Mittel gegen häusliche Gewalt: Gerlinde Krauß-Kohn (v.l.), Wilhelm Rotthaus, Dagmar Hemicker, Simona Langenberg, Paul Bischof und Kerstin Falk nahmen an der Fachtagung im Klinikum Herford teil. - © Anastasia von Fugler
Mittel gegen häusliche Gewalt: Gerlinde Krauß-Kohn (v.l.), Wilhelm Rotthaus, Dagmar Hemicker, Simona Langenberg, Paul Bischof und Kerstin Falk nahmen an der Fachtagung im Klinikum Herford teil. | © Anastasia von Fugler

Kreis Herford Fachtagung: Wenn Kinder ihre Eltern schlagen

"Häusliche Gewalt gegen Mütter - Gewaltverhalten von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen"

Anastasia von Fugler

Kreis Herford. Was macht man, wenn man von dem eigenen Kind geschlagen wird? Schlägt man zurück? Bleibt man in der Opferrolle? - Viele Gewaltvorfälle finden im kleineren, häuslichen Rahmen statt. Und die Mütter stehen der Thematik hilflos gegenüber. "Oft ist es die Scham und die Bloßstellung des eigenen Versagens, die sie daran hindert, um Hilfe zu bitten", sagt Simona Langenberg, Gleichstellungsbeauftragte des Kreises Herford. Um diese Hemmschwelle herabzusetzen, sei es wichtig das Thema öffentlich und präsenter zu machen, so die Leiterin weiter. Demzufolge lud das Fachforum gegen häusliche Gewalt zu einer Fachtagung in die Konferenzräume des Klinikums Herford ein. "Wir hatten mehr als 100 Anmeldungen und mussten sogar schon Absagen erteilen", sagt Kerstin Falk, Gleichstellungsbeauftragte des Klinikums und Mitorganisatorin. Das zeige die hohe praktische Relevanz des Themas in der täglichen Arbeit. An der Tagung teilgenommen hatten Vertreter aus örtlichen Beratungsstellen, Kindergärten, Schulsozialarbeit, Jugendämtern, Jugendhilfeträgern, Polizei, Staatsanwaltschaft und Behörden. Als Referent sprach Wilhelm Rotthaus über das Phänomen der familiären Gewalt, die von Kindern ausgeht. Der Kinderpsychologe und systemische Familientherapeut ging dabei auf die Fakten, die Hintergründe und die Umgangsmöglichkeiten in der Beratungsarbeit ein. Rotthaus: "Der Bereich ist immer noch ein Tabuthema und kaum beforscht. Oft gehen die Eltern davon aus, dass es nur ihnen so ergeht und sagen es niemandem, aus Angst beschuldigt zu werden." Überproportional häufig träfe es die alleinerziehenden Mütter. Aber der Kreislauf könne nur dann durchbrochen werden, wenn es den Eltern oder größtenteils der Mutter gelänge, sich Unterstützung zu besorgen. "Nach meiner Erfahrung hört das Phänomen des Schlagens dann auf", so der Familientherapeut weiter. Um den Eltern die Chance zu geben, aus dieser Ausgeschlossenheit herauszutreten, sei es zunächst wichtig, für das Thema zu sensibilisieren und miteinander ins Gespräch zu kommen. "Denn nur wenn die Fachleute mit der Thematik vertraut sind, können sie in der Beratung damit umgehen", sagt Langenberg. Eine der unterstützenden Institutionen ist an der Amtshausstraße 4 zu finden. In der Beratungsstelle für Eltern, Jugendliche und Kinder des Kreises Herford erhalten Betroffene die benötigte Hilfe bei der Erziehung. In der anschließenden Diskussionsrunde konnten sich die Fachleute noch über die Hilfs- und Unterstützungsangebote austauschen. "Letztlich ist das Ziel einer solchen Veranstaltung, den Fachleuten Impulse für ihre konkrete Arbeit mitzugeben. Und ich glaube, das ist heute erreicht worden", so Langenberg. Institutionen im Kreis Herford, die weiterhelfen Institutionen und Organisationen des Koordinierungsteams des Fachforums AWO Fachdienst für Migration und Integration Femina vita Mädchenhaus e.V. Frauenhaus Herford e.V. Frauenberatungsstelle Herford/Frauennotruf Trennungs-und Scheidungsberatung im Sozialdienst katholischer Frauen e.V. Herford Beratungsstelle für Eltern, Jugendliche und Kinder des Kreises Gleichstellungsbeauftragten der Städte Enger und Bünde, des Kreises Herford und des Klinikums Jugendamt Herford Evangelische Jugendhilfe Schweicheln Täterarbeit Opferschutzbeauftragte der Polizei Weitere Infos unter: www.fachforum-gegen-
haeusliche-gewalt-im-kreis-herford.de

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