Tatenlos: Die Darstellung der Schüler erinnerte auch daran, dass es kaum Widerstand gegen Verfolgung und Vernichtung der Juden gab. - © Frank-Michael Kiel-Steinkamp
Tatenlos: Die Darstellung der Schüler erinnerte auch daran, dass es kaum Widerstand gegen Verfolgung und Vernichtung der Juden gab. | © Frank-Michael Kiel-Steinkamp

Herford Friedenstaler Gesamtschüler erinnern an die Pogromnacht

Gedenken in der Synagoge: Jugendliche führen in einer szenischen Darstellung das Schicksal Herforder Juden in der Zeit des Nationalsozialismus vor Augen

Frank-Michael Kiel-Steinkamp

Herford. „Ermordet, ermordet, ermordet ..." In einem sachlichen, ruhigen Ton beginnt ein Sprecher die Namen der in ihren Wohnungen, auf den Straßen, in ihren Gotteshäusern und in Konzentrationslagern gewaltsam zu Tode gekommenen Herforder Bürger jüdischen Glaubens aufzuzählen. Dann wird es wohl zu viel und es wiederholt sich nur noch das „ermordet" in einer Endlosschleife. Nach und nach sinken schwarz gekleidete junge Menschen, die sich mitten aus dem Publikum erhoben haben und langsam aber wie getrieben und ängstlich ganz dicht zusammengerückt sind, leblos zu Boden. In der bewegenden Darstellung „Tatenlos" ist es gestern Abend Schülerinnen und Schülern der 8. Jahrgangsstufe der Gesamtschule Friedenstal gelungen, beim Gedenken an die Reichspogromnacht am 9. November 1938, in der auch unter den Augen der Herforder die Synagoge brannte, unmittelbar Mitgefühl zu wecken – mehr als es naturgemäß Reden können, wie sie Bürgermeister Tim Kähler, der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde Matitjahu Kellig und Friedel Böhse vom Kuratorium Erinnern Forschen Gedenken leisten können. Schüler haben mehrere Monate auf den Auftritt hingearbeitet Die jungen Leute verschiedenen Glaubens und verschiedener Herkunft haben mehrere Monate in einem Kurs mit ihrem Lehrer Hauke Peters und mit Renée Claudine Bredt vom Kuratorium als Projekt der Bildungspartnerschaft mit der Gedenkstätte Zellentrakt auf die Veranstaltung in der Synagoge hingearbeitet. Da sie deutlich jünger sind, als Teilnehmer früherer Projekte, musste dem Stoff des Geschichtsunterricht im Bezug auf den Nationalsozialismus und die Judenverfolgung auch durch einen Besuch in der Synagoge vorgegriffen werden. „Es gab da keine Berührungsängste, auch nicht bei den muslimischen Schülern", freute sich Renée Claudine Bredt. „Es ist eine ideale Möglichkeit, Integration zu leben."

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