Historischer Ort: Bürgermeister Tim Kähler, Ralf Struthoff, Eckhard Wemhöner, Ute Blanke und Dieter Wulfmeyer blicken aus dem Nordportal des Münsters auf das Ausgrabungsgelände des mittelalterlichen Damenstiftes. - © Frank-Michael Kiel-Steinkamp
Historischer Ort: Bürgermeister Tim Kähler, Ralf Struthoff, Eckhard Wemhöner, Ute Blanke und Dieter Wulfmeyer blicken aus dem Nordportal des Münsters auf das Ausgrabungsgelände des mittelalterlichen Damenstiftes. | © Frank-Michael Kiel-Steinkamp

Herford Archäologisches Fenster an zentraler Kirche ist finanziell gesichert

Frank-Michael Kiel-Steinkamp

Herford. „Die Finanzierung des Archäologischen Fensters am Münster ist durch den Verein für Herforder Geschichte, die Dieter-Ernstmeier-Stiftung und Fördermittel des Bundes gesichert." Mit dieser Nachricht eröffneten Bürgermeister Tim Kähler, Ute Blanke und Ralf Struthoff von der Stiftung sowie Eckhard Wemhöner vom Verein freudestrahlend ein Pressegespräch im Vorfeld der Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses am Dienstag, 26. September, und der Ratssitzung am Freitag, 29. September. Der Rat muss dann entscheiden, ob die Stadt das Projekt, mit dem die Geschichte des bedeutenden Reichsstiftes für hochadelige Damen am historischen Ort erlebbar gemacht werden soll, unterstützt und der Umsetzung zustimmt oder nicht. Das Gremium hatte zur Bedingung gemacht, dass der Stadt keine Kosten entstehen dürften – auch nicht in der Unterhaltung. Diese Voraussetzung scheint erfüllt. „Wir haben nun die Möglichkeit, das Archäologische Fenster zu realisieren", sagte Kähler begeistert. Auch er hat sich wie schon Dieter Ernstmeier vom inzwischen durch die Fernsehsendung Terra-X einem breiten Publikum bekannt gewordenen Archäologen Matthias Wemhoff begeistern lassen und dem Vorhaben neuen Schwung gegeben. Kähler betrachtet das als Glücksfall, auch für die Herforder Stadtentwicklung „Der Dank gilt posthum Dieter Ernstmeier. Wir hatten das Geschick, Mittel des Bundes zu gewinnen. Verein und Stiftung ist es nun gelungen, die Finanzierung der Betriebskosten von 50.000 Euro jährlich über zehn Jahre valide darzustellen. Sollte der Bau teurer werden, würden Verein und Stiftung weitere 100.000 Euro zur Verfügung stellen," sagte Kähler. Anfang 2019 könnte Baubeginn und im Sommer 2020 Eröffnung sein. Kähler betrachtet das auch im Bezug auf die Stadtentwicklung als Glücksfall. Die Projektregie seitens der Stadt, die als Bauherr auftreten muss, um an die Fördergelder zu gelangen, soll bei Wirtschaftsförderer Dieter Wulfmeyer liegen, dessen Stabsbereich schon vergleichbare Aufgaben bei der Sanierung der Markthalle übernommen hat. Beratung leistet auch der Landschaftsverband. In der von Wulfmeyer erarbeiteten Ratsvorlage werden der Stand des Förderverfahrens und das weitere Vorgehen dargestellt. In der Machbarkeitsstudie des Büros Pfeiffer, Ellermann, Preckel werden die Kosten auf 3,3 Millionen Euro geschätzt: Baukosten 2,74 Millionen, Freilegung und Sicherung der Mauern und Schichten auf dem Ausgrabungsgelände 80.000 Euro, Ausstellungsbau und -gestaltung einschließlich Honorare und Projektsteuerung 480.000 Euro. Wird der Bau teurer als gedacht, will sich der Bund an den Mehrkosten nicht beteiligen Der Bund hat Fördermittel in Höhe von 1,575 Millionen Euro in Aussicht gestellt. Für die verbliebenen Kosten in Höhe von 1,725 Millionen Euro darf die Stadt auf schriftlich vereinbarte Zuwendungen Dritter zurückgreifen – eben Verein und Stiftung. An eventuellen Mehrkosten wird sich der Bund nicht beteiligen. Lediglich Kosten für die Projektsteuerung sind zusätzlich förderungswürdig. Das Archäologische Fenster muss barrierefrei gebaut werden. Matthias Wemhoff ist bereit, das erste Ausstellungskonzept zu erstellen. Das Honorar ist bereits in der Kostenschätzung enthalten. Spätere Ausstellungen sollen durch einen Beirat verantwortet werden. Der laufende operative Betrieb des Archäologischen Fensters soll nicht von der Stadt finanziert, kann aber auch nicht in vollem Umfang von Mitgliedern des Geschichtsvereins geleistet werden. Die Idee ist, auf das Knowhow der Stadtentwicklungsgesellschaft zurückzugreifen. Die würde ihre Leistungen in Rechnung stellen. Unterstützung könnte vom Hausmeister des Rathauses und den Mitarbeiten der demnächst in der kleinen Markthalle angesiedelten Tourist Information kommen. Die jährlichen Betriebskosten (Energie, Instandhaltung, Versicherung, Reinigung, Aufsicht) werden auf 50.000 Euro geschätzt. Verein und Stiftung haben sich bereit erklärt, das Geld je zur Hälfte über zehn Jahre zur Verfügung zu stellen – „in einem Kraftakt, aber solide finanziert", wie Ute Blanke, Ralf Struthoff und Eckhard Wemhöner betonten.

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