Für den Hund ist nichts für die Katz Wenn Bello vor Schmerzen bellt

Wie Physiotherapeutin Petra Diesing kranken Tieren wieder auf die Beine hilft

VON MARC PHILIPP MEYER
Beate Blischke mit ihrer Hündin Fari während einer der Therapiestunden. - © FOTO: KIEL-STEINKAMP
Beate Blischke mit ihrer Hündin Fari während einer der Therapiestunden. | © FOTO: KIEL-STEINKAMP

Herford. Es war nur eine kurze, falsche Bewegung, als bei Fari das Kreuzband riss. Mitbekommen hat die Hundebesitzerin Beate Blischke davon wenig. Erst als sie mit ihrer Hündin Gassi ging, merkte sie, dass etwas nicht stimmt. Fari musste operiert werden. Seitdem ist ihre Beweglichkeit noch eingeschränkt. Ein Fall für die Hunde-Krankengymnastin.

Fachfrau Petra Diesing hilft der Hündin wieder auf die Beine. Als Fari ihrer Therapeutin begegnet, ist sie tierisch aufgeregt und wedelt erfreut mit dem Schwanz. Gerne würde sie losrennen, aber nach der Operation geht das noch nicht. Krankengymnastik und Massagen bauen die Muskulatur der Hundedame wieder auf.

Das kennt man eigentlich nur vom Menschen, doch was Herrchen gut tut, funktioniert auch beim Hund. "Seit ich mit Fari zum ersten Mal bei der Krankengymnastik war, geht sie schon viel besser und trottet nicht nur hinterher", sagt Frauchen Blischke erleichtert.
Im Behandlungsraum legt Petra Diesing eine Massagematte aus.

Daneben liegen Gymnastikbälle. Draußen ist ein Parcours aufgebaut. "Cavaletti" heißt das Programm: Hunde steigen über Hürden, um Bewegungsabläufe neu einzuüben und den Muskelaufbau zu stärken. Die Fachfrau verbindet Massagen mit Ausdauertraining: "Meine Kurse sind geeignet für ältere, ängstliche Tiere, die gesundheitliche Einschränkungen haben", - wie bei Fari. Für den Golden Retriever ist der Parcours noch zu schwer. Vorerst muss Petra Diesing ihre Verspannungen lockern.

Die Vorfreude ist groß, als Fari auf der Massagedecke "Platz" macht. Um den Hals trägt die Hündin noch eine große Haube, die sie davon abhalten soll, an ihrer Wunde zu lecken. Als Petra Diesing die Haube abnimmt, dreht sich Faris Kopf sofort zum verletzten Bein. Gerne würde sie knabbern, aber was jetzt passiert, ist noch viel schöner als die Knabberei: Mit leichten Kreisbewegungen massiert die Hundetherapeutin ihre Patientin. Plötzlich kann sich Fari entspannen. Sie wirkt weniger aufgeregt.

Damit der Hund Vertrauen gewinnt, beginnt die Behandlung an der Stelle, die von der Operationswunde am weitesten entfernt ist. Die Massagetechnik nennt sich "Zirkelung" und wird zur Schmerzlinderung eingesetzt. Schließlich kann Petra Diesing die Schmerzen ihrer Patienten nicht erfragen, sondern nur ertasten. "Mir ist es wichtig, ein Gefühl der Sicherheit zu vermitteln", sagt sie, während sie Fari übers Gesicht streichelt. Die Hündin fühlt sich erkennbar gut. Sie kuschelt sich immer näher an ihre Therapeutin. Bei diesem Wohlfühlprogramm bleibt Fari sogar entspannt liegen, während ihr krankes Bein mit speziellen Gangbild-Übungen bewegt wird. Das sieht aus, als würde der Hund Rad fahren.

"Faris Schmerzen haben sich durch die Behandlungen immer mehr verflüchtigt, und sie wird agiler", freut sich Blischke. Petra Diesing freut sich ebenfalls und gibt Fari einen Kuss auf die Hundewange. Auch Zärtlichkeit ist Teil der Therapie.

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