Warum ist die Kartoffel krumm?

Leckeres und Lehrreiches vom Bauern- und Kreativmarkt

VON HARTMUT BRANDTMANN
Familie Tolksdorf - Lennart, Claas, Rainer und Svenja - schwelgt in der Vielfalt der Zierkürbisse. Darf es gelb, orange,grün, weiß oder gestreift sein? - © FOTO: FRANK-MICHAEL KIEL-STEINKAMP
Familie Tolksdorf - Lennart, Claas, Rainer und Svenja - schwelgt in der Vielfalt der Zierkürbisse. Darf es gelb, orange,grün, weiß oder gestreift sein? | © FOTO: FRANK-MICHAEL KIEL-STEINKAMP

Herford. "Sättigungsbeilage" - dieses lieblose Funktionswort beleidigt jede Kartoffel. Von ihrem Wert, ihrer Form und Geschichte erfuhren die Besucher des Bauern- und Kreativmarktes am Stand von Marlene und Rüdiger Ortmann.

Die Anbieter kommen aus Exter und erfüllen damit den Anspruch des "Tages der Regionen": frische Ware auf kurzen Wegen zum Gänsemarkt.

Von weither stammen die Kartoffelsorten, die in dem Nebenerwerbsbetrieb angebaut werden. Die älteste ist schottisch und heißt "Highland Burgundy". Tatsächlich ist sie innen burgunder-rot. "Red King Edgar" hat nur eine rote Schale. Das macht sie optisch attraktiv. "Salad Blue" hält, was der Name verspricht. Sie ist durchgefärbt blau und eignet sich für Salat und das schon seit 1900, als sie in England angebaut wurde. Die botanische Rarität hat den geheimnisvollen Namen "Mayan Twilight". Das Zwielicht besteht aus einer rot-gelben Schale. Von "La Ratte" sollte sich die Kundin nicht abschrecken lassen.

Die festkochende Französin ist "herrlich im Geschmack".So steht es auf den Kärtchen, die neben den Knollen liegen. Hingegen ist bei "Cherie" schon der Namen verführerisch. Sie ist zart, lang-oval und hat eine rote Schale. "Und die sollte immer mitgekocht werden", empfiehlt die Marlene Ortmann, die auch Ehrenvorsitzende der Kreis-Landfrauen ist: "Wir haben eine Nische entdeckt. Das ist interessant aber auch risikoreich, denn die historischen Sorten sind nicht besonders widerstandsfähig gegen Krankheiten", erklärt die Fachfrau. Beispielsweise hat die Trockenheit die schwedische Sorte "Blue Congo" schorfig gemacht.

Und wie steht es mit den Knollen aus deutschen Landen? "Sieglinde" steht für westfälische Tradition. Aus Bamberg stammt das "Hörnel". Es länglich-buckelig. Und warum ist Kartoffel krumm? "Weil man die Originalität nicht weg gezüchtet hat. Das ist gerade der Reiz der historischen Sorten", sagt Rüdiger Ortmann.

Auch Kürbisse dürfen krumm sein wie der japanische Hokkaido, der, wie die Kartoffeln, mitsamt Schale zubereitet werden kann. Dieser Tipp kommt von Heide Viertmann. Die Anbieterin aus Werl-Hilbeck hat auch den Gelben Zentner im Angebot, ein Kürbis, der durch Wucht beeindruckt. Der Kalebassen-Kürbis ist eine langfristige Investition. Wenn man ihn austrocknen lässt, liegt der Samen frei und klappert wie in einer Rassel. Das Körnerkissen ist dichter gefüllt. Für tierliebende Kunden gab es die Kissen in Schaf-, Hunde-, Maus- und Pferdeform.

Grüne Tomaten, scharf eingelegt, bot Olga Mesterheide aus Preußisch Oldendorf an.Mehrfarbig leuchtete es aus den Marmeladen-Gläsern. Mirabelle-Nektarine oder Brombeer-Ananas sind die aparten Kombinationen. Eine Frucht ist in sich eine Kombination: Die Eltern der Josta-Beere sind Johannis- und Stachelbeere. Süß-sauer ist die Geschmackskombination.

Zum Brot- und Kuchenstand von Peter Deppmeier aus Haverbeck bei Hameln lockte es die Besucher jedes Mal, wenn der Bäcker den holzbefeuerten Ofen öffnete. Wie die meisten Händler war auch Deppmeier mit dem Umsatz hoch zufrieden: "Das Geschäft läuft wie geschnitten Brot."

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