Nach der Sanierung ist vor der Sanierung: Das Bettenhaus ist fertiggestellt. Nun werden Pläne für einen der Größe des Hauses angemessenen Eingangsbereich gemacht. - © Frank-Michael Kiel-Steinkamp
Nach der Sanierung ist vor der Sanierung: Das Bettenhaus ist fertiggestellt. Nun werden Pläne für einen der Größe des Hauses angemessenen Eingangsbereich gemacht. | © Frank-Michael Kiel-Steinkamp

Kreis Herford Klinikum plant den Bau eines neuen OP-Zentrums

Sanierung des Bettenhauses abgeschlossen: Die nächsten Baustellen von Vorstand Rudolf Küster sind die 
Kinder- und Jugendklinik, die Operationssäle, eine Aufstockung der Parkhäuser und der Eingangsbereich

Frank-Michael Kiel-Steinkamp

Kreis Herford. Der Terminkalender von Rudolf Küster ist eng getaktet. Der Diplom-Ingenieur zeichnet seit September 2014 als Vorstandsmitglied am Herforder Klinikum verantwortlich für Bauen, Technik und Informationstechnik. Seit Martin Eversmeyer als langjähriger Sprecher des Vorstands im April nach Osnabrück gewechselt ist, nimmt er auch dessen Steuerungsaufgaben in Medizin und Finanzwesen wahr – bis der Nachfolger Stephan Judick im April 2018 seinen Posten antritt. Küster kann allein nicht alle repräsentativen Aufgaben des Vorstands erfüllen – doch in seinem Kernbereich wird er nicht müde, Pläne für Um- und Erweiterungsbauten des Klinikums zu schmieden und den Verwaltungsrat mit Landrat Jürgen Müller an der Spitze von der Notwendigkeit der Millionenprojekte zu überzeugen. Küster ist froh, dass die Sanierung und Erweiterung des Bettenhauses für am Ende 46 Millionen Euro bis auf Restarbeiten abgeschlossen ist: „Wir haben jetzt alle Betten am Start. Gut, dass wir durch sind. Die Belastung von Personal und Patienten durch den Umbau bei laufendem Betrieb war enorm." Der riesige Baukran wird in Kürze abgebaut. Auch der zweite Abschnitt der Komfortstation im neunten Stock mit einem fantastischen Blick ins Umland geht in der nächsten Woche in Betrieb. Der Patient zahlt für den besonderen Hotelservice im Einzelzimmer 135 Euro zusätzlich pro Tag, so er nicht entsprechend versichert ist. Das Angebot wird schon gut angenommen. Rudolf Küster wurde vor drei Jahren zum Ende des zweiten Bauabschnitts der Bettenhaussanierung wohl als Krisenmanager nach Herford gerufen, denn, so deutet er an, die Umsetzung des Großprojekts lief nicht so reibungslos, wie es nach außen den Anschein hatte. Anfang 2016 trennte man sich sogar vom Architekturbüro und nahm die Fertigstellung in die eigene Hand. Küster hätte sich gewünscht, vor Beginn der Sanierung als Experte des Bauherrn mit im Boot gewesen zu sein: „Ich hätte zunächst eine Zielplanung für das ganze Gelände gemacht." Man sei aber den Umbau des Bettenhauses angegangen und habe geglaubt, danach sei alles in Ordnung. Dann habe man aber gemerkt „was noch alles kommt." 2016 trennte sich das Klinikum vom Architekten der Bettenhaussanierung Was kommt also noch? Schon vorgestellt wurden die Pläne für einen Neubau der Kinder- und Jugendklinik östlich des Hauptgebäudes. „Wir sind im Endstadium der Planungen. Anfang 2018 folgen die Ausschreibungen und Anfang 2020 könnte die Klinik in Betrieb gehen. Geplant ist ein Budget von 17,5 Millionen Euro, doch Küster fürchtet, dass es aufgrund der „extremen Baupreisentwicklung" teurer werden könnte. In die Jahre gekommen sind auch die Operationssäle. Küster ist „glücklich", dass sich der Verwaltungsvorstand überzeugen ließ, dass eine Sanierung im Bestand unter laufendem Betrieb für Personal und Patienten „furchtbar" und nicht zuzumuten sei. So wurde die Idee entwickelt, ein neues OP-Zentrum auf dem Gelände der heutigen Kinder- und Jugendklinik zu bauen. Nach Erstellung eines Raumfunktionsprogrammes unter Berücksichtigung der zu erwartenden Patientenzahlen könnte im nächsten Sommer ein Architektenwettbewerb ausgeschrieben werden. Küster rechnet mit einer Bauzeit von zwei bis drei Jahren. Ab 2023 könnte hier in zehn Sälen operiert werden. Das Zentrum wird für unter 20 Millionen Euro nicht zu haben sein. Küster möchte in einem „großen Wurf" auch die Eingangs- und Foyersituation des Klinikums verbessern. „Wir sind jetzt ein wirklich großes Haus mit 863 Betten. Der Eingang im ersten Stock ist kaum zu finden." Küster findet dafür den Begriff „Katzenklappe". Ziel sei ein Zugang ebenerdig. Zahlreiche Parkplätze würden durch die Umgestaltung am Haupthaus verschwinden. Küster möchte die vorhandenen Parkhäuser aufstocken, um die zur Zeit entspannte Parksituation nicht wieder zu verschärfen. Da war doch noch was: Auch das Personalwohnheim ist in die Jahre gekommen. Es ist für heutige Verhältnisse insgesamt überdimensioniert und hat für heutige Ansprüche zu kleine Wohnungen. Zwei Etagen sind bereits mit Büros belegt. Das Klinikum braucht heute nur noch 10 bis 20 Wohneinheiten für neue Mitarbeiter. Auszubildende der Krankenpflege haben anders als früher wenig Interesse. Wenn die Bauprojekte 2023 abgeschlossen sind, will Rudolf Küster in Rente gehen „Endgültige Pläne haben wir für das Wohnheim noch nicht", sagt Küster. Ob ein Ausweichen auf den Bildungscampus auf dem Stiftberg sinnvoll sein könnte? „Das muss ein attraktives Angebot sein", sagt Küster. Der Klinikum-Vorstand ist froh, dass sich das Verhältnis zum Bünder Krankenhaus auf Initiative des Landrats zu einer „schönen Kooperation und Partnerschaft" entwickelt hat, in der nicht mehr der eine auf den anderen schaue, ob der ihm nicht etwas wegnimmt. Es würden Überlegungen angestellt, auf was in Herford verzichtet werden könne, weil Bünde es anbietet. Küster ist auch froh, dass das Land Nordrhein-Westfalen demnächst seine finanzielle Unterstützung im Krankenhausbau deutlich erhöhen wird. „Das alles können wir auch nicht mehr wie bisher selbst erwirtschaften", sagt er. Wenn die Bauprojekte 2023 abgeschlossen sind, will Rudolf Küster in Rente gehen.

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