Schnitt: Herfords Bürgermeister Tim Kähler (r.) und Bauausschuss-Vorsitzender Werner Seeger eröffnen die Bäckerstraße, die mit ISEK-Mitteln saniert wurde. - © Friderieke Schulz
Schnitt: Herfords Bürgermeister Tim Kähler (r.) und Bauausschuss-Vorsitzender Werner Seeger eröffnen die Bäckerstraße, die mit ISEK-Mitteln saniert wurde. | © Friderieke Schulz

Kreis Herford Wo Städte und Gemeinden im Kreis dank Fördermittel investieren können

Kreis Herford. Um die Innenstädte zu modernisieren und aufzuwerten nutzen die Kommunen im Kreis Herford Fördermittel von Land und Bund. Voraussetzung für die Beantragung solcher Städtebaumittel sind integrierte städtebauliche Entwicklungskonzepte (ISEK). Nach einer Definition des Bundesumwelt- und -bauministeriums, zeigt ein ISEK Problembereiche für einen konkreten Teilraum auf und bearbeitet sie ergebnis-orientiert - unter Berücksichtigung von regionalen und gesamtstädtische Rahmenbedingungen.Die Städte und Gemeinden im Kreis haben in sehr unterschiedlichem Umfang diese Konzepte erstellt, um Fördergelder für die Stadtentwicklung in Anspruch zu nehmen. Ein Überblick: BÜNDE Die Stadt Bünde ist noch in der Planungsphase. Aktuell werden die Bürger eingebunden und nach ihren Ideen gefragt. In dieser Woche sind rund 40 Interessierte zusammengekommen, um sich auszutauschen und über mögliche Vorhaben zu diskutieren. Klar ist: Die Stadt will die Fördergelder nicht verfallen lassen, sondern investieren in den kommenden Jahren. Profitieren soll unter anderem die Bahnhofstraße in der Innenstadt, die aufgewertet werden soll. Auch die Else und die angrenzenden Uferbereiche sind ein Alleinstellungsmerkmal Bündes, das man intensiver nutzen möchte als bisher. Überlegungen laufen zudem zu nicht mehr genutzten Wohnungen und Häusern der britischen Streitkräfte im Stadtteil Hunnebrock. Hier warten zahlreiche Flächen und Gebäude auf eine neue Nutzung. Bis zum Ende des Jahres sollen die Planungen abgeschlossen und die Förderanträge gestellt sein. ENGER Die ISEK-Gesamtausgaben summieren sich in Enger derzeit auf gut 1,75 Millionen Euro. Der Anteil der Stadt liegt dabei bei 30 Prozent. Die Neugestaltung der Bielefelder Straße hat inklusive Planung und Umsetzung 750.000 Euro gekostet. Parallel dazu wurde das Umfeld der Gerberei neu gestaltet: Kosten 510.000 Euro. Drittgrößter Posten in der Auflistung ist die energetische Sanierung des Rathausaltbaues: 345.000 Euro. Zudem wurde noch der Barmeierplatz inmitten der Stadt für 86.000 Euro aufgewertet. Die Erstellung des ISEK schlägt mit 19.000 Euro, das Forum Stadterneuerung mit 16.000 Euro und der Posten Profilierung und Standortaufwertung - quasi Zuschüsse zur Verschönerung privater Grundstücke und Häuser - mit 8.700 Euro zu Buche. Aus dem Verfügungsfond mit Projekten wie neuen Fahrradbügeln in der Stadt oder Fitnessgeräten in der Maiwiese wurden 5.500 Euro investiert. HERFORD Bürgermeister Tim Kähler wünscht sich, dass Herford die schönste Innenstadt in OWL bekommt. Um das schon in der Planung deutlich zu machen, wurde aus dem Integrierten Städtebaulichen Entwicklungskonzept der Masterplan Innenstadt. 