Mit Charme und Herz: Tom Gaebel und sein Orchester beim Auftritt mit dem Programm "A Swinging Christmas" in Schiller. Vor der kleinen Bühne wird's kuschlig. - © Ralf Bittner
Mit Charme und Herz: Tom Gaebel und sein Orchester beim Auftritt mit dem Programm "A Swinging Christmas" in Schiller. Vor der kleinen Bühne wird's kuschlig. | © Ralf Bittner

Herford Tom Gaebel begeistert Publikum im ausverkauften Schiller

Bandleader und Musiker zeigen eine flotte Weihnachtsshow – Wunscherfüllung inklusive

Ralf Bittner

Herford. Mit den swingenden Evergreens "Santa Claus is Coming To Town" "Frosty the Snowman" eröffnen "Tom Gaebel and his Orchestra" ihr Konzert im ausverkauften Schiller. Orchester ist für eine achtköpfige Formation vielleicht etwas hoch gegriffen, aber eng und kuschelig wurde es im ausverkauften Musik-Kontor-Konzert nicht nur vor, sondern auch auf der Bühne. Peppig, mit Schwung und einem Hauch Bond-Bläser-Bombast nach vorn geht "The Cat", und schon früh am Abend wird die Frage "habt ihr Spaß an der Musik?" mit einem langen "Jaa!" beantwortet. Es ist noch früh im Advent, und so jingeln die Bells zwar reichlich, aber nicht durchgängig. Gaebel lässt einen Wunschsack durch die Reihen wandern. Der bringt Erwartbares - "Rudolph haben wir sowieso im Programm" - und Überraschendes an den Tag. "Was von Hendrix?", fragt der Bandleader, und dann an den Gitarristen Martin Feske gewandt: "Martin, kannst du was anbieten?" Martin kann. Zu "Hey Joe" lotet er die Grenzen der Gitarre aus und präsentiert sich obendrein sogar als Sänger. Da feiert nicht nur das Publikum, auch Gaebel zückt sein Smartphone und filmt, wohl ehrlich überrascht von den bisher verborgenen Talenten des Gitarristen. Doch auch Gaebel verlässt immer die Komfortzone des swingenden Big-Band-Sounds und verpasst aktuelleren Songs wie "This Christmas" oder "Driving Home for Christmas" einen gewaltige Dosis Gaebel-Sound. Mal übernimmt das Piano die Führung, dann treiben Percussion oder Schlagzeug voran - und es dürfen auch mal ein Schuss Samba oder ein Spritzer Mambo sein - und die drei Bläser machen wie sich das für diese Art Musik gehört ordentlich Dampf. "Jingle Bells", "White Christmas" oder das rotnasige Rentier Rudolph sind natürlich Pflicht, und immer wieder mischt sich Glöckchengeklingel in Gaebels warme Stimme, die ihn fast wie Sinatra klingen lässt. Die amerikanischen Weihnachtssongs sind warm, ein wenig schmalzig, aber auch so oft gehört, dass immer die Gefahr besteht, ins Kitschige abzurutschen. Dem beugt Gaebel durch kurzweilige Moderation und überraschende Arrangements vor. Bei "Jingle Bells" erklingen plötzlich Countrygitarren, und beim Titelsong der Zeichentrickserie "Captain Future", nimmt Gaebel, Jahrgang 1975, die Zuschauer mit in seine Kindheit und verblüfft durch den Einsatz des Theremins, eines elektronischen Musikinstrumentes, bei dem Lautstärke und Tonhöhe über die Entfernung der Hände von zwei Antennen gesteuert werden. Galaktisch! Ganz ohne Sinatra kann Gaebel nicht. "My Way", "New York New York" oder "Let it Snow" müssen sein, und er trifft damit ins Schwarze, und aus allen Richtungen werden die Refrains mitgesungen. Nur begleitet vom Piano singt Gaebel "Have Yourself a Merry Little Christmas" als Zugabe und setzt einen gefühlvollen Schlusspunkt unter einen abwechslungsreichen Abend.

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