Mit einer Tour auf der Werre in einem der Drachenboote des Herforder Kanu Klubs verabschieden sich die Teilnehmer symbolisch von der Hansestadt. - © Ralf Bittner
Mit einer Tour auf der Werre in einem der Drachenboote des Herforder Kanu Klubs verabschieden sich die Teilnehmer symbolisch von der Hansestadt. | © Ralf Bittner

Herford Eine Fahrt im Drachenboot als Integrationsprojekt

Mit einer Proberunde verabschieden sich Teilnehmer des ungewöhnlichen Projektes von Herford. 
Am Montag beginnt dann die eigentliche Weserreise

Ralf Bittner

Herford. „Es wird ein Abenteuer", sagt Markus Wacker vom Seesportclub Marine-Jugend Herford bei der Begrüßung der 25 Teilnehmer am Projekt „Wir sitzen alle in einem Boot". Bis zum 29. Juli will die Crew mit dem Wikingerboot „Skua" und Begleitfahrzeugen Bremerhaven erreichen. Zuvor drehen sie in einem Drachenboot des Herforder Kanu Klubs eine Abschiedsrunde auf der Werre. „25 Jugendliche verschiedener Nationalitäten und Kulturen, so genannte Biodeutsche, in Deutschland geborene Menschen mit Migrationshintergrund und Geflüchtete, sind dabei", sagt Stamatios Mavroudis von der Integrationsagentur des Diakonischen Werkes, einem der Kooperationspartner, zu denen neben dem Seesportclub noch der Nordstadtdrachen-Verein und der Boxsportverein 1929 Herford (BSV) gehören. Das Projekt sei keine Urlaubsreise, sondern ein ehrgeiziges Integrationsprojekt, das weit über den Arbeitstitel „Von hier bis ans Meer" hinausgehe. Ab Montag wird von Borlefzen mit der „Skua" gen Norden gerudert. Unterwegs sind Aufenthalte in Nienburg, Verden, Bremen und Bremerhaven zum Abschluss geplant. Vor Ort stehen Stadtführungen oder Begegnungen mit Sport- oder Kulturvereinen auf dem Programm. Andere Menschen annehmen „An Bord werden die jungen Menschen zum Team zusammenwachsen", hofft Trainer Georg „Jollo" Kroner vom BSV. „Sprache ist dabei wichtig, aber auch die Bereitschaft andere Menschen anzunehmen." So müssen viele junge Männer, die aus Ländern mit einer strengeren Auslegung des Islam als in der Türkei oder auf dem Balkan üblich, nach Deutschland gekommen sind, die selbstständigere Rolle von Frauen verstehen und akzeptieren lernen. So wie im BSV selbstverständlich Männer und Frauen auch unter Anleitung zweier Trainerinnen zusammen trainieren, sind auch acht Mädchen und junge Frauen dabei, die eine der fünf Zeltgemeinschaften bilden. Auch einige minderjährige unbegleitete Flüchtlinge sind dabei, so wie Sefathulla und Nasir. Die beiden jungen Männer sind 17 und 18 Jahre alt. Nasir wohnt in einer Unterkunft in Bielefeld und hörte von „Jollo", der dort als Hausmeister arbeitet, vom Projekt. "Uns fehlen deutsche Freunde" Sefathulla besucht das Bünder Gymnasium am Markt. Beide sind von Anfang an bei den Kennenlern- und Vorbereitungstreffen dabei gewesen und hoffen jetzt auf neue Eindrücke und Kontakte: „Uns fehlen deutsche Freunde", sagt Sefathulla, „wenn es anders wäre, würde ich auch schon besser Deutsch sprechen." In der Gruppe fühlen sie sich gut aufgenommen, muss doch Vieles wie Rudern, wie Zelte auf- und abbauen, oder Kochen gemeinsam erledigt werden. Kontakte entstehen dabei wie von selbst. „Das wird eine besondere Erfahrung", sagt Merve Gülec, Trainerin beim BSV. Das gilt aber für alle Beteiligten. Auch Bootsführer Wacker ist sich im Klaren, dass einige Etappen allein wegen der Länge anspruchsvoll werden. „Ob die letzte Etappe von Bremen bis Bremerhaven überhaupt gerudert werden kann, hängt von Gezeitenströmung, Wetter, Zustand der Boote und dem Willen der Mannschaft ab", sagt er: „Es wäre schön, wenn wir tatsächlich Bremerhaven erreichen würden." Möglich wird die Reise durch einen Eigenanteil der Teilnehmer und das Engagement vieler Förderer.

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