Strenge Schule: Karate-Lehrer Thomas Näther verfolgt die Kata-Übungen seiner Schülerinnen Celine (v. l.), Nicole und Marina beim Kampfkunst-Event. - © Ulrich Finkemeyer
Strenge Schule: Karate-Lehrer Thomas Näther verfolgt die Kata-Übungen seiner Schülerinnen Celine (v. l.), Nicole und Marina beim Kampfkunst-Event. | © Ulrich Finkemeyer

Herford So war das Kampfsport-Event in der Kreissporthalle

Shotokan-Karateka, Wing-Chung- und Luta-Livre-Kämpfer demonstrieren ihre Künste

Ulrich Finkemeyer

Herford. Der Interkulturelle Herforder Sport- und Bildungsverein hat sich bei seiner Gründung im Oktober 2016 auf die Fahnen geschrieben, ein „Leitfaden für Kinder und Jugendliche" zu sein, vor allem durch „Sport, Bildung und Integration". Jetzt hat sich der junge Vereinsvorsitzende Omar Aref (23) daran orientiert. Mit einem Martial-Arts-Event am Samstag in der Kreissporthalle Bielefelder Straße, wollte er „junge Menschen von der Straße holen". Dabei wurden verschiedene Kampfsportarten präsentiert. Leider mussten der Sport- und Bildungsverein mehrere kurzfristige Absagen hinnehmen. Auch blieb die Zuschauerresonanz „unter den Erwartungen", erklärte der ambitionierte Vereinsvorsitzende, der selbst aktiver Kampfsportler ist. Das hatte zur Folge, dass die Veranstaltung um circa eine Stunde gekürzt werden musste. Immerhin stellten sich drei Kampfsportschulen aus dem Bereichen Karate, Wing Chun und Luta Livre in der Kreissporthalle vor. Ältestes Mitglied des Sandokai-Vereins 
ist 85 Jahre alt Aus Detmold war Karateka Thomas Näther, vom Sandokai-Detmold, mit drei Nachwuchskämpferinnen angereist. „Wir unterweisen im Verein bereits Fünfjährige in Shotokan-Karate; unser ältestes Mitglied ist 85 Jahre alt. Die Kurse teilen sich selbstverständlich in verschieden Altersgruppen und Kyu- und Dan-Grade auf", teilte der Schwarzgurt-Träger (3. Dan) mit. Sodann zeigten die Detmolder Karateka Übungen aus der Grundschule des Shotokan-Karate, dem Kihon, aus Kumite (Übungen mit Partner) und Kata (Übungen ohne Gegner). Entweder Näther allein oder mit der zwölfjährigen Celine im „partnerschaftlichen Miteinander" (Thomas Näther), oder die drei Nachwuchskämpferinnen, also Celine und die zehnjährigen Zwillinge Nicole und Marina, zusammen. Und die Mädchen machten ihre Sache gut. Die Bewegungsabläufe im Kata waren in der Präzision kaum von ihrem Shotokan-Lehrer zu unterscheiden, naturgemäß aber in Kraft und Dynamik. Inhaltlich wird Karate vor allem durch Schlag-, Stoß-, Tritt- und Blocktechniken sowie Fußfegetechniken als Kern des Trainings charakterisiert. Aus Salzgitter angereist war Wing-Chun-Lehrer (Sifu) Abdul Zreika, vom Ip Man-Wing Chun Germany, mit drei Schülern. „Vom Fuß bis Kopf – alles ist Wing Chun", definiert Sifu Abdul die Kontakt-Kampfsportart, die ursprünglich aus China kommt, und die auch zur Selbstverteidigung eingesetzt werden kann. Was Zreika mehrfach demonstrierte. Er bedient sich dabei aus dem großen Pool von fast 20 Handtechniken, vier Fausttechniken, vier Fußtechniken, vier Schritttechniken und drei Körperständen. So richtig zur Sache ging es bei der dritten Kampfsport-Demonstration. Aus der Hiddenhauser Sportschule „Harrycan" waren Inhaber Harry Baumeister (42) und Schüler Dean O’Hare (24) an die Bielefelder Straße gekommen, um die brasilianische Kampfsportart Luta Livre (übersetzt: Kopf-Frei/Freier Kampf) vorzustellen. Luta Livre zählt wie Judo oder Ringen zu den Grappling-Disziplinen, ist also ein Griff-Kampfsport. „Hier geht es klar darum, den Gegner zu dominieren", erklärte Baumeister den „freien Kampf", bei dem „alles geht, auch Judo und Ringen". Baumeister, der auch den Vollkontakt-Wettkampf MMA (Mixed Material Arts) unterrichtet, hat viele Elemente aus dem Ringen in sein Luta Livre-Repertoire aufgenommen, was er in energiegeladenen Zweikämpfen mit Schüler Dean O’Hare demonstrierte. Da stand der Master schon mal Kopf, um dann am Boden seinen Gegner mit Klammergriffen zu traktieren, bis dieser zum Zeichen der Aufgabe abklopft.

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