Eröffnung: Herfords stellvertretender Bürgermeister Andreas Rödel gab gestern mit einer kurzen Rede den offiziellen Startschuss für die City-Kirmes. Die Kinder im Hintergrund warten auf ihre erste Fahrt mit dem "Shaker". - © Fabian Herbst
Eröffnung: Herfords stellvertretender Bürgermeister Andreas Rödel gab gestern mit einer kurzen Rede den offiziellen Startschuss für die City-Kirmes. Die Kinder im Hintergrund warten auf ihre erste Fahrt mit dem "Shaker". | © Fabian Herbst

Herford Wie die Schausteller auf der City-Kirmes dem Zeitgeist trotzen

Fabian Herbst

Herford. Früher war alles besser - stimmt. Jedenfalls, soweit dies die Kirmes betrifft. Seit gestern machen die Fahrgeschäfte und Buden auf den Plätzen der Innenstadt Station, denn es ist City-Kirmes. Urgesteine wie Waldo Parpalioni sind immer noch dabei und erinnern sich mit Wehmut an die Hochzeiten des Rummels. "Ja, früher war richtig was los, da kam die halbe Stadt auf den Rummel", sagt der mittlerweile 86-Jährige. Parpalioni begann in den 1950er Jahren als Schausteller. Zu dieser Zeit war das Gewerbe noch ein anderes. "Damals trugen Männer Hüte, es gab keine LED-Lichter", sagt Parpalioni. "Jeder fragte, was es für neue Schallplatten gibt", erinnert er sich. Die Fahrgeschäfte seien damals eine beliebte Möglichkeit gewesen, die neueste Musik zu hören. Die Menschen hätten sich in der Nachkriegszeit an den Losbuden nur für "Fresskörbe" interessiert. Heutzutage würde nur auf Markenware Wert gelegt. "Die Jugendlichen kamen damals, um beim Aufbauen zu gucken. Oftmals haben sie mitgeholfen. Das ist heute undenkbar", sagt Parpalioni. Das Kirmesgeschäft hat sich verändert. Das Interesse am Rummel ist gesunken. "Heutzutage sitzen die Leute lieber zu Hause vor dem Fernseher", sagt Parpalioni. Auf der Kirmes finden Besucher oft die gleichen Fahrgeschäfte und Gastro-Stände vor, wie in den Jahren zuvor. "Jahrmärkte werden noch angenommen, aber die Besucher müssen immer wieder aufs Neue mit Attraktionen gelockt werden", sagt der Schausteller-Senior. So galt der Autoscooter vor 30 Jahren als Neuheit und modern. Heute hat er Konkurrenz bekommen durch die topaktuellen Virtual-Reality-Brillen. Neue Attraktionen sind nicht billig, verlangen hohe Investitionen. Das weiß auch Dirk Küchenmeister, der seit vielen Jahren mit seinen Fahrgeschäften auf der Herforder Kirmes vertreten ist: "Für einen neuen Autoscooter muss man aktuell eine Million Euro hinlegen", sagt er. Bei größeren Fahrgeschäften sind es bis zu drei Millionen Euro. Viele Schausteller bewegen sich auf einem schmalen Grat - wer nicht investiert, geht unter. Wer falsch investiert auch. Nach Aussagen von Küchenmeister und Parpalioni tendiert der Gewinn am Ende des Jahres gegen Null. Laut Küchenmeister sind die Aufwendungen in den vergangenen zehn Jahren beständig gestiegen. Seien es die Gebühren für den Stellplatz, Kosten für Wohnwagen, Treibstoff oder Personal. "Vom reinen Kirmesgeschäft kann heute keiner mehr leben", sagt Küchenmeister. Viele der Schausteller sind deshalb das ganze Jahr über auf Schützenfesten, Oktoberfesten und Weihnachtsmärkten unterwegs. Dennoch sind die Schausteller nach Ansicht Parpalionis zufrieden. Dass dem Senior sein Leben als Schausteller gefällt, hat seinen Grund: "Am meisten liebe ich daran, dass ich so viele Menschen kennenlerne". Besonders glücklich macht ihn, wenn er Kindern ein Lächeln ins Gesicht zaubern kann.

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