Das wünscht sich jede Kommune: Die Herforder Innenstadt war beim verkaufsoffenen Sonntag, der mit dem Radewiger Frühlingsmarkt garniert war, proppenvoll. Im Hintergrund ist das Baustellenmaskottchen Paul Pömpel zu sehen. - © Peter Steinert
Das wünscht sich jede Kommune: Die Herforder Innenstadt war beim verkaufsoffenen Sonntag, der mit dem Radewiger Frühlingsmarkt garniert war, proppenvoll. Im Hintergrund ist das Baustellenmaskottchen Paul Pömpel zu sehen. | © Peter Steinert

Herford Wie die Innenstadt Menschen anlockt

Wandel im Handel: Ein guter Sortimentsmix reicht für eine belebte Innenstadt nicht mehr aus. Die Aufenthaltsqualität im Zentrum und die Verbundenheit der Menschen sind ebenso wichtig

Corina Lass

Herford. Welche Kommune will nicht ihre Innenstadt beleben, Kaufkraft aus dem Umland anziehen und nach Möglichkeit mit ihren Angeboten so attraktiv sein, dass die Leute wiederkommen? Herford setzt an vielen Punkten an. Akteure sind neben der Stadt auch der Handel und die Hauseigentümer. Nur wenn alle mitwirken, ist das Projekt erfolgreich, meinen die Beteiligten. 1.Eine der wichtigsten Maßnahmen ist die Sanierung der Einkaufsstraßen und innerstädtischen Plätze. Dazu gehören die Erneuerung von Bäcker- und Lübberstraße, des Gehrenbergs und des Vorplatzes zum neuen Altstadtzentrum auf dem früheren Kaufhofareal. Das Land hat die Förderfähigkeit all dieser Projekte im Grundsatz mehrfach bestätigt, erst mit dem ISEK (Integriertes städtebauliches Entwicklungskonzept), später mit dem Masterplan Innenstadt. Die Konzepte und Pläne folgen dem Gedanken, dass jede Einzelmaßnahmen Teil eines übergeordneten Plans ist. Herford denkt insofern groß. 2.Es gibt wohl keinen Fördertopf in Bund und Land, den die Verwaltung nicht auf seine Tauglichkeit für die Stadt überprüft. So kam sie unter anderem an die Bundesfördermittel für die Sanierung der Markthalle in Höhe von 3,2 Millionen Euro aus dem Programm Nationale Projekte des Städtebaus. Die Menschen sollen sich gerne in der Innenstadt aufhalten 3.Herford bemüht sich, die Attraktivität der Innenstadt zu erhöhen, damit die Menschen sich gerne dort aufhalten. Das ist vor dem Hintergrund wichtig, dass viel Kaufkraft in den Online-Handel fließt und es allein nicht mehr reicht, Geschäfte mit einem guten Sortimentsmix in der Stadt zu haben. Die Verwaltung ist daher darum bemüht, Orte mit Anziehungskraft zu schaffen und diese fußläufig zu verbinden. Ein Beispiel: Die Stadt plant, das Marta, selbst architektonisch und kulturell von hoher Anziehungskraft, über Schiller- und Arndtstraße besser als bisher an die Innenstadt anzubinden. An der Münsterkirche, einem der Achsenendpunkte, wird sie zudem in naher Zukunft mit dem Archäologischen Fenster eine weitere Attraktion haben. Und auf der Achse vom Marta zum Münster soll der Wilhelmsplatz zwei neue Zugänge zum Wasser, zur Aa und zur Werre, verbinden. Denn auch das ist Teil des Stadtentwicklungskonzeptes: Die Gewässer in der Stadt, die naturgemäß für Menschen eine hohe Anziehungskraft haben, zugänglich zu machen. Die Beteiligung der Menschen an Projekten erhöht ihre Verbundenheit mit der Stadt 4.Bei der Umgestaltung von Straßen und Plätzen wirken in Herford die Bürger mit. Die Beteiligung erhöht die Verbundenheit der Menschen mit der Stadt. Hervorragend hat das schon vor Jahren beim Linnenbauerplatz geklappt: Mit den einzelnen Bereichen haben die Planer den Wünschen der verschiedenen Altersgruppen entsprochen. Deshalb gibt es dort eine Spielfläche mit Wasser für kleine Kinder, Bänke für die Eltern, eine Kletterwand für die größeren Kinder und eine Sitzecke am Wasser für die ältere Generation. 