Immer ein Ereignis: Stefan Kagl leitet die Thüringen Philharmonie Gotha, den Münsterchor Herford und die Kantorei Bad Kissingen. Zum Auftakt der Chorfesttage wurde dem Publikum ein eindrucksvolles Konzert in eben solchem Rahmen geliefert. - © Philipp Tenta
Immer ein Ereignis: Stefan Kagl leitet die Thüringen Philharmonie Gotha, den Münsterchor Herford und die Kantorei Bad Kissingen. Zum Auftakt der Chorfesttage wurde dem Publikum ein eindrucksvolles Konzert in eben solchem Rahmen geliefert. | © Philipp Tenta

Herford Gelungene Eröffnung der Herforder Chorfesttage

Musikalisches Reformationsgedenken: Beim ersten Konzert überzeugen Herforder Münsterchor, Kantorei Bad Kissingen und die "Thüringen Philharmonie Gotha" unter Leitung von Stefan Kagl

Philipp Tenta

Herford. Alle zwei Jahre vereinigen sich der Herforder Münsterchor und die Kantorei Bad Kissingen zu einem gemeinsamen, symphonischen Konzertprojekt. Mit dabei war diesmal, neben einem ausgezeichneten Solistenquartett, die "Thüringen Philharmonie Gotha". Auf dem Programm standen zwei romantische Werke bei denen das Lutherlied "Ein feste Burg" verarbeitet wurde und als katholischer Kontrast dazu Anton Bruckners "TeDeum". Interessant war die Wiederbegegnung mit Otto Nicolais kirchlicher Fest-Ouvertüre über "Ein feste Burg". Beim Festgottesdienst zum Reformationstag war dieses Werk bereits zu hören gewesen, in einer Fassung für Chor, Orgel und Bläserchor. Rückblickend wirkte diese Aufführung im Vergleich wie eine kammermusikalische Fassung. Die beiden vereinten Chöre intonierten das Lutherlied als majestätischen Hymnus, während das Symphonieorchester den fein ziselierten, kontrapunktischen Kontrapart lieferte. Bei der Reformations-Symphonie von Felix Mendelssohn-Bartholdy wurde das bekannte Lutherlied auf ganz andere Weise zu Gehör gebracht. Im vierten Satz wird es vom Chor zuerst mit verhaltener innerer Zuversicht vorgetragen, um danach in zahlreichen musikalischen und emotionalen Variationen von Chor und Solisten neu erlebt zu werden. Im dritten Satz hatten die beiden Solisten Ruth Gerhard-Liebscher und Siyabonga Maqungo eine tragende Rolle. Mit emotionaler Intensität und natürlicher Stimmführung stellten sich beide in den Dienst des gemeinsamen musikalischen Projekts, ohne sich selbst dabei in den Vordergrund drängen zu wollen. In den vorangehenden instrumentalen Sätzen zeigte sich die Thüringen Philharmonie Gotha als präziser Klangkörper mit ausgezeichneten Solisten. Stefan Kagl nimmt als Dirigent die Tempoangaben des Komponisten wörtlich. Sein Allegro-Vivace klingt wirklich fröhlich-lebhaft und nicht wie bei vielen anderen eilig abgehetzt. Er gibt den Instrumentalisten die Möglichkeit sich klanglichnuancenreich zu entfalten. Das Ergebnis ist ein Mendelssohn vollfeinsinniger Überraschungen. Ein scheinbar mühelos agierender Tenor aus Soweto Anton Bruckners "Te Deum" war der größte Publikumserfolg des Komponisten, den er auch selbst erlebte. Die Aufführung in der Münsterkirche demonstriert auf beeindruckende Weise weshalb dieses Werk bis heute so beliebt geblieben ist. Große Emotionen werden von Bruckner wirkungsvoll in Szene gesetzt, die Instrumentierung ist voller Überraschungen. Unter den Solisten hat der Tenor bei diesem Werk die wichtigste Aufgabe. Er singt alleine oder im Dialog mit dem Chor und dem Solisten-Terzett. Der junge, aus Soweto stammende Siyabonga Maqungo bewältigt diese Herausforderung scheinbar mühelos. Ein beachtenswerter Künstler der seit zwei Jahren in Deutschland als Opernsänger durchstartet. Seine Stimme bleibt weich und geschmeidig - auch wenn er sich gegen ein volles Symphonieorchester durchsetzen muss. Die Sopranistin Ruth Gerhard interpretierte Bruckner mit ausdrucksstarker Dramatik. Ihre Stimme schien wie verwandelt. War sie bei Mendelssohn gerade noch als erzählende Oratorien-Sängerin zu erleben, verwandelte sie sich hier zur stimmgewaltigen Operndiva. Roland Hartmann, Bass, hatte bei diesem Werk nur ein kurzes, aber beachtenswertes Solo. Alle vier Solisten beeindruckten auch durch ihre feinfühlige Ensembleleistung. Das Konzert wird am 26. November im Regentenbau in Bad Kissingen wiederholt. Bei dieser Gelegenheit wird Burkhard Ascherl, der Leiter der Kantorei Bad Kissingen die Aufführung dirigieren.

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