Ortstermin im fast fertigen Gewahrsam: Rolf Holler (v. l.), BLB-Niederlassungsleiter in Bielefeld, Matthias Kramer, zuständig für BSB-Asset-Management sowie die Polizeidirektoren Christian Brenski und Dirk Zühlke im Flur vor den sechs Zellen. - © Jobst Lüdeking
Ortstermin im fast fertigen Gewahrsam: Rolf Holler (v. l.), BLB-Niederlassungsleiter in Bielefeld, Matthias Kramer, zuständig für BSB-Asset-Management sowie die Polizeidirektoren Christian Brenski und Dirk Zühlke im Flur vor den sechs Zellen. | © Jobst Lüdeking

Herford Blick in die Gewahrsamszellen der Kreispolizeibehörde

Neubau: Es fehlten die elektronische Ausstattung. Im Jahr 2018 soll der Bereich erstmals für die tage- oder stundenweise Unterbringung genutzt werden. Jetzt steht die Wache an

Jobst Lüdeking

Herford. Nach den früheren Planungen sollte der Umbau der Gewahrsamszellen in der Herforder Kreispolizeibehörde bereits vor Monaten abgeschlossen sein. Es gab jedoch Verzögerungen. Die Gründe: Unter anderem statische Probleme bei der Kellerdecke, die vor Baubeginn noch nicht absehbar waren. Um die Tragfähigkeit zu gewährleisten, mussten Träger eingezogen, diese Arbeiten aber zuvor ausgeschrieben werden. Oder aber zu viel Feuchtigkeit in den verputzten Wänden, die das Fliesenlegen zunächst unmöglich machten. Jetzt zeichnet sich ein Ende ab, wie bei einem Treffen der Polizeispitze mit Vertretern des Bau- und Liegenschaftsbetriebs Nordrhein-Westfalen (BLB) bekannt wurde. Gleichzeitig steht die dritte Ausbaustufe an der Hansastraße nach der Leitstelle und dem Gewahrsam an: Die Räume der Wache, rund 200 Quadratmeter, werden für geplante 935.000 Euro komplett umgestaltet. Demnächst sollen es die ersten Ausschreibungen für die Gewerke geben. Der eigentliche Bau des Gewahrsams ist, vorbehaltlich der Abnahme durch die Bezirksregierung, abgeschlossen. "Das Landesamt für Zentrale Polizeiliche Dienste (LZPD) muss noch die technische Ausstattung einbauen", so Polizeidirektor Dirk Zühlke. Dazu gehört Kameratechnik - alle Zellen sind videoüberwacht - aber auch Sensoren. Damit wird das neue Herforder Gewahrsam 2018 seinen Betrieb aufnehmen. Die drei Zellen in Bünde werden dann nicht mehr genutzt und stillgelegt. Die Kosten für einen Umbau auf Herfords Standards, so Zühlke, wären angesichts der geringen Belegungszahl in Bünde viel zu teuer geworden, und hätte "mehrere Hunderttausend Euro gekostet". Denn die Standards, nach denen die rund 30 Jahre alten Hansastraßen-Zellen für rund eine Million Euro umgebaut worden seien, seien landeseinheitlich festgelegt worden, erklärt Matthias Kramer vom BLB. Das dient zum einen der Sicherheit der Beamten, die nun mehr Platz haben, um gemeinsam gegen möglicherweise renitente Insassen einschreiten zu können. Es dient aber auch dem Schutz der Festgesetzten: So gibt es keine Ecke und vor allem Kanten, an denen sich die jährlich etwa 800 Insassen, die hier stunden- oder tageweise untergebracht sind - selbst verletzten oder gar töten können. Diese Ausstattungen gebe es nicht von der Stange. Immerhin, so der Manager, befänden sich die Insassen oft in psychischen Ausnahmesituationen. Für die rund 100 bis 150 alkoholisierten Personen, die künftig in den Ausnüchterungszellen pro Jahr untergebracht sind, gibt es auch Fixiermöglichkeiten. Darüber hinaus ist die Liegefläche beheizt. Die Ausnüchterungszellen sind so gestaltet, dass sie einfach gereinigt und desinfiziert werden können. Die anderen Zellen verfügen hingegen über gemauerte Pritschen mit Holzauflagen und einer Matratze - oder wie die Großraumzelle über feste Sitze. In Kürze soll der Bürobereich des Gewahrsam auch möbliert werden. Schreibtische und Schränke kommen aus der Justizvollzugsanstalt Herford.

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