Diskussionsrunde: Sabine Zülka, Christian Dahm, Nikole Scharf, Birgit Tausendfreund, Bertram Schwade - © Foto: Anastasia von Fugler
Diskussionsrunde: Sabine Zülka, Christian Dahm, Nikole Scharf, Birgit Tausendfreund, Bertram Schwade | © Foto: Anastasia von Fugler

Herford Qualität im Offenen Ganztag darf keine Glückssache sein

Grundschule an der Landsberger Straße: Landtagspolitiker Christian Dahm hält sein Versprechen und besucht die Grundschule für ein Austausch-Gespräch zum Thema OGS. Anschließend liest er aus einem Buch anlässlich des Vorlesetages

Anastasia von Fugler

Herford. Es brauchte einige Demonstrationen und viel Geduld bis ihnen jemand wirklich zuhören wollte. Seit März werben Trägereinrichtungen der Offenen Ganztagsschulen (OGS) mit einer Kampagne für bessere Rahmenbedingungen des Offenen Ganztags. Durch Unterfinanzierung und Fachkräftemangel leide die Qualität der Betreuung - so die Kritik. Bei der Demonstration Ende Juni am Münsterkirchplatz in Herford waren geladene, heimischen Landespolitiker nicht erschienen. Und während der Kundgebung Mitte Juli vor dem Landtag in Düsseldorf, kamen zwar wenige Gespräche zustande, aber nicht alle Politiker nahmen sich die Zeit, mit den Demonstranten zu sprechen. Anders Christian Dahm. Er erhielt das Kampagnen-Shirt mit dem OGS-Motto und versprach: "Ich komme vorbei und guck mir das vor Ort an." Gesagt, getan. Gestern stand dann der Besuch der Grundschule an der Landsberger Straße an. Nach der Führung der Schüler durch das schulinterne Kinderparlament und vor dem Vorlesen anlässlich des bundesweiten Vorlesetags, setzte sich der kommunalpolitische Sprecher der SPD-Landesfraktion mit Vertretern der Protestbewegung zu einer Diskussionsrunde zusammen. Mit dabei waren der Bereichsleiter der Evangelischen Jugendhilfe Schweicheln, Bertram Schwade, Träger der OGS, Heilpädagogin Birgit Tausendfreund, Sozialarbeiterin und OGS Plus-Fachkraft Nikole Scharf, OGS-Leiterin Agnes Kimmerle und Schulleiterin Sabine Zülka. Willkür bei der Finanzierung dürfe es nicht mehr geben "Die Problematik im Offenen Ganztag wird immer noch nicht gesehen. Die Schwächen im OGS-Bereich kommen so nicht außen an", sagt Bertram Schwade. Durch die tariflich gebundenen Lohnerhöhungen, seien ihm als Träger die Hände gebunden. Eine gute Betreuung koste Geld. Es ist gesetzlich festgelegt, dass ein Träger des Offenen Ganztags in NRW pro Platz einschließlich der kommunalen Mittel mindestens 1472 Euro pro Jahr bekommt. Dieser Betrag wird durch einen von der Kommune selbst festgelegten Betrag aufgestockt. "Diese Willkür bei der Finanzierung darf es nicht mehr geben", fordert Schwade. Es müsse eine einheitliche Regelung geben, wie viel jede Kommune dazu gibt. Herford läge bei der Zulage im guten Mittelmaß, zwar hinter Hiddenhausen, aber noch vor Bielefeld, so Schwade. Im Fokus der vier Forderungen steht in Folge dessen, die Vereinheitlichung der Finanzierung. "Wir brauchen ein Gesetz, in dem das festgelegt ist. Das Kinderbildungsgesetz reicht nicht aus", stimmt auch Schulleiterin Sabine Zülka zu. Zudem sollen die Bildungschancen durch eine verbindliche Festlegung von Standards für die Ausbildung der Betreuer verbessert werden. "In einigen OGS-Einrichtungen sind die Betreuer nicht einmal pädagogisch ausgebildet", meint der Bereichsleiter. Darunter leiden würden die Erzieher, die Lehrer und hauptsächlich die Schüler.

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