Vorfahrt für Radfahrer: Der Autoverkehr muss Montagnachmittag auf der von der Polizei gesperrten Berliner Straße für die Fahrrad-Demonstration Platz machen. - © Thomas Hagen
Vorfahrt für Radfahrer: Der Autoverkehr muss Montagnachmittag auf der von der Polizei gesperrten Berliner Straße für die Fahrrad-Demonstration Platz machen. | © Thomas Hagen

Herford 150 Teilnehmer bei der Fahrrad-Demo

„Die Autos müssen Platz machen“, fordert Peter Dobrindt vom Allgemeinen Deutschen Fahrradclub Herford und sagt „Unsere Stadt muss wieder lebenswerter werden“

Axel Strötker

Herford. „Bürger auf den Gehweg, Radfahrer auf die Straße! Der Autoverkehr muss Platz machen! Herford braucht mehr Radverkehr! Gegen giftige Abgase, Straßenlärm und verstopfte Straßen!" lauteten die Forderungen, die Peter Dobrindt auf die Vorder- und Rückseite eines Plakates geschrieben und an seinem Rad befestigt hatte. Auf dem Münsterkirchplatz schnappte sich der zweite Vorsitzende des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs Herford ein Mikrofon und stimmte 150 Teilnehmer auf die Fahrrad-Demonstration ein. „In den 1960er Jahren wurden breite Schneisen in die Bebauung geschlagen, um Autos den Weg in die Stadt zu erleichtern", sagte Peter Dobrindt an. Heute würden diese überdimensionierten Straßen genutzt, um schnell durch die Stadt zum Einkaufen in Randgebiete zu gelangen. Wertvolle, innerstädtische Flächen würden geopfert, damit dort Autos parken könnten, die eine Stunde pro Tag genützt würden. Viele Menschen möchten vermehrt das Fahrrad nutzen, doch wer traue sich auf Straßen dicht neben schnellen Autos zu fahren? Peter Dobrindt: „Unsere Stadt muss wieder lebenswerter werden! Wo sind die Maßnahmen, das Fahrrad zu nehmen und das Auto stehenzulassen?" Der ADFC fordert: „Kein Radfahrer darf Angst haben auf der Straße zu fahren – für breite und sichere Radwege. Radfahren muss belohnt werden. Grüne Welle für den Radverkehr. Keine Verkehrsplanung mehr ohne Vorrang für den Radverkehr." Das alles galt für die Demo: Die Polizei eskortierte die 150 Radfahrer auf der rund fünf Kilometer langen Strecke über den Alten Markt, die Rennstraße, Johannisstraße, Berliner Straße, Mindener Straße bis zur Einmündung Lübberlindenweg und zurück. Barbar Rodi von der Friedensfördernden Energie-Genossenschaft Herford betonte bei einem Halt: „Bisher liegt der Fahrradanteil an Verkehrsbewegungen in Herford bei 12 Prozent, in Lemgo bei 17 Prozent und in Münster bei 45 Prozent. Radfahren muss angstfrei möglich sein." Laut Bundesumweltamt wollten 92 Prozent aller jungen Menschen in Städten leben, in denen man kaum auf ein Auto angewiesen sei. Irmgard Pehle von den Naturfreunden sagte: „Straße frei für Fahrradfahrer!" Im Gegensatz zu Herford beteiligten sich Bad Salzuflen, Bielefeld und Löhne am „Stadtradeln." Bei dem Wettbewerb gehe es um Spaß, radelnde Mitglieder der kommunalen Parlamente, tolle Preise, aber vor allem darum, möglichst viele Menschen für das Umsteigen auf das Fahrrad im Alltag zu gewinnen und einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten. Irmgard Pehle: „Herford ist bisher nicht dabei, obwohl unser Bürgermeister doch gern Fahrrad fährt, jedes Jahr in den Sommerferien." Fahrradfreundliche Stadt dürfe nicht nur eine Willensbekundung sein, sondern müsse auch praktische Folgen haben.

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