2012 brachte der Rat das ISEK auf den Weg. Das Ziel: Fußgängerzonen und Plätze in der Stadt sollen aufgewertet, die Anbindung zwischen Marta, Innenstadt und Radewig verbessert, Wall und Flussufer attraktiver werden. 2015 wurde das ISEK dann als Masterplan Innenstadt fortgeschrieben. Das Programm des Masterplans umfasst eine Gesamtsumme von 14,38 Millionen Euro. Die Umsetzung ist bis 2020 geplant. Bereits mit ISEK-Mitteln saniert wurde die Bäckerstraße. Nach der Fertigstellung 2015 habe der Leerstand abgenommen, so die Bilanz der Bauverwaltung. Auch die Lübberstraße wurde neu gestaltet. Als nächstes sollen Höckerstraße und Gehrenberg in Angriff genommen werden, wo derzeit bereits die Bagger im Einsatz sind, um an Stelle des Kaufhofs ein neues Einkaufszentrum zu errichten. Die Neugestaltung des Neuen Markts ist in Planung, ebenso wie die Aufwertung der Verbindungsachse zwischen dem Museum Marta und der Innenstadt. Auch die Neugestaltung des Wallrings war in beiden Konzepten ein wichtiges Ziel. Ein weiterer wichtiger Baustein, der die Innenstadt attraktiver machen soll, ist das Fassadenprogramm, durch das private Immobilienbesitzer mit finanzieller Hilfe ihre Gebäude in Schuss bringen können. HIDDENHAUSEN Die Gemeinde plant in den kommenden drei Jahren mit einer Investitionssumme von 1,3 Millionen Euro. 60 Prozent davon sind Fördermittel des Landes. Das Geld fließt in zwei Projekte. Im naächsten Jahr wird zunächst der Quartiersplatz Eilhausen aufgehübscht. Er ist Teil des Schulhofes der Grundschule Eilshausen. Dort finden regelmäßig kleine Konzerte statt, ebenso ein Kartoffelmarkt und der Advents- und Weihnachtsmarkt. Der Platz soll unter anderem behinderten- und seniorengerecht ausgebaut und auch erweitert werden. Die Arbeiten gehen in den Sommerferien 2018 über die Bühne. Als zweite ISEK-Maßnahme ist in Hiddenhausen-Schweicheln ein Zugang zur Werre geplant. Nach Auskunft der Gemeinde sind die Fördermittel dafür beim Land angefragt, und es bestehen gute Aussichten für eine Zuteilung. Die sogenannte "Werre-achse" führt laut Planung vom Ortskern Schweicheln auf relativ geradem Wege - einer Art Allee - an die Werre, wo ein Gemeinschaftsplatz und ein Treffpunkt für Jung und Alt entstehen sollen. Die genaue Ausgestaltung ist noch in Planung. Im Jahr 2020 sollen die Arbeiten an der "Werreachse" beginnen. KIRCHLENGERN Im Juni erhielt die Gemeinde Kirchlengern den Bewilligungsbescheid für ISEK-Fördermittel in Höhe von 1,45 Millionen Euro. Die größten Projekte, die mit den Fördergeldern finanziert werden sollen, sind die energetischen Sanierungen der Sporthallen der Erich-Kästner-Gesamtschule sowie der Grundschule Stift Quernheim. "Der Fördersatz beträgt 50 Prozent. Das heißt, die Gemeinde wird noch einmal mindestens dieselbe Summe beisteuern", erklärt Bürgermeister Rüdiger Meier. Ein weiterer Teil, nämlich 36.800 Euro, soll aus den Fördermitteln für die energetische Sanierung des Jugendzentrums Kirchlengern aufgewendet werden. Weitere Projekte sind der städtebauliche Wettbewerb Lübbecker Straße/Rathausplatz und das Projekt "barrierefreies Zentrum Kirchlengern". LÖHNE Die Stadt hat vor kurzem die Förderbescheide für die Planungen in der Innenstadt bekommen. 