Legendär: Die Hauptschule Meierfeld ist schon zu erkennen. Das dunkle Dach darunter gehörte zum ehemaligen Kino „Die Scala“, in dem später der „Jaguar-Club“ für Furore sorgte. - © Foto: Freie Presse (Möller)
Legendär: Die Hauptschule Meierfeld ist schon zu erkennen. Das dunkle Dach darunter gehörte zum ehemaligen Kino „Die Scala“, in dem später der „Jaguar-Club“ für Furore sorgte. | © Foto: Freie Presse (Möller)

Herford Auflösung: Unser Luftbild zeigt die "Scala"

Ehemaliges Kino und später Veranstaltungsort für Konzerte diverser später weltberühmter Musikgruppen

Peter Steinert
Frank-Michael Kiel-Steinkamp

Herford. Ein Luftbild weckt wohlige Erinnerungen. Erinnerungen an die „Scala" und den „Jaguar-Club". Erinnerungen an einen Konzert-Saal, in dem sich die Großen der damaligen Musikszene die Klinke in die Hand gaben. Heiner Horst: „Das gesuchte Gebäude ist natürlich die „Scala". Ehemaliges Kino und später Veranstaltungsort für Konzerte diverser teils später weltberühmter Musikgruppen. Ich selbst hatte das Vergnügen Jimi Hendrix dort zu erleben, des weiteren The Who, Love Affair, Gun, Uriah Heep und viele andere. Da ich zu der Zeit erst 14 oder 15 Jahre alt war, war es immer aufregend ob man eingelassen wurde und gegen 22 Uhr gab es regelmäßige Jugendkontrollen. Im Zweifel hieß es abhauen durchs Toilettenfenster. Das Geld reichte meistens nur für den Eintritt und ein großes Alster, an dem man sich den ganzen Abend festhielt. Häufig „parkte" ich mein Fahrrad in den Büschen der Zwichte, welche die Bismarckstraße mit dem Weg zur Scala verband. Hier konnte man sich auch noch mal umziehen, damit man standesgemäß für die „Scala" angezogen war, denn meine Eltern gingen davon aus, das ich zum Beatabend in der Tanzschule Römkens sei. Nur die Scala war natürlich viel cooler . . ." Rolf Westerhold: „Das gesuchte Gebäude ist die Scala. Wir wohnten damals in der Robert-Koch-Straße die links im Bild zu sehen ist. Das wild bewachsene Grundstück der „Scala" war unser Lieblingsspielplatz, Bäume zum Klettern, versteckte Ecken zum Feuerchen machen und leckere Birnen, Mirabellen und Kirschen, von denen wir gerne und viel genascht haben. Oberhalb der „Scala" die Hauptschule Meierfeld und darüber die Firma Kaufmann." In den 60er Jahren mutierte das Kino zum Jaguar-Club Angela Schmalhorst: „Das Gebäude zwischen den Bäumen war das Kino „Scala". Dort haben wir mit Freundinnen mit 12 Jahren den Film „Ben Hur" gesehen. Später der Jaguar Club. Alle Rockgrößen der damaligen Zeit außer den „Beatles" und „ Stones" sind aufgetreten. Große Bühne für und in Herford. Ganz oben rechts im Bild das Haus, indem ich aufwuchs. Die Musik von dort erreichte mich und ich konnte oder durfte manchmal nicht hingehen. Lothar Panhorst: „Dort, wo heute ein Ascheplatz als Sportplatz der Schule dient stand in den 40er und 50er Jahren das Kino „Stella". In den 60er Jahren mutierte das stillgelegte Kino zum über die Grenzen Ostwestfalens hinaus bekannten Jaguar-Club." Detlev Piekenbrock: „Ins Auge springt die Schule Meierfeld im Bereich der Bismarkstraße. Und bei dem Gebäude zwischen den Bäumen handelt es sich um das alte Kino „Stella", später „Scala", das dann dank der unvergessenen Carola Frauli, die erst