Hochpreisige Bauten am Bergertor: An diesem exponierten Standort waren einige Projekte geplant gewesen, die jedoch allesamt wieder verworfen wurden. Nun ist das Wohnen am Wehr so gut wie fertig. Doch für die geplante Gastronomie hat sich noch kein geeigneter Betreiber gefunden. - © Frank-Michael Kiel-Steinkamp
Hochpreisige Bauten am Bergertor: An diesem exponierten Standort waren einige Projekte geplant gewesen, die jedoch allesamt wieder verworfen wurden. Nun ist das Wohnen am Wehr so gut wie fertig. Doch für die geplante Gastronomie hat sich noch kein geeigneter Betreiber gefunden. | © Frank-Michael Kiel-Steinkamp

Herford Dem Wohnprojekt am Bergertor fehlt noch das Café

Neubau: Bis auf eine Wohnung sind alle Wohnimmobilien verkauft. Für den Gastronomiebereich von 270 Quadratmetern Nutzfläche sucht die Geno Immobilien noch einen Interessenten

Corina Lass

Herford. Im Mai 2015 haben die Bauarbeiten am Bergertor begonnen. In gut eineinhalb Jahren Bauzeit hat die Gilde Stadtsanierung mit Sitz in Schloß Holte-Stukenbrock dort drei Gebäude errichtet. Gesamtinvestition: 7,5 Millionen Euro. Die Häuser stehen inzwischen, die Arbeiten sind längst beendet. Doch im geplanten Café herrscht noch gähnende Leere. Der Komplex am Bergertor besteht aus einem fünfgeschossigen Gebäude mit aufgesetztem Penthouse zum Kreuzungsbereich hin und zwei dreigeschossigen Gebäuden im hinteren Bereich. Die Häuser beherbergen insgesamt 21 Wohnungen, neun im fünfgeschossigen Gebäude, je sechs in den beiden kleineren Häusern. Bis auf eine Wohnung im mittleren der drei Häuser sind alle verkauft, sagt Andreas Kaup von der Geno Immobilien aus Gütersloh, die in Kooperation mit der Volksbank Herford die Vermarktung übernommen hat. Es handelt sich um eine - je nach Nutzungswunsch - Drei- bis Vier-Zimmer-Wohnung im Erdgeschoss. Und natürlich das Café, das im Erdgeschoss des ersten Gebäudes zur Kreuzung hin einziehen soll. So war es jedenfalls ursprünglich vorgesehen. Es gebe zwei oder drei Interessenten, sagt Kaup. "Bisher hat sich aber noch niemand verbindlich geäußert." Kaup beunruhigt das nicht. Die Wohnungen im gesamten Komplex hätten einen hohen Ausbaustandard, die Café-Räume selbst eine tolle Lage. Deshalb achteten sie darauf, für die Fläche nur einen Käufer zu finden, der auch hinein passt. "Das muss passen, das sind wir den Bewohnern schuldig." Allerdings gibt es die Möglichkeit zu Alternativen: Falls jemand nicht kaufen, sondern langfristig pachten wolle, würden sie einen Kapitalanleger finden, sagt Kaup. Zudem hätten sich Interessenten gemeldet, die das Café gerne als Büro im weiteren Sinne nutzen würden. Falls sie darauf zurückgreifen wollten, müssten sie aber zunächst Gespräche mit der Stadt führen, sagt Kaup. Im gleichen Gebäude hat bereits ein Altenpflegedienst seinen Sitz. Die Räume für das Café haben eine Nutzfläche von 270 Quadratmetern. Da Café-Konzepte sehr individuell sind, werden Einbauten wie eine Küche erst in Absprache mit dem künftigen Nutzer installiert. Kaup geht davon aus, dass sich in den nächsten Wochen ein Nutzer für die Fläche finden wird. Eine kleine Chronik der Vorhaben am Bergertor 2000: Nach fast hundert Jahren schließt die Gaststätte Niemeier an der Werre am Bergertor ihre Tore. 2001: Pläne für den Bau eines Hotels (Mercure) auf der Fläche werden dem städtischen Bauausschuss vorgelegt – und wieder verworfen. Ein anderer Investor will zeitweilig dort ein Ärztehaus bauen. 2004: Der Bauausschuss lehnt Pläne für den Bau eines Altenpflegeheims ab. 2006: Die städtische Wohnungsbaugesellschaft (WWS) ersteigert im Auftrag des Rates Gebäude und Grundstück und plant den Bau exklusiver Eigentumswohnungen. 2009: Der WWS-Aufsichtsrat stoppt das Bauprojekt mangels aktueller Nachfrage. 2011: Pläne für ein Büro-und Wohngebäude mit SB-Markt sowie danach für ein Pflegezentrum mit 120 Plätzen werden vorgestellt – und politisch verworfen. 2013: Die Gilde Stadtsanierung stellt Pläne des Herforder Architekten Carsten Monke für den Bau von etwa 20 Eigentumswohnungen vor und erwirbt das Grundstück. 2014: Die Baugenehmigung wird erteilt und die Baustelle eingerichtet. Ende Januar 2015: Material wird angeliefert, die Arbeiten für das Wohnprojekt beginnen im Mai. 


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