Catwalk: In einem Müllsack gehüllt und mit einer H&M-Tüte in der Hand protestiert dieses Model gegen den Konzern. - © Dennis Bleck
Catwalk: In einem Müllsack gehüllt und mit einer H&M-Tüte in der Hand protestiert dieses Model gegen den Konzern. | © Dennis Bleck

Herford Gewerkschafter kritisieren H&M

In einer bundesweiten Aktion erhebt der Verein Arbeitsunrecht 
schwere Vorwürfe gegen das schwedische Modeunternehmen H & M

Dennis Bleck

Herford. Willkür, Gewerkschaftsfeindlichkeit, Flex-Verträge: Das sind nur einige Beispiele für die Vorwürfe, die der Verein Arbeitsunrecht gegenüber dem schwedischen Modehaus H&M erhebt. Mit einer bundesweiten Aktion machten die Akteure am gestrigen Freitag auf die Missstände innerhalb des Unternehmens aufmerksam. Neben Herford beteiligten sich deutschlandweit 18 andere Städte, darunter Hamburg, Bremen und Köln, an den Protesten. Für die Organisation und Durchführung in der Werrestadt zeigte sich der Verein Roter Punkt OWL verantwortlich. „Wir wollen aufklären und wachrütteln", sagte Bernd Mehrhoff, Vereinsvertreter und Verdi-Bezirksvorstand des Ortsvereins Minden-Lübbecke. Aufmerksamkeit erregte der rote Teppich, den die Beteiligten in der Innenstadt auslegten. Fünf Models, gekleidet in Mülltüten und ausgestattet mit Schildern, die die Vorwürfe an das schwedische Modehaus konkretisierten, trugen in einer Modenschau die „arbeitsrechtlichen Grausamkeiten" zusammen. Mit Inge Höger wirkte auch eine bekannte Lokalpolitikerin mit, die bislang für die Linken den Wahlkreis Herford/Bad Oeynhausen im Bundestag vertreten hat. »H&M ist immer wieder durch schlechte Arbeitsbedingungen aufgefallen« Bereits am 13. Januar starteten die Vereine Arbeitsunrecht und der Rote Punkt OWL eine gemeinsame Protestaktion. Damals ging es gegen die Median-Klinik in Bad Oeynhausen. Sie bekämpften den „Union-Busting-Bazillus" und das „Lohndumping-Virus", also die „Erreger" von Gewerkschaftsbekämpfung und Niedriglöhnen. „Die Protestaktionen finden immer an einem Freitag dem 13. statt", sagte Mehrhoff. Traditionell nutzen die Gewerkschaftler den „Unglücks-Tag", um den Umgang der Konzerne mit Betriebsräten und Gewerkschaften zu kritisieren. „Gegen welches Unternehmen sich der Protest richtet, entscheidet die Bevölkerung", erläuterte Mehrhoff. Auf der Internetseite von Arbeitsunrecht können die Menschen aus drei Vorschlägen auswählen, die zur Abstimmung stehen. „Die Wahl ist nicht zuletzt auf H & M gefallen, weil das Modehaus hierzulande immer wieder durch schlechte Arbeitsbedingungen aufgefallen ist", sagt Verdi-Bezirksgeschäftsführer Hermann Janßen. »Die Arbeitszustände in den Herstellerländern sind mitunter menschenunwürdig« Auch die Arbeitszustände in den Herstellerländern seien mitunter menschenunwürdig: „Wir appellieren daher an die großen Konzerne, sozialen Anforderungen gerecht zu werden." H & M weist auf Medienanfrage alle Vorwürfe von sich. In einer Stellungnahme heißt es: „Wir erschweren keine Betriebsratsarbeit. Es ist auch nicht korrekt, dass wir Betriebsräte zermürben oder diesen juristisch nachstellen. Im Fall von Kündigungen liegen sehr gut begründete Tatschen vor. Nie gab es Kündigungen aufgrund von Gewerkschafts- oder Betriebsratsarbeit und wird es auch nicht geben." Als verantwortungsvoll agierendes Unternehmen habe H & M sowohl die Interessen der Mitarbeiter als auch die betriebswirtschaftlichen Interessen im Blick. Der Konzern setze auf verschiedene Arbeitszeitmodelle: „Der Anteil unserer flexiblen Stundenkräfte liegt dabei in einem gesunden Verhältnis zu den Vollzeitkräften und ist auf verschiedene Faktoren, die bedient werden müssen, zurückzuführen: Öffnungszeiten und Kundenströme haben sich in den letzten Jahren geändert und der Einzelhandel an sich benötigt ein gewisses Maß an Flexibilität."

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