Samtweich: Nils Landgren spielt mit seiner Posaune fein abgestimmte Melodienbögen, die wie gemacht sind für die Interpretation der melancholischen Popsongs, die der Schwede auch singt. Fotos: ralf bittner - © ralf bittner
Samtweich: Nils Landgren spielt mit seiner Posaune fein abgestimmte Melodienbögen, die wie gemacht sind für die Interpretation der melancholischen Popsongs, die der Schwede auch singt. Fotos: ralf bittner | © ralf bittner

Herford Musiker des Jazzlabels ACT überzeugen im Marta

Landgren, Wollny, Danielsson: Mit einem Konzert der drei Ausnahmemusiker im ausverkauften Marta geht das Festwochenende zum 25. Geburtstag des Jazzlabels ACT im Marta samtweich zu Ende

Ralf Bittner

Herford. Samtweich schmeicheln sich mal die rote Posaune, mal der brüchige Tenor Nils Landgrens bei "Get here" in die Ohren der Zuhörer im Marta. Begleitet wird der Schwede bei dem schon lange ausverkauften Konzert von Michael Wollny am Klavier und Lars Danielsson am Kontrabass. Eröffnet hatte das Trio das Konzert mit einem Blues. "Das ist einfach", sagt Landgren, und stapelt tief. Denn egal wie einfach die Stücke sind, die drei erweisen sich als Meister an ihren Instrumenten - solo und im Zusammenspiel, dem jederzeit anzumerken ist, dass die drei Musiker des Jazzlabels ACT nicht zum ersten Mal gemeinsam auf der Bühne stehen. Landgren, vielen durch seinen "Funk Unit" bekannt, hat zunehmend die Interpretation von Popsongs für sich entdeckt, für Ausflüge ins Reich der Improvisationen sind an diesem Abend Wollny und Danielsson zuständig, denen beiden ihr Instrument nicht reicht. Danielsson nutzt den Korpus seines Kontrabasses gelegentlich für Percussioneinlagen, Wollny zeigt wie fragil ein Flügel klingen kann, als Landgren Stings "Fragile" interpretiert. Im Korpus stehen Weingläser Hell wie ein etwas schräbbeliges Spinett klingt der Flügel, ohne dass die Zuschauer jemals das Gefühl hätten, dass Wollny das, was er da treibt, nicht in jedem Augenblick unter Kontrolle hätte. Sein Geheimnis: Auf den Saiten im Korpus stehen zwei Weingläser, die für den zerbrechlichen Sound des eigentlich wuchtigen Instrumentes sorgen. Fragiler kann "fragile" kaum klingen. Fast scheint es, der Pianist müsste sich zu den leisen Tönen zwingen, denn er spielt mit vollem Körpereinsatz. Mal verschwindet er fast in seinem Instrument, mal streichelt er die Tasten, dann steht er auf, schlägt und zupft die Saiten im Korpus des Instruments. Wenn das Trio seine Instrumentalstücke anstimmt, funktioniert der Wechsel von Soli und Ensemblespiel, von Intensität und Takt und Rhythmen perfekt. Über die Breite der Bühne hinweg halten sich Wollny und Danielsson im Blick, spielen sich die Bälle zu, und Landgren zaubert warme Melodienbögen darüber. Dann tritt er zur Seite und lässt sich von dem, was seine Label-Kollegen treiben, verzaubern, um am Ende mit der Posaune einen Kuss in den Saal zu schnalzen. Intensives und stimmiges Konzert Alle drei gehören seit Jahren zum ACT-Label, kennen sich von Plattenaufnahmen und Konzerten. Mit einem intensiven und stimmigen Konzert endet die dreitägige Konzertreihe, mit denen das Labels ACT seinen 25. und der Verein Musik Kontor Herford seinen 5. Geburtstag feiern. Die Zuschauer erklatschen sich zwei Zugaben. Eine davon ist "Come together". Der Song bietet dem Trio die Gelegenheit zu beweisen, dass auch ein Jazztrio ordentlich Druck und Tempo machen kann. Spätestens jetzt hält es niemanden mehr auf seinem Stuhl, und die zweite Zugabe "If we meet again" ist ein Versprechen, das die Musiker schon beim Signieren von CDs und Plattencovern einlösen. Einige Fans wird der Posaunist sicher schon am 22. Oktober im Schiller beim Musik Kontor wiedersehen. Dann steht der Mann mit der roten Posaune dort mit seiner "Funk Unit" auf der Bühne.

realisiert durch evolver group