Historisch: Zwei Sandsteinfiguren - hier Neptun - stützen in etwa acht Metern Höhe das nächste Stockwerk an den Ecken des Bürgermeisterhauses an der Höckerstraße. Schon jetzt sind Schäden erkennbar, die durch Vibrationen und die Witterung entstanden sind. Restaurator Markus Schmidt begutachtet das Bauwerk. - © Peter Steinert
Historisch: Zwei Sandsteinfiguren - hier Neptun - stützen in etwa acht Metern Höhe das nächste Stockwerk an den Ecken des Bürgermeisterhauses an der Höckerstraße. Schon jetzt sind Schäden erkennbar, die durch Vibrationen und die Witterung entstanden sind. Restaurator Markus Schmidt begutachtet das Bauwerk. | © Peter Steinert

Herford Höckerstraße: Restaurator sichert Figuren am Bürgermeisterhaus

Die Ummantelung bleibt bis zur Fertigstellung der Neubauten auf der gegenüberliegenden Straßenseite bestehen

Peter Steinert

Herford. Jahrzehntelang blickten Neptun und eine Meerjungfrau auf das altehrwürdige Wittekind-Kino. Doch das ist längst verschwunden, stattdessen ermöglicht derzeit eine Baulücke einen besseren Blick auf diese beiden an den Ecken angebrachten Stützfiguren am Fuße der zweiten Etage vom Bürgermeisterhaus an der Höckerstraße 4. Ein Restaurator hat die historischen Sandsteingeschöpfe jetzt mit Hartschaumkästen gesichert. Die Maßnahme war nötig geworden, weil der Hüllhorster Investor Udo Wünderlich die nach dem Abriss entstandene Baulücke an der Höckerstraße 3 - 7 (die NW berichtet) mit einem viergliedrigen und dreigeschossigen Baukörper schließen möchte. "Wir haben ein Bodengutachten erstellen lassen und werden den kompletten Neubau erschütterungsfrei auf Bohrpfähle setzen", hatte Bauleiter Oliver Meyer versprochen, der dafür sorgen will, dass die dort entstehenden Läden zum Weihnachtsgeschäft 2018 bezugsfertig sind. Denen gegenüber steht das historische Bauwerk mit der imposanten Front. "Das Bürgermeisterhaus ist eines der wenigen Häuser aus jener Zeit, die in Herford noch erhalten sind. Deswegen ist das Gebäude von großer Bedeutung", hielt Bettina Lange vom Amt für Denkmalschutz vor zwei Jahren fest. »Gott zum Lobe, der Stadt Herford zur Ehre« Prägend für die Architektur des Objekts ist ein spätgotischer Treppengiebel. Weil die Immobilie 1573 vom damaligen Bürgermeister der Neustadt, Heinrich Crüwell, bewohnt wurde, ist es in Herford auch als "Crüwell-Haus" bekannt. Die übersetzte Giebelinschrift lautet: "Gott zum Lobe, der Stadt Herford zur Ehre und zum Nutzen der Menschen gebaut im Jahre unseres Herrn 1538." Das alles soll erhalten bleiben, ist teilweise aber schon geschädigt. Wie die in etwa acht Metern Höhe angebrachten Sandsteinelemente. "Vibrationen und die Witterung haben mit dazu beigetragen, dass Schichten abgeplatzt sind. Das lässt sich dann auch nicht mehr originalgetreu renovieren. Das eigentliche Bildhauerische ist weg", stellte Markus Schmidt fest. Der Restaurator aus dem münsterländischen Städtchen Laer war mit einem Hubwagen vorgefahren, um die beiden Sandsteinfiguren in Abstimmung mit der Unteren und Oberen Denkmalbehörde zu erhalten. Dafür füllte er Stützmörtel in Risse und Fugen. Anschließend montierte er zwei Hartschaumkästen an der Front. Die könnten mögliche Absplitterungen auffangen, die durch den Neubau ausgelöst werden. "Auf diese Weise ist eine Restaurierung möglich", versicherte Markus Schmidt, ehe er den zweiten Hartschaumkasten verschloss und es damit für Neptun auf der einen und die Meerjungfrau auf der anderen Hausecke für die nächsten Monate Nacht werden ließ.

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