vor kurzem verstorben ist, zum „Jaguar-Club" umfunktioniert wurde, wo dann wirklich die Größen der Popszene auftraten! Die Scala hatte für mich große Bedeutung, denn da kam ich damals schon mit 15(!) in Filme rein, die erst ab 18 waren." Rita Frentrup: Es handelt sich um die „Scala", später „Jaguar-Club" Der Jaguar Club bestand von 1966 bis 1970. Carola Frauli hat es geschafft, alle angesagten Beat-und Rockbands der damaligen Zeit nach Herford zu holen. Nachdem die Ära Jaguar-Club 1970 sein Ende fand, hat noch mal eine kleine Gruppe Herforder Fans versucht, die Diskothek zu neuem Leben zu erwecken und der erste Musiker, der auftreten sollte, war Udo Lindenberg mit dem Panik Orchester und der sagte auf der Bühne, nachdem er all die Namen der Stars gelesen hatte, die sich auf der Tapete in der Garderobe verewigt hatten: „Ich stehe hier ja auf heiligen Brettern." 1982 wurde das Gebäude abgebrochen Klaus-Dieter Stork: „Bei dem Gebäude zwischen den Bäumen handelt es sich um das ehemalige Kino „Scala" . Später wurde es als Veranstaltungsort für den Herforder Jaguar-Club unter dem Management der unvergessenen Carola Frauli bekannt. Nach der Schulzeit gründeten ihre beiden Söhne Axel und Harald 1964 eine Beat-Band, die „Jaguars". Sie traten zunächst im Schützenhof in Herford auf und organisierten dort auch Konzerte für andere Bands. Nachdem der Pachtvertrag abgelaufen war, bot sich Anfang 1966 das ehemalige Kino „Scala" an der Mindener Straße 38 als neuer Veranstaltungsort für Rockkonzerte an. Der Herforder Jaguar-Club erlangte überregionale Berühmtheit nach dem Hamburger Star-Club. Bis 1981 konnte sich dieser legendäre Spielort für Rockkonzerte hier halten. Nach der Schließung wurde im Januar 1982 das Gebäude abgebrochen und das Gelände für eine Erweiterung des Sportplatzes für die Hauptschule Meierfeld gebraucht. Auf dem Bild ist oberhalb des Scala-Gebäudes der Schulneubau zu sehen. Aber auch die Hauptschule Meierfeld ist wohl ein Auslaufmodell. Es werden dort keine neuen Klassen mehr gebildet." Ulrich Stille: „In der neuen Hauptschule Meierfeld in der Bildmitte wurde ab 1962 fleißig gelernt; da existierte aber schon ab 1952 in dem Gebäude rechts zwischen den Bäumen seit zehn Jahren das Scala-Kino, wo wir nicht nur manchmal mit der Schule Kinobesuche machten, sondern auch schon mal Klassentreffen veranstalteten oder zur Disco gingen. Erst richtig aber begann hier die große Zeit mit dem Jaguar-Club, dem Beat-Club von Carola Frauli. Ihre Söhne, Axel, ein Mitschüler von mir, und Harald hatten nach ihrer Schulzeit mit Freunden 1964 als „Jaguars" eine Beatband gegründet , die zunächst noch im Schützenhof auftrat. Nach zwei Jahren löste sich die Band aber auf und fand in den „Rags", einer Herforder Band, würdige Nachfolger, die nun im Jaguar-Club, dem ehemaligen Kino, für heißen Beat sorgten. Bei den „Rags" blieb es aber nicht, denn in den folgenden Jahren gastierten fast alle nationalen und internationalen Beat-Größen. Selbst ein Auftritt von Mick Jagger mit den Rolling Stones war eingeplant. Leider wurde die Gruppe dann wieder ausgeladen, da bei ihrem Auftritt kurz zuvor in Berlin die Waldbühne „zerlegt" worden war."

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