Experte und Kopka-Sammler Manfred Pirscher, Archivar Christoph Laue, Grafikerin Elke Brunegraf, Historikerin Christina Pohl, Eckhard Wemhöner (Vorsitzender Geschichtsverein) und Sparkassen-Vorstandsvorsitzender Peter Becker (v.l.). - © FOTO: FRANK-MICHAEL KIEL-STEINKAMP
Experte und Kopka-Sammler Manfred Pirscher, Archivar Christoph Laue, Grafikerin Elke Brunegraf, Historikerin Christina Pohl, Eckhard Wemhöner (Vorsitzender Geschichtsverein) und Sparkassen-Vorstandsvorsitzender Peter Becker (v.l.). | © FOTO: FRANK-MICHAEL KIEL-STEINKAMP

HERFORD Herfords weitsichtiger Möbel-Magnat

Eine Ausstellung beleuchtet Leben und Wirken von Gustav Kopka, dem Pionier der Holz-Serienfertigung

VON THOMAS HAGEN

Herford. Er war so etwas wie der Ingvar Kamprad (Ikea) des 19. Jahrhunderts - zumindest für die Region zwischen Ruhrgebiet und Berlin. Gustav Kopka dachte über Grenzen hinweg. Er erkannte die Zeichen der Zeit und brachte Entwicklungen ins Rollen, die heute noch essentieller Teil der Möbelindustrie sind. Mit einer Ausstellung erinnert der Herforder Verein für Geschichte im Sparkassenfoyer an den legendären Gründervater (1832 bis 1881) der heimischen Serien-Möbelfertigung.

Drei Jahre lang haben Kommunalarchivar Christoph Laue, Historikerin Christina Pohl und der einstige Kopka-Mitarbeiter Manfred Pirscher Material aus dessen Recherchen und Dokumenten aus der Bürgerschaft zu einer Schau verarbeitet, die alles andere als hölzern daherkommt. Pirschers seit den 1950er Jahren geführtes Archiv erwies sich dabei als Schatzkiste.

Information

Die "Kopka’sche Zeit"

Es ist ein Rundgang durch Herfords Möbelgeschichte von 1861 bis 1952. In dieser Zeit entstanden im Raum Herford rund 100 Möbelfabriken. Dort fanden Menschen Beschäftigung. Kopka hat die Entwicklung in der Sparte vorweg genommen. 16 Tafeln und Exponate machen die Schau rund. Führungen für Klassen und Gruppen sind buchbar unter Tel. 132 213 oder

info@geschichtsverein-herford.de

Gustav Kopkas Vater war Kämmerer in Herford, mit dessen Vermögen startete der Kaufmann 1859 seine Unternehmer-Karriere als Leinenhändler. Schon zwei Jahre später entwickelte sich daraus die erste dampfbetriebene Möbelfabrik in der Region. Es entstanden "Arbeitermöbel" für die Ballungsräume im Ruhrgebiet bis vor die Tore Berlins. In der Hauptstadt holte sich Kopka Anregungen, Material und Fachpersonal. Er heuerte Zulieferer (heute heißen sie Subunternehmer), Leiharbeiter und Strafgefangene an.

Kopka vollzog die strikte Trennung von Produktion und kaufmännischen Abteilungen, begann mit Weitblick die Serienproduktion von Möbeln. Im Programm fanden sich preiswerte Schränke, Vertikos, Schlafzimmer - und natürlich Küchenmöbel. Bis heute werden im Kreis Herford 70 Prozent aller bundesdeutschen Küchenmöbel produziert. Kopka ist deren Gründervater, aus dessen Tatkraft und Innovationen eine ganze Region bis heute Kraft schöpft.

Bis in die heutige Zeit trifft man auf Spuren Kopkas, gibt es kaum eine Familie, die nicht irgendwie mit der Firma verbunden ist, die durch die Weltwirtschaftskrise und den Tod zweier Führungskräfte 1933 in die Knie gezwungen wurde. Die von der Sparkassenstiftung finanzierte Ausstellung setzt Gustav Kopka ein spannendes Denkmal, ein Buch über den Möbel-Magnaten von der Werre wird folgen.

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