Sanierungsstau: Die Pauluskirche bedarf teurer Reparaturen. Im Hintergrund das Gemeindehaus. - © Foto: Sammlung Polster
Sanierungsstau: Die Pauluskirche bedarf teurer Reparaturen. Im Hintergrund das Gemeindehaus. | © Foto: Sammlung Polster

Herford Mittwochsrätsel Auflösung: Das Foto zeigt die St.-Paulus-Kirche an der Kiebitzstraße

Die katholische Kirche wurde im März 1962 geweiht. Bei einem Unglück auf der Baustelle wurde niemand verletzt

Frank-Michael Kiel-Steinkamp

Herford. Das Mittwochrätselfoto von vergangener Woche zeigte die St.-Paulus-Kirche an der Ecke Kiebitzstraße/Oetinghauser Weg am Tag der Kirchweihe mit Vikar Paul Norhues am 3. März 1962. Isolde Schure hat das erkannt: "Die ,katholische Kirche hinter der Bahn. Am 24. Januar 1960 wurde der erste Spatenstich zum Neubau dieser Kirche vollzogen. Vor genau 50 Jahren am 1. Advent wurde die froh gestimmte Gemeinde in einem festlichen Gottesdienst von den drei neuen Glocken begrüßt. Sie tragen die Inschriften ,Sancte Petre?, ,Sancta Maria?, ,Sancte Joseph?, ,o.p.n? (ora po nobis - bete für uns) sowie die Jahreszahl 1967. Das erste Mal erklang später das Geläut der Paulus-Kirche zum Probelauf an einem Dienstagnachmittag über ,Herford hinter der Bahn?. Wer konnte den neuen Klang zuordnen?" Helmut Schneckener schreibt: "Die Kirche wurde nach dem letzten Krieg gebaut für die Flüchtlinge und Vertriebenen aus Schlesien, von denen viele katholischen Glaubens waren." Heike Fürhoff meint: "Die für meinen Geschmack viel zu modern gestaltete Kirche war vor einiger Zeit Thema in den Medien. Der Fortbestand der sanierungsbedürftigen Kirche (baufälliger Kirchturm) wird in Frage gestellt." Die Kirche an der Komturstraße ist zu klein geworden Jochen Hartig schreibt: "Es handelt sich um die Pauluskirche, die anstatt einer kleinen Kapelle in dem auch abgebildeten Bauernhaus gebaut worden ist, weil nach dem Krieg durch Zuzug von Flüchtlingen die Kirche an der Komturstraße allein zu klein geworden war. Das Bauernhaus ist schon teilweise entfernt und wurde später ganz abgebrochen. Heute wird über eine neue Nutzung der Kirche nachgedacht, weil die Gläubigen wieder fehlen. Gleichzeitig ist eine Unterschutzstellung als Denkmal im Gespräch. Geschichten kann ich wegen meines Alters nicht erzählen, doch fällt mir bei dem Betrachten des Bildes auf, wie gleichmäßig/eintönig die Leute damals angezogen waren. Ganz typisch die Dame im Vordergrund, Handtasche und Kopftuch. Hinten haben ausnahmslos alle Leute einen Hut auf (wenige eine Mütze), das ist heute unvorstellbar." Klaus-Dieter Stork weiß: "Das 12 Meter hohe und 24 Zentner schwere Kreuz auf dem Turm ist das Wahrzeichen der Kirche. Am 1. Adventssonntag 1967, also vor genau 50 Jahren, fand vor der Pauluskirche die Weihe der Petrus-, der Marien- und der Josefglocke statt. Im Jahre 1978 wurde rechts neben der Kirche, wo auf dem Bild noch der Altbau zu sehen ist, das neue Gemeindehaus eingeweiht. Ein Kindergarten wurde 1994 auf dem Kirchengelände eröffnet." Einsturz während der Mittagspause Karl-Heinz Menzel schreibt von einem glimpflich ausgegangenen Unglück beim Bau: "Persönliche Erinnerungen verbinden mich mit dem Bau des Gotteshauses durch die Fa. Gresselmeyer & Essmann, bekanntes Bauunternehmen an der Wiesestraße. Meine Lehrzeit als Maurer und Betonbauer führte mich zu dem Bauvorhaben in 1960/61, errichtet auf einer ehemaligen Schafwiese. Als Lehrling, wie damals so üblich, hatte ich für den Einkauf zum Frühstück beim schräg gegenüberliegenden Lebensmittelgeschäft