Rückblick: Der Radewiger Herbstmarkt sorgt für lebendiges Treiben auf dem Gänsemarkt. Archivfoto: Sina Wollgramm - © Sina Wollgramm
Rückblick: Der Radewiger Herbstmarkt sorgt für lebendiges Treiben auf dem Gänsemarkt. Archivfoto: Sina Wollgramm | © Sina Wollgramm

Herford ISG Radewig wartet noch auf Fördermittel

Kritik: Vorsitzender Hans Koch klagt über das neue Antragsverfahren. Unterstützung für bereits gelaufene Veranstaltungen stehe noch aus

Christina Römer

Herford. Frühlingsmarkt, Herbstmarkt, Weltkindertag – die großen Veranstaltungen in der Radewig haben bereits stattgefunden. Ob sie von städtischen Einrichtungen finanziell gefördert werden, ist allerdings immer noch unklar. „Wir hängen völlig in der Uhr", ärgert sich Hans Koch, Vorsitzender der ISG (Immobilien- und Standortgemeinschaft) Radewig. Er wisse nicht, ob es überhaupt noch Unterstützung gebe. „Für das nächste Jahr können wir noch nichts planen", sagt Koch. Seit zwei Jahren habe die Stadt ein neues Antragsverfahren. „Vorher haben wir uns an die einzelnen Töchter der Stadt gewendet, Anfang des Jahres unsere Anträge für die geplanten Veranstaltungen gestellt, und innerhalb von vier Wochen etwa hatten wir eine Rückmeldung", erklärt Koch. Nun müssten alle Anträge zentral bei der städtischen Holding, der Herforder Versorgungs- und Verkehrs-Beteiligungs-GmbH (HVV), eingereicht werden. Nicht nur seien die Papierberge hierfür größer geworden, stöhnt Friedel Ahlmeyer von der ISG, es haben sich vor allem die zeitlichen Abläufe geändert. 2016 gab es die Entscheidung erst im Dezember „2016 mussten die Anträge für das laufende Jahr bis Ende Juni gestellt werden, die Entscheidung gab es dann erst im Dezember", schildert Koch. Das habe dazu geführt, dass ein neues Format nicht stattfand. „Wir wollten im September ein Musikfestival auf die Beine stellen, das musste ich absagen." 6000 Euro hätte das gekostet. „Dafür konnte ich nicht in die Vollen gehen." In diesem Jahr mussten die Anträge bis Ende März gestellt werden. Fünf Anträge reichte die ISG Radewig ein. Sie landeten als Beschlussvorlage beim Kulturbeirat der Stadt. Dieser habe Herbst- und Frühlingsmarkt als kommerziell eingestuft und abgelehnt. „Aus kultureller Sicht verstehe ich das sogar", sagt Koch. Wobei die ISG Radewig die Märkte nicht veranstalte, damit viel Geld verdient werde. „Sie sollen das Viertel beleben. Das ist Wirtschaftsförderung", betont der Vereinsvorsitzende. „Nun der nächste Klopper", ärgert sich Koch: Für den Weltkindertag habe der Kulturbeirat theoretisch Fördermittel in Aussicht gestellt. Nur: „Um das Geld zu bekommen, sollen wir Spendenbescheinigungen für 2016 vorlegen." Diese gäbe es aber nur, wenn die ISG Radewig ein gemeinnütziger Verein wäre. „Das ist er aber nie gewesen." Schließlich sei die Immobilien- und Standortgemeinschaft auf Initiative der Stadt in dieser Form gegründet worden. Koch sucht das Gespräch mit den Politikern Die ordnungsgemäße Verwendung der Gelder habe die ISG bereits aufgeschlüsselt. „5000 Euro zahlen wir an die Pro Herford, damit diese den Weltkindertag organisiert", sagt Koch. Die anderen Veranstaltungen liefen ausschließlich durch ehrenamtliches Engagement und mit Mitgliedsbeiträgen. „Ich versuche nun seit einem halben Jahr vergeblich, mit Politikern über den Unsinn des Verfahrens ins Gespräch zu kommen", ärgert sich Koch. Es gebe keine Unterstützung und keine Rückendeckung. Dabei sei in den letzten Jahren so viel bewegt worden, die Radewig habe sich zu einem Viertel mit besonderem Flair entwickelt. „Noch vor sechs Jahren lag das ganze Viertel im Koma", sagt Koch. „Das haben die Politiker scheinbar noch nicht mitbekommen." Die ISG habe nun ihre Satzung überarbeitet, derzeit werde überprüft, ob der Verein gemeinnützig werden könne. „Wenn das nicht klappt, können wir es uns zum Beispiel nicht mehr leisten, 5000 Euro für den Weltkindertag auszugeben", meint Koch.

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