Herford Hund frisst tödliches Gift im Flachsbachtal

Köder gegen Ungeziefer in der Natur: Thomas Beslers Mischlingshündin Lotte fraß vermutlich Rattengift. Notoperation in letzter Minute rettete dem Tier das Leben

Thomas Hagen

Herford. Das war knapp. Ihre Neugierde und der angeborene Hunde-Fresstrieb sind der elfjährigen Lotte, einem Mischling aus Golden Retriever und weißem Schäferhund, fast zum Verhängnis geworden. In der vergangenen Woche war das 30 Kilogramm schwere Tier mit Thomas Beslers Schwiegereltern unterwegs, es ging ins Flachsbachtal zwischen Elverdisser und Lockhauser Straße. Dass Lotte etwas Giftiges gefressen haben könnte, fiel seinem Herrchen erst später auf. Das ist typisch für die Art Stoff, den die Hündin geschluckt hatte: Rattengift. "Es wirkt mit Verzögerung von einigen Tagen. Als wir von unserem Ausflug zurückkamen lag Lotte nur noch apathisch auf ihrer Decke, hechelte und fraß nicht mehr" erinnert sich Besler, der zuletzt dem SPD-Stadtverband vorsaß. Das war das Alarmzeichen. Thomas Besler (47) und sein Sohn Mattis (16) nahmen Lotte und brachten sie zum Tierarzt. "Dr. Otto hat die Lefzen hochgezogen und die bläuliche Färbung der Schleimhäute gesehen, sofort eine Blutuntersuchung gemacht und dann die Diagnose "Rattengift" gestellt", beschreibt Besler die Situation. Lottes Milz musste entfernt werden Lotte bekam einen Cocktail verschiedener Wirkstoffe verabreicht, wurde agiler und fraß auch wieder. Doch dann gab es einen Rückfall. "Der Hund hatte eine Milzeinstauung, der Bauch war aufgebläht. Der Bereich wurde entwässert und dann musste alles schnell gehen, denn als Dr. Otto den Bauchraum öffnete war dort bereits eine große Menge Blut aus der gerissenen Milz ausgetreten. Er musste das Organ entfernen, aber Lotte wird auch ohne auskommen", sagt Thomas Besler. Nun ist Lotte wieder zuhause, Augen und Nase haben wieder Glanz. Und sie geht wieder Gassi in den naheliegenden Aawiesen. Dort liegen keine giftigen Rattenköder aus. Besler ist aber auch selbstkritisch: "Natürlich muss ich mich dafür kritisieren lassen, dass ich Lotte frei herumlaufen lasse", sagt er. Die Kritik hat ihren Grund: im Stadtgebiet gilt die Anleinpflicht. Es gibt nur eine Freilauffläche in Herford. Sie liegt hinterm Friedrichsgymnasium bei den Werregärten. Polizeisprecher Uwe Maser sagte auf Nachfrage der NW: "Wir haben aktuell keine Hinweise, dass gezielt Giftköder ausgelegt werden. Oft sind es wie im Fall Besler falsch ausgelegte Giftköder die zum Tod von Hunden führen." In den Jahren 2015 und 2016 habe es 17 Anzeigen wegen Verletzungen nach dem Tierschutzgesetz gegeben. "Aber da ging es nicht um Vergiftungen." Fälle von unsachgemäßer Anwendung schließt Maser aber nicht aus. Auch Tanja Hochstedter vom Kreisveterinäramt gibt Entwarnung. Zwar habe es am Donnerstag in Löhne einen ähnlichen Fall gegeben, aber akute Gefahr bestehe für den Kreis nicht. Zudem sei die Täter-Ermittlung schwierig. "Ich habe es in meiner Dienstzeit bisher nicht erlebt, dass ein Hund gezielt vergiftet worden ist", sagt Hochstedter. Und sie rät dazu, sich nicht durch ungenaue Meldungen in den sozialen Medien nicht verunsichern zu lassen. "Der Wahrheitsgehalt ist mit Vorsicht zu genießen." Sollte es einen unklaren Todesfall geben, würde das Veterinäramt eine Analyse durchführen. Erste Hilfe bei Vergiftungen Symptome, die auf Vergiftungen hinweisen können: Übelkeit, Durchfall, Atemstörungen, helle Schleimhäute im Rachenbereich, starkes Speicheln, schwankender Gang, Taumeln, Atemstillstand, Krämpfe, schneller Herzschlag, Herzstillstand, Lähmungserscheinungen, Erbrechen, Bewusstlosigkeit, übermäßiges Hecheln, Sofortmaßnahmen: den Hund vom Giftköder entfernen, den Hund nicht zum Erbrechen bringen, wenn man nicht weiß, was er zu sich genommen hat (ätzende Gifte verätzen den Rachen; scharfe Gegenstände verletzen), den Tierarzt anrufen, den Verdacht berichten und die Symptome schildern (der Arzt kann eventuell schon Gegengift bereit legen), schnellstmöglich einen Tierarzt aufsuchen, schriftlich festhalten, was, wie viel und wann gefressen wurde, wenn möglich, eine Probe mitnehmen

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