Aufschlussreich: NW-Redakteur Peter Steinert (li.) im Kaffeehausgespräch mit Frank Zill, dessen Spedition im September Herfords erste Gigaliner, also Lastwagen mit bis 25,25 Meter Länge, in Betrieb nehmen wird. - © Paul Struthmann
Aufschlussreich: NW-Redakteur Peter Steinert (li.) im Kaffeehausgespräch mit Frank Zill, dessen Spedition im September Herfords erste Gigaliner, also Lastwagen mit bis 25,25 Meter Länge, in Betrieb nehmen wird. | © Paul Struthmann

Herford Herforder Speditionschef ist von Vorteilen der Gigaliner als nächster Generation von Lkw überzeugt

Die sogenannten Gigaliner sind mehr als 25 Meter lang und dürfen nur auf zugelassenen Strecken fahren

Peter Steinert

Herford. Ob Öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV), Radwegenetz oder Gigaliner auf Herfords Straßen: In der lockeren Atmosphäre eines Herforder Kaffeehauses unterhält sich die Neue Westfälische in loser Folge mit Fachleuten über das Thema Mobilität. NW-Redakteur Peter Steinert traf jetzt Frank Zill, Geschäftsführer der Westfalen-Lippe Speditions- und Lagerhausgesellschaft mbH (Herford), und unterhielt sich mit ihm in der Bäckerei Kleine über das Thema Gigaliner. Diese umstrittenen Fahrzeuge sind im Gegensatz zu herkömmlichen Transportern nicht bis zu 18,75 Meter lang sondern dürfen eine Gesamtlänge von 25,25 Meter haben. Herr Zill, mit welchem Fahrzeug sind Sie zu diesem Interviewtermin gekommen? Frank Zill: Mit einem Elektroauto. Das haben wir für Botengänge und Stadtfahrten angeschafft und das nutze ich jetzt für solche kurzen Strecken. Wie umweltfreundlich sind Sie? Zill: Unsere Branche ist ja sehr verschrien und auch nicht gerade sehr vorbildlich und da wollen wir als innovativer Betrieb ein bisschen was machen. Trifft das auch auf Ihren Fuhrpark zu? Zill: Anfang September bekommen wir zwei Gigaliner geliefert, mit denen wir Sprit sparen werden, weil wir statt drei Fahrten nur noch zwei Fahrten machen. Das heißt, wir können den dritten Lkw einsparen und damit auch Kraftstoffverbräuche und CO2-Emissionen reduzieren. Auf welchen Touren werden diese Fahrzeuge eingesetzt? Zill: Die ersten dieser Fahrzeuge laufen auf einer Strecke zwischen Hannover und Frankfurt. Das sind tägliche Touren, die hin- und her gehen. Was ist der Vorteil eines Gigaliners gegenüber konventionellen Transportern? Zill: Man kann einfach mehr transportieren. Sie sind im Verhältnis zum Kraftstoffverbrauch deutlich effizienter unterwegs. Was ist der Nachteil von einem Gigaliner? Zill: Der Nachteil ist im Moment noch, dass das Streckennetz eingeschränkt ist. Man kann also nicht überall entlang fahren und bei Staus darf man beispielsweise nicht von der Autobahn abfahren. Man muss die genehmigte Strecke nutzen und darf nicht davon abweichen. Beim langen Stau hängen wir fest und stellen uns hinten an. Dürfen Sie mit diesen längeren Lastwagen auch in Herford fahren? Zill: Teilstrecken in NRW sind freigegeben und gehören zum sogenannten positiven Streckennetz, das vom Bundesverkehrsministerium freigegeben wurde. Aber es muss jede Strecke speziell beantragt und freigegeben werden, so dass man nicht einfach von Herford nach Bad Salzuflen fahren kann und morgen von Bad Salzuflen nach Hannover. Es müssen schon bestimmte Streckenabschnitte geprüft und genehmigt sein. Wenn sich das mit den beiden ersten Gigalinern positiv entwickelt, gibt es Überlegungen, die Flotte diesbezüglich auszubauen? Zill: Definitiv ja, weil gerade auch unsere Kunden im Paket-Bereich starke Wachstumsraten vorlegen. Da kann man dieses Wachstum alleine durch die Gigaliner abwickeln, um auch die Straßen ein bisschen zu entlasten. Diese Entlastung betrifft größeres Frachtvolumen und weite Touren? Zill: Im individuellen Transportbereich ist es noch schwierig mit Gigalinern. Aber gerade auf den immer wiederkehrenden Strecken und wo dann wirklich nur die zentralen Umschlagpunkte angefahren werden, bietet sich das natürlich an. Und das ist tatsächlich wirtschaftlicher? Zill: Die Zugmaschinen sind teurer, von der Grundinvestition ist natürlich der Motorwagen das teuerste. Aber man spart Fahrer. Zumal es beim guten Personal im Moment einen Engpass gibt. Damit kann man so ein bisschen was kompensieren, wenn man bei dem Beispiel bleibt, dass statt der drei Autos nur zwei unterwegs sind. Die Einsparpotenziale, die sich dadurch ergeben, möchte unser Kunde natürlich auch haben und insofern haben wir einen Wettbewerbsvorteil. Vielerorts ist das auch ein Prestigeobjekt. Für uns ist es auch so, dass wir für diesen einen Kunden der erste Spediteur sind, der so ein Fahrzeug auf die Straße bringt und führen darf. Prestige, das hört sich positiv an. Ist es das auch? Zill: Ja. Dadurch, dass dann anderthalb Lkw enger zusammen sind, wird die Verkehrsbelastung auf Dauer deutlich reduziert. Welche Auswirkungen hat das Gewicht der Gigaliner? Zill: Schwerer sind sie nicht, denn die 40 Tonnen dürfen auch mit einem Gigaliner nicht überschritten werden. Das hat der Gesetzgeber vorgegeben. Das heißt, die Gesamtbelastung von 40 Tonnen wird auf mehr Achsen verteilt. Deswegen ist die Belastung der Straßen und Brücken vielleicht noch ein bisschen besser. Wann gibt es die ersten Elektrolastwagen? Zill: Ich denke, das wird wohl noch so zwei bis drei Jahre dauern. Aber da gibt es schon ganz viele Aktivitäten auf diesem Gebiet.

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