Auf dem Weg zum Streifenwagen: Einer der drei Festgenommenen. Später kam er zum Haftrichter. - © Frank-Michael Kiel-Steinkamp
Auf dem Weg zum Streifenwagen: Einer der drei Festgenommenen. Später kam er zum Haftrichter. | © Frank-Michael Kiel-Steinkamp

Herford Raubüberfall auf Juwelier: Polizei fasst vierten Verdächtigen

Anklage gegen Komplizen erhoben: Die drei Männer aus Catania sollen sich im November vor Gericht verantworten

Jobst Lüdeking

Herford. Es war einer der spektakulärsten Polizeieinsätze der vergangenen Jahre. Am Abend des 11. Mai gegen 21.35 Uhr fasst ein Spezialeinsatzkommando im Hotel Münchner Hof drei Männer (20, 22 und 35 Jahre), die kurz zuvor das Juweliergeschäft Krüger überfallen haben. Wie die Neue Westfälische erfuhr, hat die Staatsanwaltschaft jetzt Anklage gegen das Trio erhoben - das aber faktisch kein Trio mehr ist. Denn mittlerweile wurde ein weiterer Komplize gefasst. Dass es einen vierten Mann gibt, der an dem Überfall beteiligt war, hatte die Kripo früh entdeckt und die Fahndung aufgenommen. Das Verfahren gegen diesen Mann, der jetzt in Bielefeld in Untersuchungshaft sitzt, wird aber gesondert geführt. Seine mutmaßlichen Komplizen sollen sich Ende Oktober vor der Jugendkammer des Landgerichts Bielefeld wegen schweren Raubes verantworten. "Noch ist aber nicht entschieden, ob die Anklage zugelassen wird. Zurzeit wird sie noch vom Landgericht geprüft", bestätigt der Herforder Strafverteidiger Christian Thüner, der den ältesten Angeklagten vertritt, auf Anfrage. Die im Münchner Hof eingesperrten Männer bemerken gar nicht, dass die Polizei sie umstellt hat Zur Last gelegt wird den drei Männern allein der Raubüberfall auf das Juweliergeschäft Krüger in Herford. Zwar gibt es den Verdacht, dass die Gruppe auch für weitere Taten verantwortlich sein könnten - in der Anklage der Staatsanwaltschaft geht es aber allein um den Überfall an der Berliner Straße. Offenbar wird die Tat als klar nachweisbar beurteilt - so dass nach einer möglichen Verurteilung Ermittlungen in anderen Verdachtsfällen ohne Zeitdruck weiter geführt werden könnten. Denn laut Gesetz soll die Untersuchungshaft zwischen ihrer Verhängung und einem Prozessbeginn nicht mehr als sechs Monate andauern. Nach dem bisherigen Stand stammt das Quartett aus der sizilianischen Metropole Catania. Die Männer hatten am Tattag gegen 18 Uhr im Hotel Münchner Hof eingecheckt. Nur knapp 30 Minuten später überfielen sie dann laut Anklage das Juweliergeschäft. Zwei Räuber stürmten in die Räume und bedrohten ihre Opfer. Die Männer flüchteten mit ihrer Beute zu Fuß. Sie schlugen einen Bogen und kamen zum Hotel zurück. Als sie ihre Kleidung vom Überfall auszogen und in einem Abfalleimer entsorgen wollten, wurden sie vom Hotelbesitzer gesehen. Der erkannte den Ernst der Lage, weil er bei einem der Männer eine Pistole sah. Er informierte die Polizei. Weil sich bis auf einen Stammgast keine anderen Gäste im Haus waren, konnte er, als die Gruppe auf dem Zimmer war, problemlos den Fahrstuhl ausschalten und die Türen nach draußen abschließen. So waren die Männer, die nichtsahnend auf einem ihrer Zimmer saßen, eingesperrt. Die Polizei riegelte das Areal zwischenzeitlich weiträumig ab. Ein Spezialeinsatzkommando (SEK) ging in Stellung. Gegen 21.35 Uhr griff das SEK dann zu. Einer der Verdächtigen wurde auf dem Flur gefasst, seine Komplizen auf dem Zimmer. Sie hatten noch ihre Beute dabei. Das Ermittlungsverfahren gegen den vierten Mann, der als eine Schlüsselfigur gilt, könnte Aufschluss darüber bringen, wie die Männer nach Herford kamen. Denn sie sprechen kein Deutsch und nur schlechtes Englisch. Dass sie auf eigene Faust von Catania aus ausgerechnet ein Ziel in Herford auswählten, wird nach NW-Informationen als unwahrscheinlichstes Tatszenario eingestuft.

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