5.Auch die Immobilieneigentümer sind gefordert: Mit dem Fassadenprogramm, das Teil des ISEK-Förderprogramms ist, versucht die Stadt, es ihnen leicht zu machen, sich zu beteiligen. Seit 2013 gibt es die Förderung. Viele Eigentümer haben sie seither in Anspruch genommen. Der Innenstadtverein setzt seine Aktivitäten auf die Baumaßnahmen der Stadt auf 6. Der Innenstadtverein ist räumlich und thematisch auf die Innenstadt fokussiert. Mit seinen Aktivitäten setzt der Verein auf das, was die Bautätigkeiten der Stadt bewirken und knüpft an das an, was die Menschen bewegt. Dazu gehört, dass er die Fassaden der Abriss-Gebäude am Gehrenberg gestaltete, um einen optischen Reiz zu setzen, so Vorstandsvorsitzender Frank Hölscher. Räume im Erdgeschoss nutzte der Verein nach dem Auszug der Ladenbetreiber, um sich zu präsentieren, die Wünsche der Herforder zu erfragen und neue Mitglieder zu werben. Zudem besitzt der Verein eine Handy-Ladestation, die derzeit in der Touristen-Info am Linnenbauerplatz stationiert ist. Wer ein leeres Handy hat, kann es zum Aufladen dort einschließen. Eine weitere Ladestation hat die Sparkasse für ihre Hauptfiliale Auf der Freiheit gekauft. Der Verein setzt Impulse für die Stadtentwicklung, indem er sich beispielsweise um eine neue Beleuchtung für die Tunnelzugänge zur Innenstadt bemüht. Den 15-jährigen YouTuber Bastian Niemeier hat er im Film zeigen lassen, wo Jugendliche in der Stadt finden, was sie suchen. Zu sehen ist der Film auf der vereinseigenen Facebook-Seite www.facebook.com/inherford. Paul Pömpel wirbt angesichts vieler Bauprojekte in der Stadt um Geduld 7.Die städtische Marketingagentur Pro Herford unterstützt hingegen den Handel in unterschiedlicher Form. Bei sechs langen Donnerstagen und vier verkaufsoffenen Sonntage in diesem Jahr bringt sie die Akteure in der Stadt zusammen und begleitet die Veranstaltungen unter anderem mit Musik, Straßentheater und einem Street-Food-Market. Gleiches gilt für diverse Feste, darunter das Hoekerfest, das Weihnachtslicht und die City-Kirmes. Beim Tag der Städtebauförderung unterstützt die Pro Herford die Stadt darin darzustellen, was städtebaulich in Herford passiert. Dazu hat sie Paul Pömpel etabliert, das Baustellen-Maskottchen, das für Geduld bei Baustellendreck und -lärm wirbt. Auch die Führungen über die Baustelle auf dem früheren Kaufhofareal gehen auf ihre Kappe. Derzeit ist sie auch mit einem City-Management befasst: Die Fördermittel sind bewilligt, die Ausschreibung für ein externes Büro läuft. Drei Jahre lang soll es unter anderem die Strukturanalyse machen, ein Standortprofil entwickeln, das Leerstandsmanagement professionalisieren und die Kontakte zu Netzwerken enger knüpfen. Bei Geschäftsleerständen hat die Pro Herford bisher schon etliche Male für eine Zwischennutzung gesorgt: Mal hat sie die Historie des Kaufhof-Areals im Schaufenster aufbereitet, mal - mit dem Einverständnis der Eigentümer - die Geschäftsräume mehreren Künstlern als Ausstellungsfläche überlassen.

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