Sequenz aus dem Video: Der Beamte holt hier offenbar zum Schlag aus. - © nw
Sequenz aus dem Video: Der Beamte holt hier offenbar zum Schlag aus. | © nw

Herford Berufungsprozess gegen Polizisten aus Prügelvideo

Beamter war zu 15 Monaten aus Bewährung verurteilt worden

Jobst Lüdeking

Herford. Vor der 12. kleinen Strafkammer des Landgerichts Bielefeld beginnt am morgigen Freitag gegen 9 Uhr das Berufungsverfahren im Fall des so genannten Herforder Prügelvideos. Der Polizist und seine Strafverteidiger hatten Rechtsmittel gegen das Urteil des Schöffengerichts in Herford aus dem September 2016 eingelegt. Es hatte den Polizeibeamten zum einem Jahr und drei Monate auf Bewährung verurteilt – wegen Verfolgung Unschuldiger, Körperverletzung im Amt und versuchten Betrugs. Das bedeutet, dass der Mann automatisch seinen Beamtenstatus auf Grund der Verurteilung zu mehr als einem Jahr Haft verliert. Hintergrund des Prozesses ist eine auf Video festgehaltene Attacke auf einen Autofahrer während einer Verkehrskontrolle im Jahr 2015. Das Video war zunächst Beweismaterial in einem Prozess gegen den Autofahrer und seinen Cousin wegen des Vorwurfs, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte geleistet zu haben. Der Bielefelder Strafverteidiger Detlev Binder, der den Autofahrer vertritt, schaute sich jedoch das gesamte Video an. Sein Mandant wurde freigesprochen, gleichzeitig begannen Ermittlungen gegen den Polizisten. Die Verteidiger des Beamten, Martin Lindemann und Tobias Diedrich, hatten in dem dem vor knapp einem Jahr geführten Strafprozess Freispruch beantragt. Ihr Mandant habe rechtmäßig gehandelt. Zum einen habe es in Zusammenhang mit dem Autofahrer Hinweise auf Drogen gegeben, zum anderen habe er einen befürchteten Angriff abwehren wollen. Das Gericht war dieser Argumentation nicht gefolgt. Wie die Vorsitzende in der Urteilsbegründung durchblicken ließ, sah sie in der Attacke einen Versuch von Selbstjustiz.

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