Herford Wie das Konzert der Bass-Legende Stanley Clarke im Schiller war

Tanzende Finger, fliegende Drumsticks

Ralf Bittner

Herford. Stanley Clarke, Jahrgang 1951 gilt als lebende Legende, vier Grammys und 40 Alben schwer. Er revolutionierte einst das Spiel auf dem E-Bass mit seiner Slap-Technik, kann aber auch dem Kontrabass wilde Tonkaskaden und mit dem Bogen weiche Töne entlocken. Jetzt legte er begleitet vom georgischen Pianisten Beha Gochiashvili und Schlagzeuger Michael Mitchell, einen Zwischenstopp auf dem Weg von Berlin nach London beim Musik Kontor im ausverkauften Schiller ein. Das Konzert wird zum schweißtreibenden Treffen der Generationen, denn mit den beiden Musikern umgibt sich Clarke mit zwei extrem jungen Ausnahmetalenten: Schlagzeuger Mitchell, der mit allen vieren und in aberwitzigem Tempo seine Drums und Becken bearbeitet, ist gerade 22 Jahre alt, Pianist Gochiashvili sogar noch ein Jahr jünger. Clarke lässt die Musik sprechen und die Titel verschmelzen Clarke ist kein Mann großer Worte. Er lässt die Musik sprechen. Moderation zwischen den Stücken gibt es nicht, Pausen nur selten. Die Titel verschmelzen mit fließenden Übergängen zu bis zu 20 Minuten langen Stücken, in denen anfangs der elektrische, später der Kontrabass im Zentrum stehen. Clarke gönnt sich und seinen Mitmusikern die Zeit für Improvisationen, die sich über Minuten steigern, um am Ende in mitreißender Dynamik förmlich zu explodieren. Natürlich gibt es auch Duette, wenn Bass und Drums, Bass und Piano oder Piano und Drums miteinander in verschachtelte Dialoge treten. Manchmal lauscht Clarke minutenlang, staunt über das, was sein Schlagzeuger, der sich manchmal selbst zu überholen scheint, in aberwitzigem Tempo da treibt, um am Ende altersweise zu nicken und auf die Hundertstelsekunde genau Rhythmus und Melodie wieder an sich zu ziehen. Für jeden gelungen Wechsel aus ausgiebiger Solo-Improvisation zurück ins Zusammenspiel mit den beiden anderen Band-Kollegen zollt das Publikum ausgiebig Applaus, ab und zu ist sogar ein aufmunterndes „Yeah!" zu hören. Staunen lässt die Virtuosität mit der Clarke seinen Kontrabass mit über die Saiten tanzenden Fingern grooven, grummeln oder im schweißtreibenden Staccato vorwärts eilen lässt. Spielfreude und Meisterschaft verbinden sich zu einem einzigartigen musikalischen Rausch.

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