Im Vortragssaal der Sparkasse sangen die Kinder, teilweise etwas schüchtern, Volkslieder aus Weißrussland. Eines davon war "Das Lied von der Freundschaft". - © FOTOS: LENNART KRAUSE
Im Vortragssaal der Sparkasse sangen die Kinder, teilweise etwas schüchtern, Volkslieder aus Weißrussland. Eines davon war "Das Lied von der Freundschaft". | © FOTOS: LENNART KRAUSE

KREIS HERFORD Urlaub von der Heimat

30 Kinder aus Tschernobyl besuchen den Kreis Herford

Kreis Herford. Fast 2.000 Kilometer haben sie zurückgelegt. Viele der 30 Kinder haben zum ersten Mal ihre Heimat Weißrussland verlassen. In Herford sollen sie Erholung finden. Denn auch 25 Jahre nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl leiden die Menschen in der Region unter der Strahlung.

Für den Termin bei der Sparkasse haben sich die 14 Jungs und 16 Mädchen in heimatliche Trachten geworfen. Aufmerksam lauschen sie den Worten von Sparkassenchef Klaus Vorndamme. Verstehen können die Kinder sie zwar nicht. Doch Betreuerin Valentina Antonenko übersetzt. "Auch in diesem Jahr bin ich sehr froh, euch alle hier begrüßen zu dürfen", sagt Vorndamme.

Nicht zum ersten Mal spricht er vor Kindern aus der Region Tschernobyl. Auch in den vergangenen Jahren war der Verein "Kinder aus Tschernobyl in Herford" der Einladung der Sparkasse gefolgt. Ziel der Treffen: Mehr über die Situation der Kinder zu erfahren. So erzählt etwa der 12-jährige Oleg von seinen ersten Eindrücken von Herford. "Die Autos hier gefallen mir alle total gut", sagt Oleg. Natürlich übersetzt Antonenko fleißig.

Doch nicht nur Autos begeistern Oleg. Auch das Kreisjugendheim in Rödinghausen hat es ihm angetan. Dort lebt er, gemeinsam mit seinen 29 Mitfahrern, für zwei Wochen. Klaus Wörmann, Vorsitzender des Tschernobyl-Vereins, lobt die Unterbringung. "Seit 19 Jahren laden wir Kinder aus Tschernobyl ein, fast immer waren wir im Kreisjugendheim", sagt Wörmann. Das Essen sei gut und die Kinder hätten jede Menge Möglichkeiten zu spielen und sich richtig auszutoben. Oleg nutzt seine Ferien vor allem, um Fußball zu spielen. "Der Platz ist super, alles ist hier so toll, schöner als zu Hause", sagt Oleg.

Die Worte liegen schwer im Raum. Tatsächlich wachsen die 30 Kinder zwischen 8 und 13 Jahren nicht wie Gleichaltrige in anderen Ländern auf. Vereinsmitglied Ludwig von Behren gibt Einblicke in den Alltag der Kinder. "Im Herbst sind in der Region Schulen manchmal komplett geschlossen", sagt von Behren. Der Grund dafür ist, dass zu viele Kinder krank sind. Ihr Immunsystem ist geschwächt. Immer noch eine Folge von Tschernobyl. "Die Kinder sind täglich Niedrigstrahlung ausgesetzt, das ist so, als würde man täglich geröntgt", sagt von Behren.

Von diesen Problemen sollen die Kinder in Herford abschalten. Das sie das können, zeigten sie eindrucksvoll im Vortragssaal der Sparkasse. Gekonnt zeigten sie den Gästen, darunter auch Kreis-Sozialdezernent Paul Bischof, volkstümliche Tänze und Lieder aus Weißrussland.

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