Zufrieden: JVA-Direktor Friedrich Waldmann eröffnete mit dem Beirat zunächst die Adventsausstellung in der ehemaligen Direktorenvilla. Anschließend legte er in seiner Jahresbilanz die aktuellen Zahlen vor. - © Dennis Bleck
Zufrieden: JVA-Direktor Friedrich Waldmann eröffnete mit dem Beirat zunächst die Adventsausstellung in der ehemaligen Direktorenvilla. Anschließend legte er in seiner Jahresbilanz die aktuellen Zahlen vor. | © Dennis Bleck

Herford JVA-Direktor Waldmann zieht positive Jahresbilanz

Jugendgefängnis: Die Zahl an niedrigschwelligen Gewaltdelikten bleibt im Vergleich zum Vorjahr auf gleichem Niveau. Integrationsarbeit und Resozialisierung der Gefangenen stehen im Vordergrund

Dennis Bleck

Herford. Friedrich Waldmann blickt auf ein gutes Jahr zurück. Der Leiter der Justizvollzugsanstalt (JVA) Herford zog während der Jahresbilanz am Samstag ein positives Fazit: "Insgesamt bin ich sehr zufrieden. Keine Ausbrüche, keine Todesfälle und auch keine schweren Fälle von körperlichen Auseinandersetzungen." Gegenüber 2016 sind die Gewaltdelikte unter Gefangenen aber in etwa auf gleichem Niveau geblieben. In 35 Fällen (Vorjahr 39) wurde Strafanzeige erstattet. "Dabei handelt es sich ausschließlich um niedrigschwellige Taten", erläutert Waldmann. Vor dem Hintergrund, dass mehr als 60 Prozent der Gefangenen bereits Gewalterfahrungen gesammelt hat, sei die Zahl an Fällen eher gering. Probleme bereitet allerdings der hohe Anteil ausländischer Gefangener. Waldmann: "Im Jahr 2017 waren in der JVA Herford zeitweise Häftlinge aus 33 verschiedenen Nationen untergebracht." Neben Verständigungsproblemen kennzeichnet aggressives, respektloses und forderndes Verhalten häufig die erste Zeit dieser Gefangenen im Vollzug. "Daher sind wir bemüht, bereits früh in den Dialog zu treten", sagt Waldmann. Er berichtet von einer intensiven Integrationsarbeit. Dabei setzt die JVA Herford verstärkt auf Kommunikation: Ehrenamtliche Dolmetscher verdeutlichen den jungen Gefangenen in Landessprache welche Rechte sie haben und welche Pflichten ihnen auferlegt sind. Frühzeitig werden Werte, Normen und Tabus übermittelt. Respektlosigkeit gegenüber Mitarbeiterinnen nimmt zu "In dem Zusammenhang ist es besonders wichtig, die Rolle der Frau zu thematisieren", sagt Waldmann. Im vergangenen Jahr stellte der JVA-Direktor immer häufiger fest, dass der Respekt gegenüber Mitarbeiterinnen im Justizvollzug fehle: "Die Kolleginnen sehen sich mit Beleidigungen konfrontiert, die deutlich unter der Gürtellinie sind." Waldmann reagiert auf diese verbalen Aussetzer mit harter Hand und stellt Strafanzeige. "Das bin ich unseren Mitarbeiterinnen schuldig", sagt er. Derzeit sind 212 von insgesamt 355 Plätzen in der Justizvollzugsanstalt Herford belegt. "Dadurch haben wir deutlich mehr Luft, uns um die Häftlinge zu kümmern", sagt Waldmann. Doch schon Anfang des kommenden Jahres wird die Zahl an Gefangenen steigen. Hintergrund hierfür ist der strukturelle Wandel der Justizvollzugsanstalt Iserlohn, in der künftig junge, weibliche Gefangene aus Nordrhein-Westfalen untergebracht werden. Ein Teil der männlichen Häftlinge aus Iserlohn wechselt dann in die Hansestadt. Abgeschlossen ist indes ein Fall von Kriminalität in der eigenen Verwaltung. Eine Mitarbeiterin der Zahlstelle hatte Gelder unterschlagen (Die NW berichtete). Gegen die 66-Jährige wurde eine Freiheitsstrafe von einem Jahr auf Bewährung verhängt. Zudem muss sie 14.400 Euro an das Land Nordrhein-Westfalen bezahlen. Außerdem befindet sich ein Nachfolgemodell für das beliebte Projekt "Dinner hinter Gittern" in der Startphase. Ab dem 20. April 2018 werden bei vier Veranstaltungen im Jahr externe Gäste die Möglichkeit haben, in der JVA Herford zu speisen. Nähere Informationen folgen.

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