Lass uns das mal ausklamüsern: Plakate und Postkarten mit dieser Aufschrift laden zum Bürgerdialog ein. Bürgermeister Tim Kähler sowie die Stadtentwickler Pascal Gehle und Maike Wöhler gefällt's. - © Corina Lass
Lass uns das mal ausklamüsern: Plakate und Postkarten mit dieser Aufschrift laden zum Bürgerdialog ein. Bürgermeister Tim Kähler sowie die Stadtentwickler Pascal Gehle und Maike Wöhler gefällt's. | © Corina Lass

Herford Bürger starten einen Dialog und entscheiden, wie Herford 2030 sein wird

Die Verwaltung lädt zu einer Veranstaltung ein, die Auftakt eines mehrmonatigen Prozesses ist und in ein Stadtentwicklungsprogramm münden soll. Die Herforder sollen dabei sagen, was sie sich für die Stadt und das Zusammenleben wünschen

Herford. Die Stadt verändert sich. Wie wird sie wohl 2030 aussehen? Und wer entscheidet das eigentlich? Die Verwaltung hofft, dass es die Bürger sind, vor allem die jüngeren. Denn die werden am längsten mit den Beschlüssen leben müssen, die heute gefasst werden. Deshalb will die Stadt jetzt auch mit den Bürgern in einen Dialog treten. Sie plant, das bisherige Stadtentwicklungsprogramm (SteP) "Herford 2005 bis 2015" durch ein neues abzulösen. Dazu hat sie eine Auftaktveranstaltung anberaumt, zu der alle Bürger ins Rathaus eingeladen sind (siehe Kasten). Dort steht nichts Geringeres als "Mein Herford 2030" zur Debatte. Die Stadtentwickler Maike Wöhler und Pascal Gehle arbeiten schon seit einem Jahr an dem Thema: Mit allen Abteilungen und den städtischen Töchtern zusammen haben sie Ziele formuliert, diese auf Herford heruntergebrochen und dann mögliche Projekte aufgelistet, die zu diesen Zielen führen könnten. Im Bürgerdialog geht es zurück zum Anfang und um Fragen wie: Was fehlt dir in der Stadt? Was ist gut, was verbesserungswürdig? Was habt ihr für Wünsche für die Zukunft? Die Antworten werden die Liste der Themen ergänzen, die von der Verwaltung schon zusammengestellt wurden. Darauf stehen bereits elf Komplexe, darunter Radmobilität, Klimaschutz, prekär Leben oder: Wie bin ich auch mit wenig Geld voll dabei? Die Stadt hat dazu eigene Ideen und macht Vorschläge für Projekte. Sie stellt dies aber zugleich auch zur Diskussion: Vielleicht finden die Bürger sie ja noch verbesserungswürdig. Eltern mit Kinder sollen sich ebenso beteiligen wie Leute mit wenig Geld Der eigentliche Dialog beginnt nach der Auftaktveranstaltung: Die Bürger können sich online und mit Postkarten einbringen, zu den verschiedenen Themen wird es Bürgerforen geben. Für Berufstätige mit Kindern zum Beispiel über Mittag, weil die Stadt sie sonst überhaupt nicht erreichen könnte, sagt Wöhler. Aber auch an Menschen mit geringem Einkommen ist gedacht. Alle sollen mitmachen, mitdenken und sich in der Zukunft Herfords wiederfinden können. Der Prozess der Themen und Projektfindung soll bis Frühjahr 2018 andauern. Dann wird die Verwaltung einen Zwischenbericht geben. Der soll anschließend in eine Vorlage für den Stadtrat münden und letztlich in ein Stadtentwicklungsprogramm. Die darin formulierten Vorhaben und Ziele will die Stadt in Jahresplänen abarbeiten. Schwierig wird, die verschiedenen Interessen unter einen Hut zu bringen. Denn jeder bringt Wünsche und Erwartungen mit, jeder hat seinen Horizont, von dem aus er auf die Themen blickt. Wenn es nur wenige Meinungen zu einem Randthema gebe, sei das anders zu bewerten, als wenn es viele Meinungen zu einem Thema sind, zu dem sich jeder gerne äußert. Auch gebe es Interessen, die in sich widerstreitend sind: Für ältere Menschen sei es in der Regel wichtig, so etwas wie einen Biergarten in nicht allzu großer Entfernung zu haben, sagte Bürgermeister Tim Kähler gestern im Pressegespräch. Gleichzeitig seien das die Menschen, die meist kein Interesse daran hätten, dass die Biergärten bis 24 Uhr geöffnet sind. Das Programm ermöglicht allen Beteiligten, effizient zusammenzuarbeiten Ist das Stadtentwicklungsprogramm erst fertig, ermöglicht es den einzelnen Abteilungen in der Verwaltung sowie den städtischen Töchtern, zielgerichtet und effizient zusammenzuarbeiten. Auf dem Weg dorthin will die Stadt aber ihre Kommunikation mit den Menschen optimieren, wie es Kähler ausdrückte: Denn die kommunizierten heute anders als vor 50 Jahren. Dabei wird die Agentur Zebralog aus Berlin helfen, die den Prozess moderiert. Kähler will aber weiter: Bald sollen die Herforder nicht nur ihre Steuererklärung online abgeben können, sondern ganz einfach auch den Bauantrag, um nur ein Beispiel zu geben. Gute Erfahrungen mit der jetzt geplanten Art der Bürgerbeteiligung hat die Verwaltung im Prozess um die Konversion der früheren militärischen Flächen auf dem Stiftberg gemacht. Ihr ist aber wichtig, dass sich jetzt möglichst noch mehr Menschen beteiligen und an der Zukunft Herfords mitarbeiten. Den jeweiligen Stand des Verfahrens werden die Bürger im Internet nachlesen können. Zugleich sollen sie dort auch kommentieren und Anregungen geben. Wer nicht online unterwegs ist, kann eine der grünen Postkarten nutzen, auf denen "Wir machen uns auf'n Patt!" oder "Lass uns das mal ausklamüsern!" jeweils mit dem Verweis auf "mein Herford 2030" steht. Die städtische Marketinggesellschaft Pro Herford hat die Karten entworfen.

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