Vassilios Efstratiadis, Mitarbeiter des Landesamtes, mit Sonde auf dem Feld in Oetinghausen. Er fand 7 der 9 Münzen. - © FOTO: POLSTER
Vassilios Efstratiadis, Mitarbeiter des Landesamtes, mit Sonde auf dem Feld in Oetinghausen. Er fand 7 der 9 Münzen. | © FOTO: POLSTER

OETINGHAUSEN Varus’ letztes Lager vor dem Untergang

Historiker Heribert Genreith wird weitere zwei Jahre auf Oetinghauser Feld nach Römer-Material suchen

VON THOMAS HAGEN UND HERIBERT GENREITH

Oetinghausen. Seit 2006 beschäftigt den Historiker und Geologen das Feld "Auf dem Hagen" von Oetinghausen. Es geriet in den Blick, als der Wissenschaftler nach dem Anmarschweg des Varus auf Kalkriese suchte. Dafür gibt es nach Ansicht Genreiths nur zwei sinnvolle Alternativen: Einmal direkt von Osten (Minden) her, so wie es 1885 Theodor Mommsen als Erster vorgeschlagen hatte. Oder zweitens, ein Anmarschweg von Südosten, der unweigerlich an Herford vorbei führen musste.

"Die Spur ist Cassius Dio, der die einzige ausführliche Beschreibung der Schlacht hinterließ, und zweitens die archäologischen Spuren, so etwa die sporadischen Augusteschen Münzfunde", sagt Genreith. Obwohl die Mommsen’sche Vermutung bis in die heutige Zeit noch manche Anhänger habe, so sei bereits dessen Zeitgenossen die geringe Haltbarkeit der Minden-Hypothese bewusst gewesen. "Weder liegt Minden im Zentrum des ehemaligen Cheruskerreiches, noch ist der gleichförmig und gut begehbare Hellweg mit der antiken Beschreibung des Cassius Dio in Einklang zu bringen", sagt Genreith. Letzteres sei einer der Gründe, warum der Kalkrieser Fundort gut 100 Jahre lang in Vergessenheit geriet, bis der britische Hobby-Militärforscher Tony Clunn der Sache neuen Schwung verlieh. Wenn man von den, angesichts der archäologischen Funde wenig realistischen, Hypothesen absehe, bleibe nur der Südostanmarschweg. Auch dieser wurde durch einen Heimatforscher, Rolf Bökemeier, wiederbelebt.

Zwar verfolgte der eine andere Hypothese bezüglich Kalkriese, jedoch machte er zu Recht auf einige Fundhäufungen aufmerksam, die durchaus einen Teil der Schlacht im Süden von Detmold vermuten lassen. Dies betrifft die Häufung Augustescher Fundmünzen bei Lügde, wo Bökemeier das Sommerlager vermutete, und die Häufung südlich des Heldendenkmals, direkt vor dem Teutoburger Wald. Diese sind zwar bei weitem kleiner als in Kalkriese, statistisch aber durchaus relevant.

"Nimmt man den begründbaren Verdacht eines Schlachtbeginns bei Bad Salzuflen ernst, so ergibt sich aus der Berechnung der Tagesmärsche ein Ort des ersten Marschlagers nordwestlich Herfords", ist Genreiths Ansatz. Dieses Lager müsse sich von allen anderen durch seine schiere Größe und dem notwendigerweise vorhandenen Brandhorizont abheben. "Es war das einzige Lager der Schlacht, dass noch vollständig nach üblicher Bauweise errichtet wurde", ist sich der Historiker sicher. Dort sei der überflüssige Teil des riesigen Trosses zerstört und verbrannt worden. "Zu suchen war also nach einem antiken Brandhorizont der notwendigen Größe in der Gegend", sagt Genreith.

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