321.000 Euro stehen zunächst dafür zur Verfügung. Viele Bürger haben sich an dem Prozess beteiligt. Auch ihre Wünsche sollen jetzt konkret umgesetzt werden. Unter anderem geht es um eine bessere Anbindung der Werre ans Stadtzentrum. Bisher ist der Fluss, der mitten durch die Stadt fließt, zum größten Teil zugewachsen. Teil des ISEK ist auch der Löhner Bahnhof. Für ihn wird jetzt der Sanierungsbedarf ermittelt. Ein Verein macht sich schon seit Jahren Gedanken um die Zukunft des Gebäudes, für das sich die Stadt das Vorkaufsrecht gesichert hat. SPENGE Großes hat die Stadt Spenge in Sachen ISEK vor: 953.000 Euro wird sie einsetzen um den nördlichen Bereich an der Gesamtschule/Jugendzentrum Charlottenburg in Schuss zu bringen. Zum Gesamtkonzept gehören Fußwege, Grünflächen und die Umgestaltung des Bolzplatzes in ein Multifunktionsfeld. Für das Haus- und Hofflächenprogramm und den Verfügungsfonds sind 75.700 und 60.000 Euro beantragt; fürs Innenstadtmanagement sind 80.000 Euro und für die Öffentlichkeitsbeteiligung 70.000 Euro geplant. Bereits abgeschlossen sind die Erarbeitung des ISEK und das Verkehrs- und Mobilitätskonzept. Kosten: 50.000 und 70.000 Euro. Derzeit wird der Antrag für die Umgestaltung des Blücherplatzes vorbereitet. Volumen: 913.000 Euro. RÖDINGHAUSEN Die Gemeinde Rödinghausen möchte den Dorfplatz im Ortsteil Westkilver neu gestalten. Das ist ein Ergebnis des Dorfinnenentwicklungskonzeptes, welches Bürger und Gemeinde gemeinsam entwickelt haben. Vor dem Kirchcafé soll eine Terrasse geschaffen werden, die Straße erhält in einem Abschnitt einen neuen Belag und wird durch Sandsteinsäulen verengt, um den Verkehr zu verlangsamen. Ein Wasserspiel, Bäume und Bänke werden den Platz bereichern. Die Kosten betragen 438.000 Euro, davon übernimmt die Kirchengemeinde 120.700 Euro. 173.300 Euro würde bei einem positiven Bescheid das Land übernehmen, das sind 65 Prozent der Nettobaukosten. Die Gemeinde rechnet mit einem Baubeginn im März/April 2018, fertig sein soll alles im Juli 2018. VLOTHO Die Stadt Vlotho ist Vorreiter im Kreis Herford: Bereits 2010 beschloss der Rat der Stadt die Umsetzung eines integrierten städtebaulichen Handlungskonzepts. Dieses galt zunächst bis 2017 und wurde nun bis 2021 fortgeschrieben. "Wir haben eine Vielzahl von Maßnahmen gemacht", sagt Michael Fißmer von der Stabsstelle Stadtentwicklung der Stadt. Als größere Bauprojekte zählt er die Umgestaltung von Innenstadtplätzen auf, Fassadensanierungen und die Umwandlung des historischen Gartens von Haus Malz in eine öffentliche Grünanlage. In Planung sei nun zum Beispiel die barrierefreie Sanierung der oberen Lange Straße. "Eine Besonderheit ist der Verfügungsfonds", erläutert Fißmer. Er ermöglicht jedem Bürger Anträge auf Gelder zu stellen, die öffentlich eingeworben und dann mit ISEK-Mitteln verdoppelt werden. Der Fonds soll Maßnahmen fördern, die zur positiven Entwicklung in der Innenstadt beitragen. Seit 2011 konnten so etwa 25 Projekte umgesetzt werden. Darunter sind Verschönerungen wie die Bepflanzung von Blumenkübeln, aber auch Aktionen wie Kunstausstellungen oder eine Kinderprojektwoche. Die eingeworbenen Gelder kommen von Privatleuten und von Firmen.

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