Brackmann zu sorgen. Beliebtes Frühstück war der Brathering und die Pferdewurst mit frischen Brötchen. Dazu gab es das ,Herforder, vorab auch hier und da ein hochprozentiges Getränk. Unvergessen der Einsturz der Betondecke während des Betonierens der Kirchendecke. Gott sei Dann erfolgte der Einsturz während der Mittagspause. Niemand wurde verletzt, ein Handwerker fehlte jedoch. Die Vermutung, dass er sich noch im Kirchenschiff während des Einsturzes aufhielt, bewahrheite sich nicht. Er hatte sich auf der angrenzenden Wiese zum ,Nickerchen? hingelegt. Die Aufräumarbeiten dauerten etliche Wochen, um den frischen und den abgebundenen Beton mit Schalung und Moniereisen zu beseitigen, zumal der große Kran mit Defekt zum Teil ausfiel. Unter dem damaligen Polier G. Thenhaus durfte ich auf der Südseite des Gotteshauses die Klinker vermauern und verfugen. Eine bleibende und schöne Erinnerung an das Gotteshaus." Die Frisch gegossene Betondecke stürzte wieder ein Klaus Nowitzki hat damals von dem Einsturz der Decke gehört: "Kurz vor dem Richtfest wurde die Betondecke gegossen. In der Mittagspause stürzte die Betonschalung mit dem flüssigen Beton ein. Durch die Mittagspause war nach meiner Erinnerung Gott sei Dank niemand unter der Schalung und somit nur Sachschaden entstanden. Ich war damals als Stift bei einem Kunden in unmittelbarer Nachbarschaft am Arbeiten." Bernd Wilhelms: "Mir ist noch in Erinnerung geblieben, dass während der Bauphase eine Betondecke in beträchtlicher Höhe eingestürzt ist, was in der Bevölkerung ein großes Entsetzen ausgelöst hat." Gerhard Heitholt beschreibt: "Man sieht den Haupteingang und direkt daneben den aufstrebenden Glockenturm mit den für diesen Bau charakteristischen Betonquerbalken, eben ein moderner Nachkriegsneubau. Das große Haus rechts, marode anzusehen und von Abrissplänen wohl schon gezeichnet, hat längst Platz gemacht für einen schönen Kirchplatz und den Bau eines Gemeindehauses. Als Außenstehender und Nichtkatholik kann ich zu dem Gemeindeleben und Aktivitäten in St. Paulus nichts sagen, weiß aber und freue mich darüber, dass eine gewisse Ökumene praktiziert wird und es Berührungspunkte zwischen der katholischen Seite und hiesigen protestantischen Gemeinden gibt. So hat unser evangelischer Posaunenchor in den 1960er Jahren, also kurz nach Fertigstellung der Kirche, auf dem Kirchturm früh morgens zu Ostern fröhliche Choräle über die Dächer von Radewig und Herringhausen geblasen. Posaunenchöre sind in katholischen Kirchen eher selten zu finden, da finde ich es um so schöner und interessanter, dass der mir persönlich bekannte Organist von St. Paulus schon seit Jahren einen kleinen Bläserkreis hat. Viele Kirchenlieder sind gottlob überkonfessionell und gleich, ebenso kommt Musik großer und bekannter Komponisten bei beiden Konfessionen zu Gehör. Beide Seiten freuen sich, wenn ich ab und zu dort im Gottesdienst mitspiele. Musik verbindet eben sehr, da geht Ökumene ganz von selbst. Natürlich dürfen auch Frauen trotz Zölibat und immer eines männlichen Papstes in der katholischen Kirche ,etwas sagen?: so treffen sich Frauengruppen beider Konfessionen jedes Jahr in Paulus oder einer evangelischen Kirche zum Weltgebetstag der Frauen. Für die Paulusgemeinde hoffe und wünsche ich nun, dass die aufgekommenen Schließungsgerüchte oder Umwidmungspläne verstummen im Interesse einer Erhaltung der Kirche für ein lebendiges Gemeindeleben zum Wohle aller in diesem Stadtbezirk."

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