonald und Grant Simpson waren wieder einmal zu Besuch, es war der Abschluss ihrer Tour durch Deutschland und Österreich. Das Konzert begann mit einem Ständchen, gesungen vom Publikum für Dave, der in diesem Jahr seinen 60. Geburtstag gefeiert hat.

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Ja, das Verhältnis zwischen Band und Zuhörern ist mit den Jahren sehr persönlich geworden. Nicht wenige zieht es beim Eintreffen zuerst zu den Musikern, um sie mit einer herzlichen Umarmung zu begrüßen. Die plaudern hier ein wenig, scherzen dort ein wenig, bevor sie ihre Plätze vor dem altbekannten NSG-Banner einnehmen. Schon nach rekordverdächtigen anderthalb Songs ist das ostwestfälische Publikum aufgetaut und beherrscht selbstverständlich auch die Fingerchoreografie zu "I’m looking for a Job".

Die drei Musiker finden die Balance zwischen traditionellen und neuen Liedern genauso wie zwischen Spaß und Ernst. Da passt es einfach, wenn Dave "If wisheswerefishes" Karin widmet, einem verstorbenen Fan der Band. "Drinking with Rosie" steht neben dem nachdenklichen "I will go". Letzteres singen die Jungs a cappella, nur begleitet vom Bodhran, einer traditionellen Handtrommel, deren durchdringendes rhythmisches Wummern bis in den Magen spürbar ist. Den Reiz macht aus, dass North Sea Gas jede Art von Lied musikalisch authentisch vermittelt.

Und wenn dann ein Titel angekündigt wird mit den Worten: "Der nächste Song ist nicht schottisch. Es ist nicht mal Folk. Aber wir spielen ihn trotzdem", dann bekommt das Publikum mit "Heart like a wheel" nichts weniger als ein wunderschön-trauriges Lied zu hören.

"Tak a dramaforeyego" wiederum vermittelt die schottische Tradition des gesellschaftlichen Whiskytrinkens: "Einen wenn man kommt, drei oder vier wenn man bleibt und einen wenn man geht. Das ist gut für die Whisky-Industrie", erklärt Grant den Zuhörern treuherzig.

Und so bleiben am Ende nur zwei Wermutstropfen: der eine ist, dass auch dem klassisch abgehärteten Publikum vom Klatschen die Hände schmerzen. Und der andere, dass es jetzt wieder ein Jahr dauert.

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