Prägnant: Die zwischen Bauvereinstraße und Kastanienallee gelegene Kreuzkirche an der Hessestraße - © Frank-Michael Kiel-Steinkamp
Prägnant: Die zwischen Bauvereinstraße und Kastanienallee gelegene Kreuzkirche an der Hessestraße | © Frank-Michael Kiel-Steinkamp

Herford Mittwochrätsel: 1965 wurde die Kreuzkirche eingeweiht

Flüchtlinge,Vertriebene und weitere Neubürger benötigten Wohnraum, den sie in der Neustädter Feldmark fanden und wo 1965 die Kreuzkirche eingeweiht wurde

Peter Steinert

Herford. In den frühen Sechzigern bestimmten Provisorien das Gemeindeleben im Stadtbezirk Friedenstal. Die stetig wachsende Bevölkerung fand sich allsonntäglich in der damaligen Schule Friedenstal in einem Klassenraum zum Gottesdienst ein. Pfarrer Heinz-Wilhelm Heidemann träumte unterdessen von einer eigenen Kirche. Am Volkstrauertag 1965, dem 14. November, wurde dieser Traum Wirklichkeit. Die vier Glocken im Turm stammen aus der Glockengießerei Schilling in Heidelberg und sind tonal auf das Geläut der Marienkirche abgestimmt. Schwierigkeiten bereitete der Transport des schweren Altarblocks. Kein Fuhrunternehmen war technisch in der Lage, den Transport auszuführen. Schließlich sprang das damalige Eisenwerk Streuber & Lohmann (Sulo) mit einem Gabelstapler ein. Ein Transport mit Polizeigeleit, zum Nulltarif und aus christlicher Nächstenliebe. »Zwang ist immer ein schlechter Ratgeber « Jochen Hartig: "Die Kreuzkirche wurde am 14. November 1965 geweiht, circa zwei Jahre, nachdem wir in das Neubaugebiet Bauvereinstraße umgezogen waren. Den Bau habe ich miterlebt, weil ich als Schüler immer über die Felder zur ebenfalls neuen Schule Friedenstal gegangen bin. Dementsprechend wurde ich auch in der Kreuzkirche konfirmiert. Damals gab es noch drei Jahre Konfirmandenunterricht, der vor allem - wie damals üblich - aus Pauken und Auswendiglernen bestand. Vor der Konfirmation gab es die Prüfung, ob die auswendig gelernten Texte auch saßen. Die Kirchgänge wurden auf einem kleinen Doppelblatt mit Handzeichen der Presbyter abgehakt und es wurde auch darauf geachtet, dass genug Eintragungen vorhanden waren. Diese Vorgehensweise ist heute Geschichte und hat sicherlich auch dazu geführt, dass nach der Konfirmation so wenige Kinder weiter zur Kirche gegangen sind - Zwang ist immer ein schlechter Ratgeber. Erst als älterer Mitbürger sieht man heute die eigentliche Grundaussage der Religion - ein friedvolles Miteinanderleben aller, Nächstenliebe, Hilfe für andere in Not, Anker für eigene Probleme." Helfried Horstmann: "In den 1960er Jahren begann eine Verselbstständigung einzelner Gemeindebezirken zu eigenen autonomen Kirchengemeinden. Bis dahin gehörten die Stadtteile "rechts der Werre" zur Kirchengemeinde Stift Berg, im Gegensatz dazu gehörten die meisten Stadtbezirke und Dörfer links der Werre zur damaligen Münstergemeinde. Neu entstanden die Kreuzkirchengemeinde, die Christuskirchengemeinde und die Markuskirchengemeinde. Es gab damals eine rege Bautätigkeit mit eben der Kreuzkirche, der Christuskirche und der Markuskirche einschließlich Gemeindehäusern, Kindergärten und Pfarrhäusern. Hinzu kamen im Bereich von "Alt Stift Berg" die Trinitatiskirche in Falkendiek und die Thomaskirche in Schwarzenmoor als bereits vorhandene Gottesdienststätten. Aufgrund der demografischen Entwicklung und der notwendigen Strukturanalyse kam es vor etwa 15 Jahren zu etwas Neuem. Christus- und Markuskirchengemeinde fusionierten zur Emmausgemeinde und aus zwei Pfarrbezirken der Kreuzkirche wurde einer. Es gab statistisch gesehen einen Raumüberhang, der dazu führte, die Thomaskirche in eigener Regie weiterzuführen und die Trinitatiskirche an den Bestatter Stranghöner zu verkaufen. Aber trotz allem, die Gebäude blieben erhalten und stehen für sakrale Zwecke zur Verfügung. In Zukunft wird es sicher im gesamten kirchlichen Bereich weitere Einschnitte geben. Zur Bautätigkeit nach dem 2. Weltkrieg lässt sich noch folgendes Anmerken. Nach 1945 wurden mehr Kirchen und kirchliche Gebäude errichtet als zwischen der Reformationszeit und 1945." Klaus-Dieter Stork: "In den 1960er Jahren wurden die meisten Kirchen aus roten Klinkersteinen gebaut. Das Gebiet um die Kirche am Langenberg im Bereich der Neustädter Feldmark wurde in kurzer Zeit mit vielen Wohnblocks der städtischen Wohnbau GmbH bebaut. Auch zahlreiche ansehnliche Einzelhäuser in repräsentativer Hanglage entstanden dort. Ganz in der Nähe der Kirche befindet sich auch die Gesamtschule Friedenstal." Ulrich Stille: "Unverkennbar zeigt das Foto die fast fertige Kreuz-Kirche an der Hessestraße mit dem benachbarten weitläufigen Kindergartengebäude und dem Pfarrhaus. Im ehemaligen 4. Pfarrbezirk der Mariengemeinde wurde hier am Volkstrauertag im November 1965 das Kirchweihfest in der neuen Kreuz-Kirche von der nun selbstständigen Kreuz-Kirchen-Gemeinde gefeiert." Weiter schreibt Stille: "Gerade eben noch am Silvestertag hatten viele Besucher und Teilnehmer am traditionellen Silvester-Crossrennen des RC Endspurt, das auf dem benachbarten Gelände der Gesamtschule Friedenstal neben der Kreuz-Kirche ausgetragen wurde, alle halbe und volle Stunde Gelegenheit, den Glocken - es gibt wohl vier Glocken - auf dem 32 Meter hohen Turm der Kirche zu lauschen." »Mittagessen im Henkelmann erwärmt« Isolde Schure: "Flüchtlinge, Vertriebene und weitere Neubürger benötigten Wohnraum. So wurde die Neustädter Feldmark bebaut. Um den ev. luth. Gemeindemitgliedern einen nahen Kirchweg zu ermöglichen gab es im Norden seit 1958 die Christuskirche an der Glatzer Straße, im Nordosten seit 1962 die Markuskirche an der Landsberger Straße und schließlich im Südosten seit 1965 die Kreuzkirche an der Hessestraße." Und weiter schreibt Schure: "Der dazugehörende Kindergarten - die heutige Kindertagesstätte - ist zwei Jahre älter. Von der Pflegevorschule aus machte ich hier 1966 ein Praktikum. Die Kinder gingen um 12 Uhr nach Hause, einige wurden abgeholt. Ein paar blieben zum Mittagessen. Hierfür wurde ihr mitgebrachter Henkelmann im Wasserbad erwärmt. Nachmittags kamen einige der Zöglinge wieder zu ihren Kindergärtnerinnen, um zu spielen."

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