Kranzniederlegung: Rund 50 Bürger und Politiker gedachten dem Schicksal des in Dortmund hingerichteten Heiko Ploegers. - © Foto: JWL
Kranzniederlegung: Rund 50 Bürger und Politiker gedachten dem Schicksal des in Dortmund hingerichteten Heiko Ploegers. | © Foto: JWL

Herford Gedenkfeier: Heiko Ploeger wurde umgebracht, weil er heimlich Radio hörte

Kranzniederlegung: Am Todestag des Arbeiters erinnern Herforder Bürger an seinem Grab an dessen Widerstand gegen das NS-Regime

Herford (jwl). Er hat seinen Mut, gegen die faschistische Diktatur etwas in seinem ganz persönlichen Umfeld zu unternehmen und so Widerstand zu leisten, mit seinem Leben bezahlt: Der Herforder Heiko Ploeger wurde von den Nazis 1944 hingerichtet - sein Vergehen aus Sicht des NS-Regimes: Er hatte einen ausländischen Radiosender gehört. Dass Ploegers Schicksal nicht in Vergessenheit gerät, ist auf die Arbeit von DGB, Arbeit und Leben und dem Kuratorium Erinnern, Forschen, Gedenken zurückzuführen. Gestern gedachten sie gemeinsam mit Herforder Bürgern und Kommunalpolitikern - zusammen mit Schülern der Gesamtschule Friedenstal - mit einer Kranzniederlegung Ploeger an dessen Grab auf dem Ewigen Frieden. Friedel Böhse, DGB-Vorsitzender im Kreis, verdeutlichte den ganz unterschiedlichen Umgang mit Tätern und Opfern: Während Ploeger hingerichtet wurde, seien NS-Täter meist nicht zur Rechenschaft gezogen worden. Andreas Rödel, Herfords stellvertretender Bürgermeister, erinnerte an die aktuellen Bezüge: "Zum ersten Mal seit 1945 wird es so kommen, dass Rassisten, Nazis und Antisemiten in den Bundestag einziehen. Der Gedanke ist für mich unerträglich." Für ihn seien "Respekt, Wertschätzung und Toleranz die Grundlagen unserer Gesellschaft." Heiko Plöger träumte von einer Gesellschaft voller Respekt und Toleranz Von so einem Deutschland hatte auch Heiko Ploeger geträumt: Bereits kurz nach der Machtübernahme beteiligte er sich an Flugblattaktionen gegen Hitler. Das NS-Regime, darauf bedacht, die Informationen, die die Menschen erhielten, zu filtern und umzudeuten, ging dann besonders während des Krieges gegen jeden vor, der es wagte, Rundfunk der Alliierten zu hören und die Nazi-Sicht infrage zu stellen. Heiko Ploeger, der sich mit ausländischen Rundfunksendungen über die militärische Lage informierte und diese Nachrichten mit Arbeitskollegen diskutierte, stand damit automatisch im Fadenkreuz des Regimes. Am 18. Januar 1944 wurde der Arbeiter von der Geheimen Staatspolizei (Gestapo) verhaftet, eingesperrt, verhört und gefoltert. Am 15. September 1944 wurde der Herforder schließlich wegen "Wehrkraftzersetzung und Rundfunkverbrechen" mit dem Fallbeil hingerichtet. Heiko Ploeger schrieb in seinem Abschiedsbrief an seine Angehörigen: "Ich hoffe, dass ein freieres Deutschland für Euch entsteht. Ich habe dafür gestrebt und gelitten. Deutschland wird es anerkennen." Auf seinem Grabstein auf dem Ewigen Frieden steht: "Er starb als Opfer der Diktatur für Wahrheit, Freiheit und Recht."

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